Kultur

Klassischer Musikmix mit Wein und Käse

Das Boulanger Trio begeisterte im Konzerthaus

„Boulanger“ ist im Französischen nicht nur die Bezeichnung für den Bäcker, sondern auch der Name von zwei Schwestern, die beide herausragende Komponistinnen waren: Nadia und Lili Boulanger. Nach ihnen hat sich das Boulanger Trio benannt, ein Klaviertrio, das aus drei jungen Musikerinnen besteht die sich 2006 in Hamburg zusammengefunden haben. Mittlerweile sind Karla Haltenwanger (Klavier), Birgit Erz (Violine) und Ilona Kindt (Violoncello) als eines der wenigen Vollzeit-Klaviertrios in Berlin beheimatet.

2012 startete das Ensemble seine eigene Konzertreihe, die Boulangerie, die regelmäßig in Hamburg und Berlin und seit dieser Saison auch im Musikverein Wien stattfindet. Bei jedem Konzert dieser Serie kombiniert das Trio klassisches Repertoire mit einem zeitgenössischen Stück, dessen Komponist während des Konzerts anwesend ist und mit den drei Musikerinnen über sein Schaffen spricht. Nach dem Konzert wird ein Büffet mit Baguette und Käse aufgebaut und Wein ausgeschenkt, dabei haben die Konzertbesucher die Möglichkeit, untereinander und mit den Musikern ins Gespräch zu kommen.

Bei der Berliner Boulangerie, die diesmal nicht wie sonst im Radialsystem, sondern im Konzerthaus veranstaltet wurde, stand Haydns frühes Es-Dur-Trio auf dem Programm, das mit einem Triowerk des aus Kuba stammenden Komponisten Jorge E. López (*1955) und Dmitiri Schostakowitschs zweitem Klaviertrio kombiniert wurde. Bevor Lopez’ Stück gespielt wurde, baten ihn die drei Damen auf die Bühne, um mit ihm über seine Musik zu sprechen. Lopez ist ein echtes Multitalent. Sein Klaviertrio op. 22 wird geprägt von virtuosem Laufwerk, dissonanten Clustern im Klavier und klanglichen Gesten in hoher Lage bei den Streichern, die sich einer melodischen Linie verweigern. Die drei Musikerinnen widmen sich diesen – bisweilen recht widerborstigen – Klängen mit viel Enthusiasmus und packen auch richtig zu, wenn die Musik es verlangt. Dass sie auch sehr intim in feinen Pianofarben musizieren können, zeigen sie in Haydns Trio. Das Ensemble hat mittlerweile ein Niveau des Zusammenspiels entwickelt, das nur entstehen kann, wenn man über Jahre hinweg ständig zusammenarbeitet. Auch die klangliche Verschmelzung zwischen dem Klavier und den Streichern ist beachtlich, viel dazu trägt der Klavierton Karla Haltenwangers bei. Ihr Bestes geben die drei Musikerinnen bei Schostakowitsch. Sein zweites Klaviertrio entstand im Andenken an den früh verstorbenen Musik- und Literaturwissenschaftler Iwan Sollertinski und ist voller Trauer. Die drei Musikerinnen agieren hier mit einer rauschhaften Besessenheit als ginge es um Leben oder Tod. Ein großartiger Abschluss eines großartigen Konzerts!

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