Konzert im Tempodrom

Eels liefern in Berlin die nötige Portion Unberechenbarkeit

Die Band Eels spielt im Tempodrom ein Konzert mit Überraschungen. Los geht es zum Klang der Fanfaren aus dem Rocky-Soundtrack.

Sänger Mark Oliver Everett auf der Bühne

Sänger Mark Oliver Everett auf der Bühne

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance

Für die nächste Nummer müsse die Band mal einen Gang runterschalten, bemerkt der Sänger nach einem schnellen Song. Er sei schließlich schon alt. „Sonst sterbe ich noch hier auf der Bühne“, sagt er trocken. „Aber behaltet schön die Handys draußen; falls ich hier tot umkippe, wollt ihr das sicher aufnehmen. Dann bekommt ihr richtig was für euer Geld.“

Das ist der sarkastische Humor des Frontmanns der US-Amerikanischen Rockband Eels – ein Mann, den das Leben zwar gebeutelt, aber sicher nicht gebrochen hat, und der mit seiner Band am 28. Juni im ausverkauften Tempodrom eine angenehm unerwartete Show spielt.

Mark Oliver Everett, der 55-jährige Gründer und Kopf der Band, tritt meist unter dem knappen Pseudonym „E“ auf. Er ist der Sohn des Physikers Hugh Everett, auf dessen Werk die Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik zurückgeht. Seine tragische Familiengeschichte, den Suizid seiner Schwester und die Krebserkrankung seiner Mutter, verarbeitete er in seiner Musik. Entsprechend viel Weltschmerz steckt in seinen Alben.

Doch die Band ist nicht nur für ihre melancholischen Texte bekannt. Der Name Eels steht auch dafür, dass Live-Shows stets mit einer Portion Unberechenbarkeit garniert werden, was zum Beispiel die vollkommene Neu-Interpretation alter Hits bedeuten kann.

Schon der Support-Act der aktuellen Tour ist ungewöhnlich. Um das Publikum einzustimmen, kommt ein Mann mit Vollbart auf die Bühne, der gleich zwei Hüte auf seinem Kopf trägt. Er nennt sich That 1 Guy und spielt auf einem selbst erfundenen Instrument, einer Art besaitetem Metallrohr. Und zur Verwunderung einiger Zuschauer klingt die Musik dieses Sonderlings ausgesprochen gut.

Für ihre Tour haben Eels sich wieder ein Konzept überlegt. Die vier Mitglieder der Band kommen zum Klang der Fanfaren aus dem Rocky-Soundtrack auf die Bühne und präsentieren sich während der Show als amerikanische Rock’n’Roller. Everett trägt Jeans-Look, alle vier Musiker haben Sonnenbrillen im Gesicht.

Optimistischer Nihilismus

Das Konzert beginnt mit zwei Cover-Versionen, zuerst spielt die Band „Out in the Street“ von The Who, dann hängen sie nahtlos „Raspberry Beret“ von Prince an, bevor sie mit „Bone Dry“ vom aktuellen Album „The Deconstruction“ zu ihren eigenen Songs übergehen.

Doch vor allem die älteren Lieder sorgen an diesem Abend für Überraschungen. Der Akustik-Song „I Like Birds“ wird in einer Punk-Version gespielt. Das eher wehmütige „Novocaine For The Soul“ wird zur Hard-Rock-Nummer.

Den neuen wie den alten Nummern wohnt eine Art optimistischer Nihilismus inne. Und Everetts immer heisere Stimme überzeugt einen auch live vom lindernden Effekt eines Neubeginns. „Heute ist der Tag, an dem ich alles, was ich bisher gedacht habe, rausschmeiße“, heißt es in „Today Is The Day“. Alles auseinandernehmen und von Grund auf neu denken, fordert Everett.

Ein bewährtes Prinzip: Die Philosophie mit dem Hammer. Und wenn man ihn mit seinem kratzigen Gesang auf der Bühne hört, dann glaubt man für die Dauer eines Liedes tatsächlich daran, dass ein Neuanfang so einfach sein kann.