Immer musste sie sterben, und immer waren das spektakuläre Tode. Karin Dor war das einzige deutsche Bond-Girl, in „007 - Man lebt nur zweimal“ (1967) durfte sie Sean Connery erst ohrfeigen, dann lieben, dann verraten. Am Ende wurde sie in einem Piranha-Becken entsorgt. In Hitchcocks Agententhriller „Topas“ (1969) wurde sie von ihrem Liebhaber gemeuchelt, von oben gefilmt, sank sie dabei so in ihr Kleid, dass es aussah, als ob sich eine Blüte öffne.

Und als 1967 die „Nibelungen“ neu verfilmt wurden, gab es nur eine, die sich dem Hammerwerfer Uwe Beyer als Siegfried-Darsteller entgegen stellen konnte. Als Brunnhilde starb sie den bekannten Sagentod. Nein, in ihren großen Filmen war Karin Dor oft kein langes Leben beschieden. Das wahre Leben meinte es besser mit der Schauspielerin. Nun ist sie am Montagabend im Alter von 79 Jahren in München gestorben – in ihrem Pflegeheim, nach mehreren Stürzen in einem Pflegeheim, wie ihre letzte Wirkstätte, die Komödie im Bayerischen Hof in München, bekannt gab.

Sie wurde 79 Jahre alt: Schauspielerin Karin Dor, hier eine Aufnahme von 2015
Sie wurde 79 Jahre alt: Schauspielerin Karin Dor, hier eine Aufnahme von 2015© picture alliance / dpa | dpa Picture-Alliance / Georg Wendt

Ihre Karriere hatte früh begonnen. 1938 in Wiesbaden als Kätherose Derr geboren, wurde sie schon mit 16 Filmkomparsin, ein Jahr später erhielt sie im „Rosen-Resli“ ihre erste Sprechrolle. Und obwohl sie nur einen Satz sagen durfte („Himmlisch, Frau Chefin, einfach himmlisch!“), zahlte sich der Film aus. Regisseur Harald Reinl engagierte sie nicht nur für seinen nächsten Film, er führte sie auch gleich, wiewohl 30 Jahre älter, vor den Traualtar.

Sie wurde zum Star seiner Filme und so auch zum jüngsten Star von „Opas Kino“, wie man das Kino der 60er-Jahre nannte, das unbeirrt auf alte Erfolgsformeln setzte, auch wenn das Publikum längst zuhause vor dem Fernseher saß. Auch das Frauenbild, das sie zu spielen hatte, fiel entsprechend altbacken aus: die verfolgte Unschuld, das sanfte Reh, die schutzbedürftige Schöne. Aber ihre markante, tiefe Stimme konterkarierte diese untergeordnete Rolle stets, was einen ganz eigenen Reiz bewirkte.

© picture alliance / United Archiv | dpa Picture-Alliance / United Archives/IFTN

Karin Dor war natürlich auch in den Edgar-Wallace-Filmen dabei und in Reinls Winnetou-Filmen durfte sie Ribanna, die große Liebe des edlen Apachen spielen. Spätestens da hatten die Deutschen sie in ihr Herz geschlossen. Karin Dor litt aber zunehmend unter ihren Rollenklischees. Sie suchte einen Imagewechsel, und Reinl unterstützte das. Deshalb ihr Brunnhilde-Auftritt. In „Zimmer 13“ spielte sie gar eine pathologische Mörderin. Und ganz kurz sah es sogar aus, als ob sie ein Weltstar werden würde.

Als sie die große Chance erhielt, im Bond-Film die Gegenspielerin Helga Brandt zu spielen. Und danach bei Hitchcock eine heißbbütige Kubanerin. „Topas“ war allerdings einer der schwachen Spätwerke des Master of Suspense. Es folgten noch Auftritte in den US-Fernsehserien „Ihr Auftritt, Al Mundy“ und „Der Chef“. Aber als 1968 die Ehe mit Harald Reinl scheiterte, das deutsche Filmsystem zusammenbrach und auch keine Rollen mehr für sie offerierte, da wurde es stiller um die Schauspielerin, die zudem mit einer schweren Krebserkrankung zu kämpfen hatte.

1969 mit Frederick Stafford im Hitchcock-Thriller „Topas“
1969 mit Frederick Stafford im Hitchcock-Thriller „Topas“ © imago/United Archives | imago stock&people

Mit ihrem dritten Mann, dem Stuntmaan George Robotham, zog sie dann in die Staaten, wo sie die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte. Als er an Alzheimer erkrankte, kehrte sie mit ihm nach Deutschland zurück. Und als er vor zehn Jahren starb, wagte sie ein spätes Comeback. Im Film etwa als alkohokranke Mutter von Katja Riemann in „Ich bin die Andere“. Aber vor allem am Theater, in der Komödie im Bayerischen Hof, wo sie Jahre lang eine eigens für sie geschriebene Komödie spielte. Der anspielungsreiche Titel: „Man lebt nur dreimal.“

Zuletzt war sie auch immer mal wieder in Talkrunden zu sehen. Und auf ihre weltweit bekannteste Rolle angesprochen, hielt sie „ihrem“ Bond stets die Treue: „Mir ist Connery lieber als Craig, weil er eine viel wärmere Ausstrahlung und auch mehr Humor in den Augen hatte.“ Sie gab indes zu, dass sie Pierre Brice genauso angeschmachtet hatte wie Connery.