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Picasso-Ausstellung: Ein großer Schritt für das Barberini

Die geplante Picasso-Ausstellung im Museum Barberini ist einer der Höhepunkte des Programms 2019. Das Haus wird immer beliebter.

Die Bronzeskulptur, Jahrhundertschritt im Innenhof des Palais Barberini in Potsdam (Archiv)

Die Bronzeskulptur, Jahrhundertschritt im Innenhof des Palais Barberini in Potsdam (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Beate Schleep / picture alliance / Beate Schleep

Potsdam.  Erst Claude Monet, dann Gerhard Richter und nun Pablo Picasso. Das Museum Barberini am Potsdamer Alten Markt ist bereits im ersten Jahr zum Publikumsmagnet geworden. Es begrüßte mehr Besucher als das Schloss Sanssouci, das bislang die Rangliste der Touristenattraktionen in der brandenburgischen Landeshauptstadt anführte. Verantwortlich dafür sind die spektakulären Ausstellungen, wie zum Auftakt mit Werken des Impressionismus, danach der amerikanischen Moderne oder aktuell der DDR-Kunst.

Um die Spitzenposition zu verteidigen, plant das Museum ein weiteres Highlight. Im kommenden Jahr werden bislang selten ausgestellte Bilder des Jahrhundertmalers Pablo Picasso ausgestellt. "Picasso. Das späte Werk" wird die Schau heißen. "Die Schau wird ein Höhepunkt des Programms 2019 sein", heißt es in einer Mitteilung des Museums.

Werke aus der Sammlung der zweiten Ehefrau

Die Leihgaben stammen allesamt aus der Sammlung Jacqueline Picassos, der zweiten Ehefrau des Malers. Ihre Tochter Catherine Hutin stellt die bislang kaum öffentlich gezeigte Sammlung für die Ausstellung im Barberini zur Verfügung. In der vom Ausstellungskurator Bernardo Laniado-Romero getroffenen Auswahl befinden sich zahlreiche Werke, die erstmalig in Deutschland gezeigt sowie einige, die zum ersten Mal in einem Museum präsentiert werden.

Jacqueline Picasso verbrachte die letzten 20 Jahre von 1953 bis 1973 mit Pablo Picasso und war sein meist dargestelltes Modell. Sie lernten sich in einem Keramikgeschäft kennen, wo die 46 Jahre jüngere Jacqueline als Verkäuferin tätig war. Nach einer von ihr eröffneten Picasso-Ausstellung im Jahr 1986 erschoss sie sich im Alter von 60 Jahren. Ihre Tochter Catherine Hutin stammt aus einer früheren Beziehung.

Pablo Picasso (1881–1973) hat die Malerei des 20. Jahrhunderts mehrfach revolutioniert. In Malerei, Skulptur, Grafik und Keramik hat er neue Maßstäbe gesetzt. Weniger bekannt ist sein Schaffen aus den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens, als Picasso von seiner Frau Jacqueline mehr Bildnisse schuf als je zuvor von einem anderen Modell. "Die Ausstellung zeigt, wie Picasso auch in seinen letzten Schaffensjahren innovativ blieb", heißt es in der Museumsankündigung.

Als Vorbereitung auf die Ausstellung veranstaltet das Barberini am 6. Juni ein öffentliches Symposium mit Picasso-Experten wie Cécile Godefroy, Michael Fitzgerald, Markus Müller und Bernardo Laniado-Romero. Die Vorträge gehen Picassos Reaktionen auf jüngere Künstler und die Popkultur nach und beleuchten die Rolle Jacqueline Picassos für die späte Entwicklung des Künstlers. Das Symposium bereitet den Ausstellungskatalog vor, der in der Reihe der Publikationen des Museums Barberini im Prestel Verlag erscheinen wird.

Fast die Hälfte der Besucher kommt aus Berlin

Das Barberini begrüßte im ersten Jahr seines Bestehens bereits mehr als eine halbe Million Besucher. Laut einer Befragung vom vergangenen November kamen 45 Prozent der Gäste aus Berlin. Gut 21 Prozent waren Berlin-Touristen, die für einen Tagesausflug nach Potsdam reisten. Andere Besucher kamen aus Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg. "76 Prozent der Auswärtigen reisten ausschließlich wegen des Museums nach Potsdam, jeder Zehnte überhaupt zum ersten Mal", so ein Ergebnis der Umfrage.

Das Barberini verdrängte damit das Schloss Sanssouci mit 331.000 Besuchern deutlich auf Rang zwei der Potsdamer Attraktionen. Der Tourismus wird für die Landeshauptstadt dadurch immer mehr zu einem Wirtschaftsfaktor. Allein durch die neu eingeführte Übernachtungssteuer nimmt Potsdam 1,3 Millionen Euro im Jahr ein. Insgesamt schätzt die Verwaltung die Wertschöpfung aus dem Tourismus auf 750 Millionen Euro. Denn zu den knapp 500.000 Übernachtungsgästen jährlich, die in Hotels und Pensionen registriert werden, kommen nach Angaben der Stadt pro Jahr 17 bis 18 Millionen Tagesbesucher nach Potsdam. Neben dem Barberini und dem Schloss Sanssouci waren im vergangenen Jahr vor allem der Filmpark Babelsberg, das restaurierte Neue Palais und die Biosphäre die Besuchermagneten der Stadt.

Das Museum Barberini eröffnete – fast genau vor einem Jahr – am 23. Januar 2017. Es wurde vom Gründer des Softwarekonzerns SAP, Hasso Plattner, gestiftet. Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Palast war im Zweiten Weltkrieg zerstört und später abgetragen worden. Die Rekonstruktion begann vor fünf Jahren. Im fertiggestellten Museum besteht auf drei Etagen und in insgesamt 17 Sälen Raum für Ausstellungen.

Hasso Plattner ist einer der bedeutendsten Mäzene Potsdams. Neben Teilen des ebenfalls restaurierten Stadtschlosses stiftete er auch das Hasso-Plattner-Institut auf dem Campus der Universität Potsdam zur Entwicklung von Zukunftstechnologien. "Das Barberini ist der touristische Hotspot der Stadt", sagte Potsdams Marketing-Chefin Sigrid Sommer anlässlich des einjährigen Jubiläums. Das Haus sei eine "ganz erhebliche Bereicherung für Potsdam".

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