Klassik-Kritik

Opern-Nachwuchs trifft nicht immer den richtigen Ton

Händel, Mozart, Puccini, Lehár, Bernstein ... Das Eröffnungskonzert des Opernfests, das vom Ensemble der Berlin Opera Academy gestaltet wird, bietet eine Vielzahl von Arien und Duetten der großen Opern- und Operettenkomponisten. Auch die Zahl der Künstler, die sich am Sonnabend in der Mendelssohn-Remise in Mitte präsentiert, ist beachtlich: 20 verschiedene Stimmen aus der ganzen Welt stellen sich vor. Sie alle stammen aus dem Ensemble der Berlin Opera Academy, einer privaten Ausbildungsstätte, die verspricht, die jungen Sänger fit zu machen für eine Opernkarriere. Dort erhalten sie von international renommierten Künstlern wie der Sopranistin Pamela Armstrong oder dem Tenor Ricardo Tamura Gesangsunterricht, Sprachtraining sowie Tipps und wirken im Rahmen eines Sommerfestivals in vier verschiedenen Musiktheateraufführungen und vier Konzerten mit.
Das Niveau, das die Künstler in der Aufführung am Sonnabend zeigen, ist sehr durchwachsen. Herausragend gerät der Auftritt des koreanischen Baritons Kyu Choi, der stimmgewaltig und expressiv eine Arie aus Verdis „Falstaff“ vorträgt. Seine Bühnenpräsenz ist dabei ebenso beeindruckend wie seine klare Artikulation. Auch die aus Chicago stammende Sopranistin Jessica Mock versteht es, die Arie „Il est doux, il est bon“ aus Jules Massenets „Hérodiade“ klangschön und farblich variabel zu gestalten; und der Deutsche Fabian Langguth, der sich mit seinem samtig warmen Bariton in die Klangwelten von Erich Korngolds Oper „Die tote Stadt“ begibt, bringt so viel Sensibilität in der Gestaltung mit, dass man ihn gern mal einen Abend lang mit Schubert-Liedern hören möchte.

Auf der anderen Seite trifft der koreanische Tenor Ente Chang in „La Traviata“ die hohen Töne nicht, Gleiches gilt für den Amerikaner Thomas Wyvill, der sich mit dem Song „Lonely House“ aus Kurt Weills „Street Scene“ abmüht. Und Adriana Fernández gelingt mit ihrem metallisch-schrillen Sopran keine Annäherung an Mozarts Tonsprache. Da fragt man sich schon, was manche Nachwuchssänger eigentlich in der Berliner Privatakademie gelernt haben – immerhin kostet die Ausbildung mindestens 4500 Euro –, und warum die Dozenten ihre Eleven mit Stücken, die sie nicht beherrschen, aufs Podium lassen.

Auch die vier Begleitpianisten können nicht durchweg überzeugen. So deckt etwa Nobuko Amemiya mit ihrem massiven und harten Spiel die Sänger oft zu, und auch Fernando Loura spielt teilweise zu laut, bringt jedoch mehr gestalterische Kreativität ins Spiel; Chris Cartner mangelt es eher an kernigem Zugriff und Präzision. Die souveränste und klangsinnlichste Begleitung bietet zweifelsohne die Pianistin Soyoung Kim. Sie nimmt sich zurück, wenn der Vokalpart im Vordergrund steht, und weiß dem Flügel vor allem im Pianobereich schöne Farben zu entlocken.