Die Aussichten sind blendend: Die Sommerferien fangen an – und René hat sturmfreie Bude. Also nicht nur ein Wochenende, sondern den ganzen Sommer lang. Außerdem hat ihm sein Vater, der zu einer Abrüstungskonferenz in die Schweiz fährt, 1000 Mark dagelassen. „Zehn blaue, nagelneue Hunderterscheine. Kein Knick, kein Fleck. Kein Kratzer. Weder vorne bei Karl Marx, noch hinten, da am Platz der Republik“, wie René seinem Freund Mario (Steven Sowah) erzählt, der ausgesprochen gut bei den Mädels ankommt und gerade mit Connie (Clara Mariella Sonntag) zusammen ist.

Wir schreiben das Jahr 1985, von Glasnost und Perestroika ist noch nicht viel zu spüren, in Potsdam geht die Welt ihren sozialistischen Gang. René (Frederik F. Günther) feiert seinen 16. Geburtstag und bekommt von seinem Vater noch mal 200 Mark in einem Umschlag. Nach den Sommerferien soll er auf eine Kaderschmiede wechseln, obwohl er mit seinen ebenfalls schwarz gekleideten Freunden Baudelaire liest, The Cure hört und der Melancholie frönt.

In diesem Sommer möchte René endlich das „Mädchen ohne Namen“ (sie heißt Victoria und wird von Lilly Menke gespielt) kennenlernen und ja, auch küssen. Dazwischen stehen aber noch Bianca (Sarah Schulze Tenberge), die „Arbeiterklasse“, wie Michael (Dominik Matuschek) und Dirk (Tom Böttcher) lästern. Und Rebecca (Amina Merai), die musikalisch mit den Einstürzenden Neubauten und DocMartens-Schuhen den Jungs damit noch einiges voraushat.

Regisseur Niklas Ritter hat „Skizze eines Sommers“, diesen ebenso leichtfüßigen wie einfühlsamen Roman von André Kubiczek, für das Hans Otto Theater dramatisiert und mit Schauspielstudenten der Filmhochschule Babelsberg mit wenigen Requisiten als eine Art Mix-Tape uraufgeführt. Unterlegt mit den angesagten Liedern und „Boys don’t cry“ zum Finale. Erzählt wird die Geschichte konsequent aus der Perspektive der Jugendlichen, die Erwachsenen bleiben Karikaturen.

Bühnenbildner Bernd Schneider hat eine Tanzfläche – DDR-braun umrandet – ins Zentrum gestellt, am Rand türmen sich die Flaschen, gesoffen und geraucht wird reichlich. Wie das bei Roman­dramatisierungen so üblich ist, wechseln sich Dialoge und erzählende Passagen ab. Das Flirren des Sommers, das geht etwas unter in dieser trotzdem sehenswerten Coming-of-Age-Geschichte mit Happy End.

Hans Otto Theater (Reithalle), Schiffbauergasse 11, Potsdam. Kartentel.: 0331/98 11 128. Termine: 16. und 30. Dezember