Kultur

Menahem Pressler begeistert mit leichter Hand

Selten ist der Kammermusiksaal fast bis auf den letzten Platz verkauft. Alle sind gekommen, um den großen Menahem Pressler zu erleben. Der 94-Jährige hat einst das legendäre Beaux Arts Trios mitbegründet. An diesem Abend ist das Schumann Quartett sein Partner. Mozarts Streichquartett B-Dur ist gleich ein Schock an Präzision und technischer Durchdringung. Der Cellist, einer der drei Schumann-Brüder, Marc, beginnt den zweiten Satz mit der Dehnung des Themas. Was folgt, sind Pulsblitze von vier Persönlichkeiten, die jede mit einer eigenen Körperlichkeit in Erscheinung treten. Das Klanggewebe scheint manchmal zum Zerreißen gespannt, um dann wieder emporzuwallen. Die scherzhafte Unterhaltung des dritten Satzes gerät geistreich, als würden die Partner ein Fangespiel veranstalten.

Tschaikowskys Streichquartett Nr. 3 wirkt dagegen wie ein geschlossenes Energiefeld, von dem man als Zuhörer magisch angezogen wird. Für das Klavierquintett von Cesar Franck hat Menahem Pressler hinter dem Schumann Quartett Platz genommen. Der erste Satz beginnt, als spannten die vier Streicher ein Katapult. Losgelassen wird ein Klaviergespinst, dessen Klangfäden so fein sind, dass man sie nur ahnen kann. Die folgende Zwiesprache mit dem zu einem Körper gewordenen Quartett fühlt sich an, als würde man sie nicht mit Ohren, sondern mit dem Herzen wahrnehmen. Die Streicher artikulieren dabei mit akzentuierter Tonklarheit, Pressler antwortet mit zart verwischten Klangwolken, die zwischen Gegenwart und Jenseits aufsteigen. Die einzelnen Stimmen, etwa der erdverbundene Klang des zweiten Geigers Ken Schumann, heben sich schmerzhaft empor. Obwohl man das strahlende Licht einer anderen Welt ahnt, macht das Werk bewusst, wie unerreichbar die bleibt. Umso schöner, als Pressler mit leiser Stimme die Zugabe ankündigt: „Wir möchten euch gern das Intermezzo aus dem Quintett von Schostakowitsch vorspielen“ und das Publikum mit leichter Hand mitten ins Paradies hebt.