Kultur

Gute Laune auch bei Herzschmerz-Songs

Die Hollies treten im Friedrichstadt-Palast auf

Vor manchen Bands verneigen sich selbst Rock-Giganten voller Ehrfurcht. So bedankte sich Bruce Springsteen nach einem Konzert bei den Hollies begeistert für das Cover seines Songs „Sandy“. Eine Anekdote, die Hollies-Frontmann Peter Howarth nur zu gern erzählt. Ein wenig stolz ist er schon darauf. Kann er auch. Denn die Version der Hollies ist fantastisch. Eine hochemotionale Romanze, gegossen in den typischen federleichten Sound der Band, der sogar bei Herzschmerz-Songs gute Laune macht.

Im ausverkauften Friedrichstadt-Palast gibt es dafür einen extralauten Appla­us. Das Publikum ist von der ersten Sekunde in Partystimmung und feiert die britische Pop- und Beatband frenetisch. Die Hollies zelebrieren mit einer bereits seit vier Jahren ausgedehnten Best-of-Welttournee ihr 50-jähriges Jubiläum seit dem Erscheinen des Debütalbums. Das kam schon 1964 raus.

Gegründet wurden die Hollies im Jahr 1962 im britischen Manchester von ein paar Schulfreunden. Von ihnen ist jedoch niemand mehr dabei. Immerhin stehen noch Gitarrist Tony Hicks und Drummer Bobby Elliott aus den Anfangstagen seit 1963 auf der Bühne. Mehr als ein Dutzend Personalwechsel gab es in den mehr als fünf Bühnenjahrzehnten. Wesentlich verjüngt hat sich die Band dadurch nicht.

Die Hollies gehören zu den wenigen Bands aus den 60er-Jahren, die noch Live-Konzerte geben. Obwohl sie früher stets im Schatten der Beatles standen, hatten sie in England mehr Nummer-eins-Hits als die Fab Four. Ganze 27 spielen sie an diesem Abend. So folgt Hit auf Hit. Der erste internationale Erfolg „Bus Stop“ fehlt ebenso wenig wie „Carrie Anne“ oder „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“.

Wie Gentlemen wirken die Musiker mit ihren weißen Hemden und den schwarzen Hosen in der ersten Hälfte. Nach der Pause geht es ganz in Schwarz weiter. Ausgefallene Looks brauchen die sechs auch nicht. Genauso wenig wie aufwendige Lichtshows. Bei ihnen gibt es stattdessen satte Farben und Lichtkegel mit einem leichten Hauch von Dunst gefüllt. Herrlich retro.

Der Aufforderung von Peter Howarth zum Mitsingen kommen viele Zuschauer gern und dabei auch erstaunlich textsicher nach. Andere können sich nicht entscheiden, ob sie ihr Smartphone schwenken oder damit doch lieber aufnehmen sollen. Spätestens bei den Zugaben „The Air That I Breathe“ und dem druckvollen „Long Cool Woman In A Black Dress“ stehen aber alle, tanzen, singen und klatschen mit. Ein Konzert, das einen mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen in die laue Berliner Sommernacht entlässt.