Kultur

„Ich bin noch nicht fertig“

Filmstar Michael Douglas über seinen späten Einstieg ins Superheldenkino, den Sieg über den Krebs und die Bedeutung Deutschlands für seine Karriere

Ans Aufhören denkt Michael Douglas noch lange nicht. Nach seiner Krebserkrankung vor acht Jahren startet der Hollywoodstar gerade noch einmal richtig durch. Im Jahr seines 50. Hollywoodjubiläums. Nach seinem ersten Ausflug ins Superheldenuniversum mit „Ant-Man“ vor drei Jahren spielt er auch in der Fortsetzung den Ur-Ant-Man und Wissenschaftler Hank Pym, der einen Superhelden in Ameisengröße entwickelt hat. Zum Interview in Paris kommt der 74-Jährige bestens gelaunt und mit einem strahlenden Lächeln. Am Tag zuvor ist er noch mit einem weißen Cadillac zur Europa-Premiere durch Disneyland gefahren worden – und hat sich darüber gefreut wie ein kleiner Junge.

Herr Douglas, dürfen wir Ihnen erst mal eine grundsätzliche Frage stellen: Wie geht es Ihnen?

Michael Douglas: Danke, blendend. Ich bin seit sechs Jahren krebsfrei und genieße jede Minute meines Lebens.

Sie sind erst in etwas höherem Alter ins Superheldenfach gewechselt. Mit 71, um genau zu sein. Fühlen Sie sich immer noch als Sexsymbol?

Nein. Das habe ich auch nie getan. Lediglich drei meiner Filme passen in dieses Image: „Eine verhängnisvolle Affäre“ von 1987, „Basic Instinct“ von 1992 und „Enthüllung“ von 1994. Die drei Filme waren einfach gut gemacht und haben eine Illusion erzeugt. Ich selbst habe mich aber nie als Sexsymbol gesehen.

Haben Sie sich dennoch körperlich auf Ihren Einsatz bei „Ant-Man“ vorbereitet?

Mir blieb nichts anderes übrig. Aber das hat nichts mit dem Film zu tun. Mein Vater Kirk ruft mich fast täglich an und fragt, ob ich auch ordentlich trainiere. Generell versuche ich, fit zu bleiben. Für „Ant-Man“ musste ich zum Glück nicht so viel trainieren wie mein Superhelden-Kollege Paul Rudd. Der Arme kam aus dem Fitnessstudio gar nicht mehr raus. Und jetzt, wo sie es schaffen, mein Gesicht 30 Jahre jünger werden zu lassen, will ich mir gar nicht vorstellen, was sie alles mit meinem Körper machen könnten.

Fühlen Sie sich wohl, wenn Sie vor einem Greenscreen spielen müssen, an dessen Stelle dann später die ganzen Spezialeffekte eingefügt werden?

So oft habe ich das ja noch nicht gemacht. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Es ist eine vollkommen andere Herangehensweise. Man muss dem Regisseur viel mehr vertrauen, denn nur er weiß, was in der Szene wirklich passieren wird. Ich muss nach links und nach rechts, nach oben und nach unten gucken und mir dabei vorstellen, wie eine Riesenameise an mir vorbeiläuft. Das ist absurd. Macht aber Spaß.

„Ant-Man“ ist ein Familienfilm, die Figur ist motiviert von der Liebe seiner Familie. Ist das eine Parallele zu ihrem Leben?

Ich habe mit meiner Familie großes Glück gehabt. Sie unterstützen und motivieren mich in meinen Entscheidungen. Es ist eine wunderbare Zeit in meinem Leben. Meine Gesundheit kommt an erster Stelle. Ein paar meiner Freunde haben den Kampf gegen die Krankheit verloren. Aber ich bin gesund und darf in Blockbustern mitspielen, die an der Kinokasse erfolgreich sind. Die Karriere meiner Frau läuft, meinen Kindern geht es gut, sie werden langsam, aber sicher mit der Schule fertig – und wollen alle Schauspieler werden.

Ihr Vater war einst dagegen, dass Sie Schauspieler werden. Ist es okay für Sie, wenn Ihre Kinder auch in Ihre Fußstapfen treten?

Definitiv. Sie sollen das machen, womit sie glücklich sind. Und mit meiner Frau Catherine und mir haben sie auch Vorbilder. Sie sehen, dass es funktioniert.

Werden Sie jetzt, da Sie Teil des „Marvel Cinematic Universe“ sind, von Fans anders wahrgenommen?

Sagen wir mal so, ich werde mittlerweile auch von Kindern wahrgenommen.
Nach dem ersten Teil kam mein damals 15-järiger Sohn zu mir, klopfte mir auf
die Schulter und sagte: „Dad, dieser
Film wird deiner Karriere guttun. Du wirst damit eine ganz neue Generation erreichen.“ Ich habe mich mit einem Grinsen bedankt. Er war aber noch nicht fertig. „Dad, du solltest unbedingt über ein Sequel nachdenken.“ Er hatte wohl recht. Denn gerade Kinder sprechen mich immer wieder auf die Rolle an. Für sie bin ich einfach nur „Ant-Man“. Klar, die kennen weder „Basic Instinct“ noch „Eine verhängnisvolle Affäre“. Zum Glück.

Die Rolle aus welchem Film hängt Ihnen am meisten an?

Das wird wohl „Wall Street“ sein.

Sind Sie an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, an dem Sie auf ihre Karriere zurückblicken und eine Art Fazit ziehen?

Nein, denn ich war noch nie der Typ, der gerne zurückblickt. Aber wenn Sie mich so fragen: Ich habe schon viele Filme gemacht, auf die ich stolz bin. Diesbezüglich kann ich mich wirklich nicht beklagen. Ich bin jetzt seit 50 Jahren im Filmgeschäft und habe alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Aber ich habe kein Interesse daran, meine Memoiren zu verfassen. Ich bin noch nicht fertig.

Haben Sie damals Ihre Rollen anders ausgewählt als heute?

Nein, denn ich suche mir nicht die Rollen aus, sondern die Filme. Anders als viele andere Schauspieler stehe ich ja nicht nur vor der Kamera, sondern produziere auch. Wenn mir ein Drehbuch angeboten wird, lese ich alles. Nicht nur meine Rolle. Ich entscheide, ob es ein guter Film ist, nicht eine gute Rolle. Klingt es sexy, packt es mich, dann fange ich an zu analysieren. Über die Jahrzehnte habe ich viel Erfahrung gesammelt und finde schnell raus, ob ein Film hält, was das erste Lesen verspricht.

Ihren Durchbruch hatten Sie mit der Fernsehserie „Die Straßen von San Francisco“. Was geht Ihnen heute durch den Kopf, wenn Sie im Fernsehen zufällig über eine der alten Folgen im Fernsehen stolpern?

Welche großartige Zeit wir damals hatten. Karl Malden war nicht nur in der Serie mein Mentor, sondern auch im echten Leben. Alles, was ich über Schauspielerei gelernt habe, habe ich von ihm und dieser Zeit mitgenommen. Wir drehten 26 Folgen im Jahr, achteinhalb Monate lang, sechs Tage die Woche. Jede Woche gab es nicht nur neue Drehbücher, sondern auch neue Regisseure. Die Disziplin am Set war unglaublich. Ich verdanke Karl alles. Und Deutschland!

Deutschland?

Ihr Land war das erste, in dem ich als Schauspieler ausgezeichnet wurde. 1976 habe ich in München den Bambi bekommen. Bei der Preisverleihung stand ich auf der Bühne, hielt meine Dankesrede und die Leute tuschelten: Was soll das, wer ist das, warum redet der so komisch? Meine deutsche Synchronstimme war viel tiefer als meine eigene. Und viel besser. Nach diesem kurzen Ausflug nach Deutschland habe ich ein intensives Stimmtraining begonnen und ein ganz neues Auftreten bekommen.

Hat das Besiegen der Krebserkrankung neue Energien bei Ihnen freigesetzt?

Ja, denn ich habe auf einmal wieder eine Zukunft. Und gerade jetzt als Schauspieler eine Zukunft zu haben, ist ganz wunderbar. Egal in welchem Alter.

Warum?

Weil wir in rosigen Zeiten leben. Dank all der Streamingdienste wie Netflix, Amazon und Hulu können wir uns vor Angeboten nicht retten. Meine Frau Catherine hat gerade sogar eine Serie für Facebook abgedreht. Jeder mit Talent, egal ob Drehbuchautoren, Regisseure oder Schauspieler – wir haben gerade alle eine Menge Optionen.

Aber fehlt Ihnen da nicht auch als Konsument manchmal die große Leinwand?

Doch, das tut sie. Aber es hat eben auch Vorteile. Vor allem für mich als Schauspieler. Auf einmal bekomme ich auch für kleine Herzensprojekte eine Gage und arbeite nicht mehr umsonst.

Gibt es etwas, was Sie bedauern? Verpasste Chancen zum Beispiel?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich bedauere eher, eine Zeit lang zu viel gemacht zu haben. In den späten 8oer- und frühen 90er-Jahren hatte ich einen Lauf. „Eine verhängnisvolle Affäre“, „Wall Street“ – danach habe ich mich übernommen.

Warum?

Durch den Erfolg der Filme und meinen Oscar war ich auf einmal einer der Top-Schauspieler in Hollywood. Und ich habe zu viel gemacht, nicht nur als Schauspieler, auch als Produzent. Ich habe selbst mit Leo Kirch in Deutschland an Stoffen gearbeitet, aber letztlich auf zu vielen Hochzeiten getanzt. Ich konnte meine Arbeit nicht mehr genießen. Rückblickend würde ich kürzertreten und nicht mehr so viel produzieren.

Eigentlich sollten Sie diesen Sommer in Deutschland in Til Schweigers Hollywood-Remake von „Honig im Kopf“ die Hauptrolle spielen. Jetzt macht das Nick Nolte. Warum sind sie abgesprungen?

Wir haben einfach unsere Terminkalender nicht in Einklang bekommen. Til Schweiger ist ein sehr netter, talentierter Typ. Ich hätte den Film sehr gern gemacht. Aber es hat nicht sollen sein.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Die US-Midterm-Wahlen im November. Wir arbeiten hart daran, einen demokratischen Kongress zu bekommen.