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Mensch und Puppe: Zum Fremdschämen peinlich

In „The Happytime Murders“ treffen mit Menschen aus Fleisch und Blut auf Muppet-Puppen. Und werden von denen an die Wand gespielt.

Foto: Tobis / TOBIS Film

Bis heute hat die Jim Henson Company einen guten Ruf als kreative Puppenschmiede, obwohl die Klassiker „Sesamstraße“ und „Muppet Show“ längst nicht mehr der Firma gehören. Seit Jim Hensons Tod 1990 führt sein Sohn Brian Henson die Geschicke des Unternehmens. Er hat sich vorgenommen, ein Puppentheater für Erwachsene zu kreieren. Wie er sich das vorstellt, kann man in „The Happytime Murders“ erleben, einer platten Film-noir-Hommage, in der Schauspieler aus Fleisch und Blut an der Seite von Muppet-Restbeständen agieren. Was vor allem eines ist: zum Fremdschämen peinlich.

Der Humor von Komödien aus dem prüden Amerika zielt gern unter die Gürtellinie. Das muss man mögen. Doch irgendwann provoziert auch die derbste Zote keinen Lacher mehr. Brian Henson und Drehbuchautor Todd Berger treiben das auf die Spitze. Dabei ist die Grundidee gar nicht so blöd. In Los Angeles leben Menschen und Puppen zusammen. Die Puppen werden von den Menschen gedemütigt. Gleichberechtigung? Von wegen. Da blitzen kurz Rassismus-Analogien auf, die aber schnell wieder für billige Gags verblassen.

Eigentlich weiß man ja, was einen erwartet, wenn man sich auf eine Komödie mit Melissa McCarthy einlässt. Es wird heftig. Hier spielt sie eine Polizistin, die eine Serie mysteriöser Puppenmorde aufklären soll. Und muss widerwillig mit ihrem Ex-Partner Phil zusammenarbeiten, der ersten Puppe, die es in den Polizeidienst geschafft hat, bevor er nach einem Zwischenfall unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde. Er ist nun Privatdetektiv. Sam Spade lässt grüßen. Er bekommt Besuch von einer so blonden wie sexbesessenen Puppen-Klientin. Er soll für sie einen Erpressungsfall aufklären. Der hat auch mit der brutalen Mordserie zu tun.

Schnell stellt sich heraus, dass alle Opfer zum Team der einst erfolgreichen TV-Show „The Happytime Gang“ gehören. Die leben inzwischen zumeist in der Gosse, jobben in Sexshops, sind drogensüchtig. Dass die Mordserie viel mehr mit Phils Vergangenheit zu tun hat, als ihm lieb ist, verpufft jedoch in einer wirren Anhäufung bizarrer, abstruser und pornografischer Szenen. Da fliegen die Puppenfetzen im Kugelhagel, da gibt es pelzige Stricher und geile Hasen. Und da spritzt das Puppensperma satt auf Wände. Alles zusammengehalten von vulgären Dialogen, die sich meist im Bereich pubertärer Comedy-One-Liner bewegen.

Die Puppentechnik immerhin ist gewohnt professionell. Die fluffigen Figuren spielen die menschlichen Darsteller glatt an die Wand. Da kommt auch Melissa McCarthy nur selten zum Zuge. Einziger Lichtblick ist Maya Rudolph als Phils Sekretärin Bubbles. Sie sorgt als so charmante wie patente Vorzimmerdame für die wenigen komödiantischen Momente in dieser ansonsten aufwendigen Sinnlosigkeit. Ein filmischer Totalschaden.

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