Kultur

Zum Abschied ein gefeierter „Sturm“ im Hans Otto Theater

Nebel wabert um die Insel. Schwere See brandet gegen die Klippen. Durch das Tosen sind Rufe von Schiffbrüchigen zu hören. Eher komisch geknödelt als wirklich verzweifelt. Die Herren finden jedoch nicht einen kalten, nassen Tod. Denn der Sturm ist keine brachiale Naturgewalt, sondern ein ausgefuchster Budenzauber. Magisch beschworen von Prospero, dem einsamen Herrscher der Insel, der hier vor Jahren mit Tochter Miranda strandete. Damals war er Herzog von Mailand. Bis sein Bruder Antonio ihm unrechtmäßig das Amt entriss und ihn vertrieb.

William Shakespeare verabschiedete sich mit seinem letzten Stück „Der Sturm“ vom Theater. Tobias Wellemeyer, der scheidende Intendant des Potsdamer Hans Otto Theaters, hat das märchenhafte Schauspiel nun als letzte Regiearbeit am Haus inszeniert. Mit viel Hintersinn und Bühnenzauber. Zwei bildgewaltige Stunden mit einem wunderbaren Ensemble, das intelligentes, witzig-dramatisches Volkstheater im besten Sinne zeigt. Heftig umjubelt jetzt auf der Premiere.

Bernd Geiling gibt einen sensationellen Prospero, der im nachlässigen Look eines englischen Gutsherren daherkommt. Sein Prospero ist hochemotional, wenn es um Tochter Miranda geht. Abgeklärt indes bei seiner Rache. Denn bei den Schiffbrüchigen handelt es sich um Antonio und seinen Unterstützer Alonso, den König von Neapel, mitsamt Gefolge. Die Höflinge begeistern als Säbel schwingende Karikaturen jener Zeit. Gewandet in pompöse elisabethanische Kostüme, stets verwickelt in peinlich-alberne Herrengespräche. Wie eine Persiflage auf Mantel-und-Degen-Filme. Köstlich.

Die Ankömmlinge stehen unter Beobachtung von Luftgeist Ariel (Michael Schrodt), dem Diener von Prospero, der sie in die Irre lenkt. Genauso wie den lüsternen Trinculo und den betrunkenen Stephano. Zwei Knallchargen, denen Prospe­ros wilder Sklave Caliban (Eddie Irle) mörderische Pläne einflüstert. Für leise, romantische Töne hingegen sorgen Miranda (Juliane Götz) und Alonsos Sohn Ferdinand (Frédéric Brossier), der glaubt er sei der einzig Überlebende.

Mitten im genialen Bühnenbild von Harald Thor, das ebenso einem ausgeschlachteten Schiffswrack wie einer zertrümmerten Theaterbühne gleicht, entfesselt Prospero ein letztes Mal Geister, Göttinnen, imaginäre Hunde und Wetterkapriolen. Letztlich aber schwört er seiner Magie ab, versöhnt sich mit seinem Bruder. Eine so doppelbödige wie große inszenatorische Geste – auch von Tobias Wellemeyer – zum gefeierten Abschied.

Hans Otto Theater Schiffbauergasse 11, Potsdam, Tel. 0331 98 11 8, 27.5.; 17 Uhr, 2.6.; 19.30; 3.6., 18 Uhr; 30.6., 15 Uhr

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