Überblick

Vier Berliner Kulturbauten, die endlich fertig werden

Vier Kulturbauten sollen in diesem Jahr der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben werden. Ein Überblick.

Zentrales Eingangsgebäude der Museumsinsel: die James -Simon-Galerie  auf der Museumsinsel soll dieses Jahr schlüsselfertig sein

Zentrales Eingangsgebäude der Museumsinsel: die James -Simon-Galerie auf der Museumsinsel soll dieses Jahr schlüsselfertig sein

Foto: jörg Krauthöfer

Berlin ist eine ewige Kultur-Baustelle. Manchmal fragt man sich, ob Stiftungspräsident Hermann Parzinger überhaupt noch ruhig schlafen kann, so viele offene Bauprojekte stehen auf seiner Agenda. Da gibt es den umstrittenen Neubau des Museums der Moderne („Scheune“) und die gewaltigen Sanierungsmaßnahmen auf der Museumsinsel mit dem Pergamonmuseum, Berlins bestbesuchtem Museum. Parallel dazu läuft die Generalsanierung der Neuen Nationalgalerie. Der Bauetat 2017 der Stiftung betrug 136,2 Millionen Euro, dieses Jahr erhöht er sich um neun Millionen Euro auf 145,2 Millionen Euro, vorbehaltlich der Beschlüsse durch den Bundeshaushalt. Parzinger darf also optimistisch sein, zumal vier wichtige Projekte endlich fertig werden: das Ausweichquartier fürs Pergamonmuseum, die James-Simon-Galerie, die Staatsbibliothek Unter den Linden und das Haus Bastian, eine ehemalige Galerie, die zum Bildungszentrum umgebaut wird. „2018 wird das Jahr der Schlüsselübergaben und der offenen Türen. Und 2019 wird dann das Jahr der Eröffnungen“, sagt Hermann Parzinger, Präsident der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ein Überblick:

Pergamon-Interim Seit das Haus auf der Museumsinsel zu zwei Dritteln geschlossen und der Pergamonaltar nicht zu sehen ist, verliert das Haus an Besuchern. Schräg gegenüber gelegen wird dieses privat finanzierte temporäre Ausstellungshaus das Museum während der langwierigen Umbauzeit bis 2023 ergänzen. Das Mini-Pergamon in Leichtbauweise wird im Frühjahr eröffnen. Hier soll gezeigt werden, was die Besucher derzeit nicht sehen können. Alles rund ums Thema Pergamon: Bildnisse von Königen und Königinnen, ihre Paläste, Architekturteile des Telephos-Frieses und 3-D-Visualisierungen vom Pergamonaltar, er ist seit 2014 eingehaust. Die Lage des Interimbaus ist ideal. Der Haupteingang liegt am Kupfergraben auf der Höhe des Bode-Museums, dort öffnet sich das Gebäude auf zwei Geschossen. Vom lichten Café aus blickt man auf die Museumsinsel. Wenn das zentrale Eingangsgebäude, die James-Simon-Galerie, fertig ist, geht der Besucher nur wenige Schritte von dort am Wasser entlang zum Ausweichquartier.

James-Simon-Galerie Das neue zentrale Zugangsgebäude ist ein wichtiger Baustein im Masterplan zur Sanierung der Museumsinsel. Das von Stararchitekt David Chipperfield entworfene Gebäude mit den klassizistischen Säulen soll die erwarteten drei Millionen Besucher jährlich in die Häuser der Insel „lenken“ und die Servicefunktionen übernehmen. Das Bauvorhaben verzögerte sich um fünf Jahre, vor allem wegen massiver Probleme bei der Sicherung des Fundaments. Taucher mussten 1200 Gründungspfähle in den schlammigen Boden treiben. Zuletzt stieg die Bausumme von 71 auf 134 Millionen Euro. Die Schlüsselübergabe soll Ende des Jahres erfolgen, danach ist ein Tag der offenen Tür geplant, ehe das Gebäude nach der Einrichtung Anfang nächsten Jahres für die Besucher zugänglich wird.

Haus Bastian Das Haus Bastian, in dem sich ursprünglich zwei Kunstgalerien, darunter CFA, befanden, wird zum Bildungszentrum. Hier sollen vor allem junge Besucher auf 2000 Qua­dratmetern Anregung für ein offenes Museum finden. Das ebenfalls von Chipperfield entworfene Gebäude gleich gegenüber der James-Simon-Galerie sollte schon 2016 an die Stiftung übergehen. Bei der Übernahme kam es zu Turbulenzen. Ursprünglich wollte der schwäbische „Schraubenkönig“ und Kunstsammler Reinhold Würth den Ankauf des Hauses finanzieren. Wenig später jedoch teilte die Berliner Galeristenfamilie Bastian mit, sie schenke der Stiftung das Haus nun doch lieber selbst. Im Mai zog die Familie überraschend das Angebot zurück, eröffnete das Haus wieder mit einer Ausstellung, um im September ihr anfängliches Versprechen doch noch wahr zu machen. Das minimalistische Haus muss für die künftige Nutzung nur wenig verändert werden, Chipperfield ist davon informiert. Mitte des Jahres ist die Übernahme geplant, eröffnet wird dann aber wohl erst im kommenden Jahr.

Staatsbibliothek Unter den Linden

Größte Herausforderung bei der „Stabi“ war der Umbau bei laufendem Betrieb. Auch bei der deutschlandweit größten Universalbibliothek gab es einige Pannen und Insolvenzen beteiligter Firmen. Im letzten Jahr wurden dann 80 Prozent der Maßnahmen abgeschlossen, in diesem Jahr soll die Gesamtsanierung komplett abgeschlossen sein – sechs Jahre nach dem geplanten Termin. Es gibt dann einen neuen Allgemeinen Lesesaal, dazu einen Raritätenlesesaal, neue Tresormagazine und ein Bibliotheksmuseum.