Philharmonie

Wie in „Ritter Parceval“ ein Zappelphilipp zum Mann wird

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Martina Helmig
Die Berliner Philharmonie

Die Berliner Philharmonie

Foto: PR/Peter Adamik

Komponist Henrik Albrecht zeigt seine Kinderoper „Ritter Parceval“ im Rahmen des philharmonischen Education-Programms.

Berlin. Richard Wagners „Parsifal“ als Kinderoper? Die Idee leuchtet nicht auf Anhieb ein. Dazu ist der mittelalterliche Stoff über Heilsbringer und Erlösungsgedanken allzu sperrig. Dass es doch gelingen kann, haben die Bayreuther Festspiele vor zweieinhalb Jahren vorgemacht. Nun zeigt der Komponist Henrik Albrecht seinen neuen „Ritter Parceval“ im Rahmen des philharmonischen Education-Programms.

Der Komponist hat sich für sein junges Publikum in der Philharmonie etwas Geschicktes ausgedacht: Nicht Wagners letzte Oper wird kindgerecht nacherzählt, sondern die Vorgeschichte dazu. Am Anfang ist Parceval selbst ein Kind, das im Lauf der Uraufführung erwachsen wird. Aus einem Zappelphilipp wird ein verantwortungsvoller junger Mann.

Auf seinem Weg begegnet er einer jungen Frau, muss eine Entscheidung zwischen Gut und Böse treffen und mühsam den Beruf des Ritters erlernen. Den Komponisten interessiert die Frage, wie aus einem kleinen Jungen ein Held werden kann. Interessanterweise hat er Situationen auf die Bühne gebracht, die in Wagners Oper nur in Erzählungen vorkommen, etwa den Kampf zwischen Amfortas und Klingsor um den Speer.

Die Komposition pflegt einen post-wagnerianischen Stil, wechselt zwischen romantischen und modernen Elementen. Albrecht verwendet Wagners Leitmotive wie Klingsors Zaubermotiv und Parsifals Fanfare. Mitglieder der Berliner Philharmoniker und Stipendiaten der Karajan-Akademie wecken die Musik unter der Leitung von Stanley Dodds zu klangsinnlichem Leben.

Leider kommt die Geschichte sehr humorlos daher. Auch der Regisseurin Kirsten Uttendorf ist für die halbszenische Version nicht viel eingefallen. Neben wenig originellen Kostümen und Requisiten gibt es nur noch weniger originelle Lichtprojektionen, um Klingsors Zauberschloss vage anzudeuten. Bevor die Kinder nach einer guten Stunde zu unruhig werden, ist das Spiel dann aber auch vorbei. Die Solisten von verschiedenen baden-württembergischen Musikhochschulen werden heftig beklatscht. Die samtene Stimme von Flurina Stucki als Helikoptermutter Herzeloyde gefällt so sehr wie Marcel Brunner als smarter Verführer Klingsor mit stimmlicher Durchschlagkraft. Daneben wirkt der Amfortas Johannes Mooser etwas blasser, während die spielfreudige Kundry Elisabeth Birgmeier mit den Koloraturen der Partie überfordert ist. Ideal besetzt ist die Titelpartie mit Alina Wunderlin, die den jungen Draufgänger durch ihre kraftvolle Sopranstimme so gut charakterisiert wie durch ihre temperamentvolle Bühnenpräsenz. Dafür schon hat sich der Besuch der Kinderoper gelohnt.