Kultur in Berlin

Mehr Geld für die Berliner Opern

Die Berliner Häuser bekommen in diesem Jahr mehr Geld. Davon profitieren vor allem die Staatsoper und die beiden großen Orchester.

Die Staatsoper Unter den Linden

Die Staatsoper Unter den Linden

Foto: Gordon Welters / obs

Berlin. Glanzvolle Opernpremieren sind ihr Hauptgeschäft. Darüber hinaus sind die drei Berliner Opernhäuser immer wieder wegen Sanierungspannen oder technischer Zwischenfälle im Gespräch. Zuletzt kam es zu Weihnachten in der Deutschen Oper zu einem Totalausfall, weil die – so die korrekte Bezeichnung – Sprühwasserlöschanlage die Bühne unter Wasser setzte. Gespielt wird mit Einschränkungen, die Wiederinstandsetzung kann sich über Monate hinziehen. Davor ging es jahrelang um die Staatsoper, weil die Sanierung des Stammhauses Unter den Linden einfach nicht fertig wurde. Immer wieder wird gefragt, wie wohl die bevorstehende Generalsanierung der Komischen Oper ablaufen soll. Intendant Barrie Kosky will keinesfalls in eine Ausweichspielstätte wie das Schiller-Theater ziehen.

Drei Opernhäuser in einer Stadt, das ist ein künstlerischer Luxus, um den Berlin weltweit beneidet wird. Die Stadt lässt sich das Angebot ihrer Stiftung Oper in Berlin auch einiges kosten. Der Landeszuschuss betrug im vergangenen Jahr 141,7 Millionen Euro, dazu kamen vom Bund 1,8 Millionen Euro für Daniel Barenboims Orchester an der Staatsoper. Im neuen Jahr beträgt der Gesamtzuschuss 152,3 Millionen Euro inklusive der zehn Millionen Euro vom Bund, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) über den neuen Hauptstadtfinanzierungsvertrag beisteuert. Eine Vertragsklausel sieht vor, dass drei Millionen Euro davon direkt für die Staatskapelle bestimmt sind. Barenboims Orchester bekommt also real noch einmal 1,2 Millionen Euro mehr.

Künftig werden die beiden großen Opernorchester wieder gewichtiger und präsenter sein. Das ist ein Ergebnis des neuen Geldsegens von zehn Millionen Euro. Denn auch die Deutsche Oper plant, so Intendant Dietmar Schwarz, dem Orchester von Generalmusikdirektor Donald Runnicles 1,2 Millionen Euro zukommen zu lassen. Einerseits könnten damit ein besser dotierter Haustarifvertrag finanziert oder gar neue Stellen besetzt werden. Andererseits würden eventuelle Auslandsgastspiele, wie sie ja auch die Staatskapelle regelmäßig unternimmt, unterstützt werden. Insgesamt gehe es darum, so Schwarz, „dass die Konkurrenzfähigkeit des Orchesters gewahrt bleibt“.

Gesperrte Orchesterstellen werden wieder besetzt

Die Konkurrenz zwischen den beiden großen Opernorchestern ist eine alte Geschichte. Mit der Wiedervereinigung war das West-Berliner Orchester der Deutschen Oper höher dotiert, in späteren Sparrunden wurde etwa die üppige Medienpauschale gestrichen. Die Zurückstufung hatte für Frustrationen gesorgt. Denn parallel dazu wurde Barenboims zuvor Ost-Berliner Staatskapelle Stück für Stück aufgewertet.

Von dem neuen Bundesgeld will die Staatskapelle den Sachmittelbereich im Bereich Orchester aufstocken und die Orchesterakademie stärken. Gagenerhöhungen sind keine vorgesehen. Dafür sollen 600.000 Euro in die Wiederbesetzung bisher gesperrter Orchesterstellen gesteckt werden. Von fünf Stellen spricht Matthias Schulz, der Ko-Intendant der Staatsoper. Ab April übernimmt er die Intendanz komplett von Jürgen Flimm. Man ahnt bereits, dass Schulz, einem ausgebildeten Pianisten, die Staatskapelle zutiefst innerst näher steht als dem Regisseur Flimm. Das Thema Personalbedarf ist für Schulz wichtig. In der Ausweichspielstätte Schiller-Theater waren in den letzten Jahren 50 Stellen gesperrt. Aber in dem größeren Stammhaus, das sich wieder als europäisches Top-Opernhaus beweisen will, sind mehr Leute nötig. Schulz geht davon aus, dass in diesem Jahr insgesamt rund 20 Stellen wieder neu besetzt werden, unter anderem im Bereich Technik und Kostüm.

Einige Stellen in Technik, Tischlerei und Maske will auch Dietmar Schwarz an der Deutschen Oper neu besetzen. Das sei „ein positives Signal in den Betrieb hinein“, sagt der Intendant. Das meiste zusätzliche Geld geht in den Ausgleich der Unterfinanzierung, also ins Löcherstopfen. Die Hoffnung von Dietmar Schwarz richtet sich darauf, irgendwann wieder „sechs klare eigene Opernproduktionen anzubieten.“ Noch sind aus Kostengründen Kooperationen mit anderen Häusern nötig.

Die Komische Oper investiert in Operettenprojekte

Von den Bundesmitteln erhält die Staatsoper 3,6 Millionen, die Deutsche Oper 2,6 Millionen und die Komische Oper 500.000 Euro. Die verbleibenden 3,3 Millionen Euro fließen in künftige Tarifausgleichszahlungen der drei Häuser.

Im Falle der Komischen Oper ist das ungefähr eine Million Euro. Darüber hinaus erhält das Haus lediglich die halbe Million, die – wie es heißt – dringend für die künstlerische Arbeit benötigt werde. Es geht um steigende Gagen für Gastsänger und Dirigenten oder um personalintensive Opernprojekte mit Extrachor und großer Statisterie sowie um das Arrangement und die Orches­trierung großer Operettenprojekte. „Wir werden auch im Jahr 2018 die einzigartige Tradition der Komischen Oper Berlin weiterschreiben“, sagt Intendant Barrie Kosky, „ein Spektrum an unterschiedlichen Musiktheaterformen von Monteverdi-Opern bis zu Musicals auf höchstem künstlerischen Niveau präsentieren.“

Staatsoper Unter den Linden

Angestellte: 580 in 2017, rund 600 in 2018.
Jahresetat: 2017: 64,324 Mio. Euro, Bundeszuschuss 1,789 Mio. Euro, Landeszuschuss 49,597 Mio. Euro. 2018: 72,03 Mio. Euro, Bundeszuschuss 4,73 Mio. Euro (nicht nur für Staatskapelle), Landeszuschuss 49,718 Mio. Euro.
Auslastung 2017: Im Schiller-Theater und im wiedereröffneten Stammhaus Unter den Linden wurde eine Auslastung von 94 Prozent erreicht. Insgesamt kamen knapp 160.000 Besucher zu den 263 Vorstellungen und Konzerten.
Plätze im großen Saal: 1356
Highlights bis Sommer 2018: „Tristan“, „Falstaff“, „Macbeth“. Matthias Schulz stellt als neuer Intendant die Pläne seiner ersten Saison im Frühjahr vor.

Deutsche Oper Berlin

Angestellte: 506 in 2017, 512 in 2018
Jahresetat: 2017: 61.725 Mio. Euro, 2018: 63.072 Mio. Euro.
Auslastung 2017: 241.000 Zuschauer (trotz einiger Vorstellungsausfälle zum Jahresende wegen des Wasserschadens)
Plätze im großen Saal: 1859
Highlights für 2018: Erich Wolfgang Korngold „Das Wunder der Heliane“ (Am Pult: Marc Albrecht, Regie: Christof Loy), Premiere am 18. März. Johann Strauß „Die Fledermaus“ (Am Pult: Generalmusikdirektor Donald Runnicles, Regie: Rolando Villazón), Premiere am 28. April. Verdi-Tage vom 3. bis 27. Mai 2018: Im Lauf von drei Wochen werden 17 Vorstellungen von sechs Werken Verdis sowie ein Sonderkonzert mit Angela Gheorghiu und Fabio Sartori präsentiert.

Komische Oper Berlin

Angestellte: 414
Jahresetat: 47 Mio. Euro in 2018 (laut Wirtschaftsplan). Das Budget des Opernhauses von 2017 lässt sich dem nicht gegenüberstellen, weil das Jahr zwar kalendarisch, aber noch nicht wirtschaftlich abgeschlossen ist.
Auslastung 2017: 213.300 Menschen besuchten die 241 Vorstellungen. Die Auslastung lag bei 87,4 Prozent.
Plätze im großen Saal: 1190
Highlights in 2018: Offenbachs „Blaubart“ in der Inszenierung von Stefan Herheim. Premiere am 17. März. Schostakowitschs „Die Nase“ ist die erste Opernpremiere des neuen Generalmusikdirektors Ainars Rubikis. Premiere am 16. Juni. Zum Festival mit Bernstein-Weill-Schwerpunkt inszeniert Barrie Kosky „Candide“. Premiere im Herbst 2018.

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