Kaum hat man den Kassenbereich hinter sich gelassen, steht man in der großen Ausstellungshalle der Berlinischen Galerie vor einem riesigen Baugerüst und einer metallenen Wand dahinter. Nur durch eine Tür kann man in den Raum eintreten. Gleißendes Licht umfängt einen, ein riesiges Pendel, an dessen Ende ein Bündel Gürtel befestigt ist, peitscht in Kreisbewegungen im Rhythmus eines Druckluftzylinders hin und her. Das Geräusch, das die aufschlagenden Gürtelschnallen verursachen, ist martialisch und brutal. Dreht man sich um, sieht man dieselbe metallene Wand wie beim Eintreten von der Rückseite, das grelle Licht und den Raum spiegelnd. Hier wird der Raum reflektiert und zugleich eine Reflexion über den Raum angestoßen.
In ihrer zweiteiligen Installation in der Berlinischen Galerie hat die 1965 in Venedig geborene italienische Künstlerin Monica Bonvicini vieles von dem aufgefahren, was man von ihr kennt. Mit ihrer Intervention verwandelt sie den White Cube in eine Kammer des Schreckens. Unverhohlen aufgeladene sadomasochistische Anspielungen mit Utensilien wie Handschellen, Peitschen und Leder entlarven das Museum als einen Raum der Macht, vielleicht sogar als Ort männlicher Dominanz.
Monica Bonvicini wurde 2005 in Berlin groß gefeiert, als sie den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst erhielt, eine große Ausstellung folgte jedoch nicht. International ist sie auf wichtigen Biennalen vertreten – in Venedig etwa – und weltweit gilt sie als eine der bedeutenden Künstlerinnen der Gegenwart. Immer wieder hat sie sich mit Architektur auseinandergesetzt und in diesem Zusammenhang Themen wie Raum, Macht, Kontrolle durchgespielt. Neben aggressiven Installationen mit Lederriemen, Ketten, Spiegeln und Neonröhren nutzt sie dafür auch Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien und Videoarbeiten. In der Berlinischen Galerie zwingt sie den Besucher immer wieder, sich im Raum neue Wege zu suchen.
Berlinische Galerie. Alte Jakobstraße 124–128. Mi.–Mo. 10–18 Uhr. Bis 26.2.2018.
Angela Hohmann

