„Das Bild ,Das Balkonzimmer‘ von Adolph Menzel ist ein Werk, das mir sehr am Herzen liegt. Menzel ist einer der Künstler, der in der Nationalgalerie besonders gut vertreten ist, einer unserer Stars. Zu Recht, denn er ist ein so facettenreicher Künstler gewesen – ein unglaublicher Erneuerer der Malerei. Wir kennen ihn durch Bilder aus dem Leben Friedrich des Großen, wo er sich als Historienmaler – damals die höchste Bildgattung – hervortat. Und zur selben Zeit malte er mit dem ,Balkonzimmer‘ ein relativ belangloses Motiv. Es ist in einer Zeit entstanden, die wir als Biedermeier beschreiben. Die Zeit vor der 1848er-Revolution. Zumeist zeigen Interieur-Darstellungen des Biedermeier mit vielen Möbeln vollgestellte bürgerliche Zimmer, wo jedes Detail der Dinge wichtig ist: Welches Furnier hat der Tisch, welche Schließe die Schatulle? Dies zeigten die Maler in minutiöser Art. Und was zeigt Menzel?

    Ein Bild, das viele Rätsel aufgeworfen hat. Allein, wie die Möbel gestellt sind. Die zwei Stühle wirken wie abgestellt, in einem nicht dekorierten Zimmer, das eigentlich leer ist. Einige Gegenstände sind nur angedeutet und lassen sich am Rande des Bildausschnittes lediglich erahnen. Wir sehen einen Spiegel und darin, wie sich der Raum erweitert: ein Sofa oder Sessel mit einem Bild an der Wand darüber. Auch der helle Fleck an der Wand ist mysteriös und hat viele Kunsthistoriker beschäftigt. In diesem Unbestimmten liegen die Qualität und die Neuerung des Gemäldes. Das Thema ist nicht mehr der Innenraum, sondern das Immaterielle, das Licht, das dort einfällt. Das Licht und der Wind sind die Protagonisten dieses spontanen Bildes von Adolph Menzel.“