Ein Besuch der Kommunalen Galerie Berlin ist ein besonderes Erlebnis. Nicht nur wegen der drei verschiedenen Ausstellungen, die gleichzeitig gezeigt werden mit Arbeiten von mehr als zwei Dutzend Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlicher Genres. Es ist auch ein Erlebnis wegen dieses Moments des Wechsels zwischen den Welten. Der, des verkehrsumtosten Alltags am Hohenzollerndamm, umgeben von einem Sammelsurium Berliner Verwaltungs-Architektur – und der belebenden Welt der Kunst. Die betritt man durch eine Schleuse und findet sich in langen, hellen, unterteilten Räumen. Im Erdgeschoss empfangen die Information und eine außergewöhnlich gut bestückte Artothek, links begrüßt dezent in einem Vorraum die Kunst.
Von dort geht es weiter in einen kleinen, kabinettartigen Ausstellungsraum. In dem ist bis 19. August die Fotoausstellung „Mit Licht zeichnen“ – Fotografien von Efraim Habermann zu sehen. Berührende Schwarz-Weiß-Arbeiten aus Venedig, von Menschen im Museum, Architekturaufnahmen aus den 70er- und 80er-Jahren in Berlin. „Er ist fotografischer Chronist eines Berlins, das es nicht mehr gibt“, schwärmt Elke von der Lieth, seit 2004 Leiterin der Kommunalen Galerie Berlin. Sie kennt Habermann seit vielen Jahren. 85 Jahre ist er inzwischen alt, hat die Zeit des Nationalsozialismus durch Flucht nach Palästina überlebt. 1957 kam er nach Berlin zurück, wenige Jahre später wechselte er den Beruf und wurde Fotograf.

Ein Stockwerk höher wird das weite Spektrum der Kommunalen Galerie Berlin in gleich zwei Ausstellungen sichtbar. In einem vielleicht fast 30 Meter langen Raum werden in „Ausgezeichnet | Gefördert“ Stipendiatinnen und Stipendiaten der Berliner Hans und Charlotte Krull Stiftung 2016 bis 2018 gezeigt. Konventionelle Öl auf Leinwand-Arbeiten, Skulpturen aus Porzellan, Video-Kunst und Gouachen. Bis 16. September sind die Werke von sieben Künstlerinnen und Künstlern zu sehen, die von der Berliner Krull-Stiftung mit Arbeitsstipendien von jeweils 12.000 Euro für ein Jahr gefördert werden. „Da die Krull-Stiftung keine eigenen Ausstellungsmöglichkeiten besitzt, sind wir diese Kooperation eingegangen“, erklärt Elke von der Lieth.
Ausleihe aus der Artothek
Ein solches Engagement entspricht der Philosophie der Galerie. „Von Beginn nahm die Kommunale Galerie Berlin und ihre Vorläuferin im Kunstamt Wilmersdorf immer auch fürsorgliche Aspekte des Kunstbetriebs wahr“, sagt die Kunstwissenschaftlerin. Waren es anfangs Bildankäufe für 20 Mark, die über den furchtbaren Winter 1946 halfen, sind heute die Ankäufe für die Artothek ein wichtiges Instrument regionaler Künstlerförderung. Der Bestand der Präsenzausleihe umfasst Druckgrafiken, Zeichnungen, Fotografien, Gemälde, Skulpturen und Objekte – darunter Kunst für Kinder und eine Auswahl von Berlinansichten. Die Kunstwerke können für wenig Geld, ab fünf Euro für zehn Wochen, ausgeliehen werden: Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts von Künstlerinnen und Künstlern, die in Berlin leben und arbeiten. Ein weiteres Modul der Kommunalen Galerie Berlin ist das „Atelier“. Dort können Kinder und Jugendliche an Workshops teilnehmen.
Nach der Ausstellung der Stipendiaten geht es über einen Durchgang in den nächsten Ausstellungsraum, in dem bis 19. August die neun Künstlerinnen und Künstler die Ausstellung „Kannitverstan*“ zeigen. „Was Zeichnungen erzählen“, lautet der Untertitel der Ausstellung, in der neun verschiedene aktuelle Positionen des Genres Zeichnung gezeigt werden. Licht und hell präsentieren sich die Räume der Kommunalen Galerie Berlin seit dem Umbau und Modernisierung 2009.
Vor mehr als 80 Jahren habe der Bau „als Solitär am Fehrbelliner Platz gestanden“. Blauklinkerfassade, ein Monolith der Neuen Sachlichkeit, entworfen von Emil Fahrenkamp, bekannt für das denkmalgeschützte Shell-Haus am Landwehrkanal. Tausende Quadratmeter Fläche, 1931 bis 1935 als Stahlskelettbau errichtet. Zuerst für eine genossenschaftliche Angestelltenversicherung, von den Nationalsozialisten als Hauptsitz der Deutschen Arbeitsfront umfunktioniert, im Krieg beschädigt, doch bald als Haus der Konfektion Arbeitsplatz für fast 2000 Menschen. In den 1950er- und 1960er-Jahren Standort von Gewerbemietern.
Insgesamt 28 Kommunale Galerien in Berlin
Eine der letzten Firmen im Haus war Spitta & Leutz, Büro- und Zeichenbedarf für Künstler und Architekten. Und, hier schließt sich ein Kreis, auch Standort einer kleinen Galerie. „Der Bezirk hat diese Räume dann ausgebaut und weiter Kunst präsentiert“, so Elke von der Lieth.
Ein wichtiges Feld ihrer Arbeit sieht sie im Umgang mit Künstlernachlässen, „da haben wir leider zu wenig Kapazitäten“. Persönlich bedauert sie, nicht mehr so viel Zeit für Atelierbesuche zu haben wie früher. Dann muss sie zum nächsten Termin. Neben der Galerie leitet sie auch den Fachbereich Kultur und ist Kulturverantwortliche von Charlottenburg-Wilmersdorf.
„Heute sind die insgesamt 28 Kommunalen Galerien Berlins ein öffentliches Forum und bieten Raum für Diskussionen und Vermittlung, so zum Umgang mit Rechtspopulismus im Kontext von Kunst und Kultur. Im Rahmen der Kunstwoche vom 7. bis 16. September findet dazu eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel Kultur in nervösen Zeiten III statt“, sagt Elke von der Lieht.


