Kultur

Ein Streifzug durch die Karriere Edita Gruberovás

Ein umjubeltes Festkonzert zum 50. Bühnenjubiläum

Sie gehört zu den Ausnahmekünstlerinnen, für die der normale Wortschatz nicht zu genügen scheint. Für Edita Gruberová haben Bewunderer Ausdrücke erfunden wie Divissima, Primadonna assoluterova und slowakische Nachtigall. Mit 70 Jahren feiert sie ihr goldenes Bühnenjubiläum. Berlin beginnt mit dem Festkonzertreigen, Zürich, Wien und München ziehen nach.

In den letzten Jahren hat die Primadonna gern in Berlin gesungen, Bellinis "La Straniera" an der Staatsoper, "Norma" an der Deutschen Oper. Dabei hat sie in ihren großen Jahren Berlin eher stiefmütterlich bedacht. Die Fans in der Deutschen Oper huldigen La Gruberová mit Standing Ovations, bevor sie einen Ton gesungen hat. Sie feiern die Künstlerin für ihr Lebenswerk. Der Abend bietet einen Streifzug durch ihr Repertoire und eine Begegnung mit fünf leidenden Frauen. Den übergroßen Trennungsschmerz von Konstanze in Mozarts "Entführung aus dem Serail" nimmt man ihr nicht ganz ab. Mit den ersten Koloraturen, wenn Donna Anna ihren Verlobten um Geduld bittet, regnen die Bravos auf sie herab. Mit Mozart hat sie ihre Karriere in den 70er-Jahren begonnen. Nach längerer Abstinenz singt sie seine Arien seit fünf Jahren wieder.

Natürlich klingt Edita Gruberovás Stimme nicht mehr wie vor 30 Jahren. Über ein paar Blässen und Brüche sieht man gern hinweg. Viel interessanter ist, was sie nach 50 Opernjahren noch alles möglich macht: die zärtlichen Pianissimi, die zu Tönen geronnenen Emotionen und das Reservoire an Verzierungskünsten. Sie führt ihre wunderbaren Schwelltöne vor, die aus dem Nichts kommen und aufblühen. Doch darum geht es der Königin des Belcanto nicht. Sie denke nicht mehr über Töne, sondern über die Seele nach, hat sie einmal gesagt. Allmählich singt sie sich in Rage. Als Elettra in "Idomeneo" zeigt sie auch beeindruckenden Mut zur Hässlichkeit, wenn sie ihre Verzweiflung auslebt.

Die Zeit, in der man sie als wunderschön tirilierenden Kanarienvogel wahrgenommen hat, ist vorbei. Der Slowake Peter Valentovic, von dem sich die Gruberová auch gern bei ihren Liederabenden am Flügel begleiten lässt, dirigiert das Opernorchester. Ganz daheim ist sie dann in der Schluss-Szene aus Donizettis "Roberto Devereux". Das ist das Königinnen-Repertoire, das sie bis heute auf der Bühne verkörpert, mit Kraft und Seele, ungeschützt dramatisch und mit einem durch Mark und Bein dringenden D am Ende.

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