Kultur

Ulla Meinecke Band unverwechselbar im Schlosspark Theater

63-jährige Musikerin präsentiert ihr neues Doppel-Live-Album

Verbal beginnt der Abend mit einer kleinen Ohrfeige: „Geh’ mir aus dem Licht“ ist der erste Song, den Ulla Meinecke anstimmt. Und er ist Programm. Als Songwriterin von jeher unangepasst, verhakt sie sich gern in den Dingen, die eben nicht so glatt laufen, wie man es gerne hätte. Aber sie weiß auch genau, dass es oft die kleinen Momente sind, die das Leben richtig schön machen. Daher folgt als zweiter Song „Schlendern ist Luxus“.

Erfrischend unaufgeregt kommen die 63-Jährige und ihre Band im Schlosspark Theater daher. Ingo York an Bass, Gitarre, Mundharmonika und Perkussion in irgendetwas Dunklem, genau wie Reinmar Renschke, Keyboards und Perkussion. Ulla Meinecke trägt weiße Bluse, Jeans, keinen Glitzer. Der Titel des Konzerts „Wir waren mit Dir bei Rigoletto, Boss“, ein Zitat aus Billy Wilders Leinwand-Klassiker „Some Like It Hot“, klingt dafür umso aufregender.

Zugleich ist es auch der Titel des neuen Doppel-Live-Albums des Trios. Es ist übrigens nur über die Website (ulla-meinecke.de) zu haben oder auf Konzerten. „Zum Amazonas jederzeit, mit Amazon auf keinen Fall“, lautet Ulla Meineckes Statement dazu. Darauf finden sich alle wichtigen Songs der Künstlerin, und zwar in heutigem, musikalischen Gewand. Dazu kommen sechs neue Lieder.

Die gebürtige Hessin, die seit bald 40 Jahren in Berlin lebt, startete ihre Karriere Ende der 70er. Ihren Durchbruch feierte sie indes 1983 mit dem fünften Album „Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig“. Ihr größter Hit damals: „Die Tänzerin“. Natürlich auch Teil der Zugaben. Meineckes Lieder besingen treffliche Alltagsbeobachtungen, kleine Geschichten voller Witz, ja, auch große Gefühle. Doch die kommen bei ihr ohne sentimentales Pathos und kitschige Gesten aus. Von Anfang an ein Markenzeichen. Wie auch der rauchig-samtene Alt. Im Laufe der Jahre noch etwas tiefer geworden. Unverwechselbar.

Immer wieder hat Ulla Meinecke die Kompositionen anderer Songwriter gesungen. An diesem Abend erweist sie sich mehrfach als großartige Interpretin großer Künstler. Etwa mit Tom Waits melancholischem „Grapefruit Moon“. Es rockt, swingt und groovt. Dazu gibt es Lieblingslieder von Ulla Meinecke satt. Ein Konzert, das einen rundum zufrieden in die Nacht entlässt. ­

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