Heute wird Beki Probst die Berlinale Kamera verliehen. Endlich, muss man sagen, denn diese Auszeichnung ist längst überfällig und wird nun ihr Abschiedsgeschenk sein. Vor 30 Jahren holte der damalige Festivalleiter Moritz de Hadeln die gebürtige Türkin und in der Schweiz lebende Beki Probst nach Berlin. Sie übernahm die damals kleine Filmmesse, änderte den Namen in „European Film Market“ (EFM) und baute einen der wichtigsten Branchentreffs der internationalen Filmindustrie auf. Eine perfekte Lebensschule sei das gewesen, all die Menschen, die sie getroffen hat, all die Probleme, die es zu lösen gab, und all die Erfolge. Sie ist nicht klüger geworden, sagt sie, sie hat nur mehr Lebenserfahrung gewonnen.
Die elegante, zarte Frau, die Grande Dame der Berlinale, sitzt in einem Sessel auf der Galerie des Martin-Gropius-Baus und alle paar Minuten kommt jemand, der sie nur schnell umarmen und küssen möchte. So viele Küsse, sagt sie, wir werden alle krank werden. Sie kennt fast jeden hier und alle kennen sie. 534 Aussteller aus 110 Ländern, über 9000 Fachbesucher. Es hat sich vieles geändert in den drei Dekaden. Als sie 1988 die Leitung übernahm, bestand ihr Team noch aus drei Leuten. Die Besucher, Filmemacher, Verleiher und Produzenten saßen umnebelt von Zigarettenrauch und Dönerduft im kleinen Cine Center am Zoo. Schon damals ging es um Rechte, Vertrieb, Netzwerke und Produktionsförderung, um Geld und Erfolg. „Ob ein Film erfolgreich wird, merkt man in den ersten Minuten“, sagt Beki Probst. „Das ist ein Bauchgefühl.“ Doch sie muss objektiv sein, sie sei nur diejenige, die die Infrastruktur schafft für den gigantischen Markt, der sich hier trifft. Das ist natürlich äußerst bescheiden und allenfalls die halbe Wahrheit, denn Organisation kann man lernen, Seele nicht. Oder wie Dieter Kosslick sagt: „Ohne Beki Probst, ihren Charme und ihre kosmopolitische Begabung, Geschäft und Kultur zu verbinden, wäre der EFM nie zu einer so erfolgreichen Plattform und starkem Rückgrat des Festivals geworden.“
Kino ist ihr Leben, aufhören will sie nicht. „Wenn man so ein erfülltes Leben gehabt hat, kann man nicht auf null gehen.“ Vor vier Jahren übergab sie die Leitung an Matthijs Wouter Knol und wurde Präsidentin des EFM. Sie brachte die Erfahrung mit, er die Innovation. In diesem Jahr feiert der Markt 30. Jubiläum, seit über 50 Jahren ist Beki Probst im Filmgeschäft. Doch sie ist eine, die nicht gern zurückschaut. So liegt der nächste Anfang vor ihr. Einer, der überrascht und doch logisch erscheint bei einer Frau, die so viel Erfahrung und Neugier in sich vereint. Ab Herbst studiert sie Filmgeschichte und Drehbuch in der Schweiz. Beki Probst wird wohl die einzige Filmstudentin der Welt sein, bei der zu Hause die Berlinale Kamera steht.

