Kultur

Berlin Biennale präsentiert Kreuzungspunkte

Die 10. Berlin Biennale startet eigentlich erst am 9. Juni, aber sie begann schon am Mittwochabend. Die Kulturstiftung des Bundes hatte zur Pressekonferenz in die Villa Elisabeth geladen, und worauf die versammelte Kunst- und Kritikerszene am meisten gespannt war, das war der Vortrag von Gabi Ngcobo, der ersten afrikanischen Kuratorin dieser Schau.

Was die Südafrikanerin im Vorfeld ihres Auftrittes verlauten ließ, hatte unter Kuratorensprech-Spöttern für Heiterkeit gesorgt: „Die Beteiligten“, hieß es da, „setzen sich mit den anhaltenden Ängsten und Sorgen in unserer heutigen Zeit auseinander – Ängste, die durch die Missachtung komplexer Subjektivitäten vervielfacht werden.“ Woher aber kommt diese Erwartung, es solle nun bitte endlich mal etwas anderes ganz anders formuliert werden, wenn da jemand aus nicht westlicher oder osteuropäischer Perspektive seinen Blick auf die Kunststadt und den Polit-Ort Berlin richtet? So sind wir gleich mittendrin in dieser Biennale, mitten in Berlin, diesem, wie Ngcobo meint, kolonialistischsten Ort überhaupt. „I’m not who you think I’m not“, knallt sie uns freundlich das Motto des begleitenden Veranstaltungsprogrammes vor den Latz.

Vier Ausstellungsorte hat Ngcobo ausgewählt: Die Akademie der Künste am Hanseatenweg, die Kunst-Werke, den Pavillon der Volksbühne sowie das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik. Das Hebbel am Ufer (HAU) soll zusätzlich Schauplatz zweier „künstlerischer Interventionen“ sein. Namen von Künstlern nennt sie noch keine, überhaupt wird unter ihrer Führung Schluss sein mit dem Heldenkult im Kunstbetrieb: „We don’t need another hero“, lautet das Motto der Schau.

Um überraschende, trotzdem naheliegende Kreuzungspunkte von Geschichte und Gegenwart geht es ihr, etwa wenn sie ankündigt, verschiedene „Sanssoucis“ zusammenzuführen: die Sommerresidenz des Preußenkönigs, das Palais Sans Souci auf Haiti und den haitianischen Sklaven Jean-Baptiste Sans Souci, der 1791 gegen die französische Kolonialmacht kämpfte.

Solche Querverbindungen erklären auch, was es mit dem „X“ auf sich hat, dem Logo der 10. (oder X.) Biennale. Das X, sagt Ngcobo, lösche aus, sei aber auch die Unbekannte, die es zu bestimmen gelte. Und es sei eine Wegkreuzung, auf der man innehalten und sich neu umsehen könne. „Treffen wir uns an der Kreuzung!“, ruft sie in den Saal, freundlich, aber bestimmt, und eigentlich sind wir schon da.