Kultur

Flüchtige Paare und Passanten von Corinne Wasmuht

Auf der Durchreise – neue Gemälde von Corinne Wasmuht in St. Agnes

Wie durch einen Sog wird man hineingezogen in diese panoramaartigen Bildwelten mit ihren unbestimmten Räumen. Mal lassen sich Fragmente urbaner Architektur erkennen, eine Hochhausfassade, ein großer Platz, eine Arena, mal sind es Räume wie Flugzeugterminals, Shoppingmalls, Museumshallen – bevorzugte Motive in der Malerei Corinne Wasmuhts. Immer entsteht durch markante Diagonalen eine vermeintlich klare Perspektive, doch niemals weiß der Betrachter, wo er sich befindet. Auf der Suche nach Orientierung beginnt der Blick zu mäandern, entdeckt Bruchstellen und Auflösungserscheinungen in diesen komplex übereinandergeschichteten Raumillusionen. Regelrechte Löcher weisen die Bildmotive auf. Oft ist gar nicht auszumachen, ob man sich in einem Innen- oder einem Außenraum befindet, wenn sich etwa Details einer Shoppingmall mit einem Schwimmbecken oder einem Außengewässer samt Speedboot ineinander verschränken.

Dazwischen wandeln Figuren oder auch nur Figurenfragmente: ein Paar Beine oder ein kopfloser Körper etwa, porös wie ein Stück Schweizer Käse. „Die Menschen auf meinen Bildern“, hat Corinne Wasmuht in einem Interview anlässlich der Verleihung des Käthe-Kollwitz-Preises 2014 erklärt, „sind mit Geister- oder Schattenwesen zu vergleichen.“ Gespenstern gleich durchschreiten sie ihre Transit-Orte, nur flüchtige Passanten ohne Kontur. Sechs der großformatigen Gemälde, die Corinne Wasmuht in einem aufwendigen Prozess herstellt, sind derzeit in der König Galerie in St. Agnes zu sehen. Unter Neonlicht malt die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin ihre Gemälde vorzugsweise nachts. Vom Atelier finden sie schnell in Museen und Kunstsammlungen. Auch die meisten Bilder bei der König Galerie sind schon verkauft, eines davon erwarb das Kunstmuseum Stuttgart

König Galerie, St. Agnes, Alexandrinenstr. 118–121, Di.–Sbd. 11–19 Uhr. Bis 25.2.