Interview

Peter Maffay lässt sich "von Emotionen forttragen"

| Lesedauer: 5 Minuten
Maria Bidian
300 Tage im Jahr ist Peter Maffay unterwegs

300 Tage im Jahr ist Peter Maffay unterwegs

Foto: jörg Krauthöfer

Der Musiker Peter Maffay spicht im Interview über sein neu erschienenes Unplugged-Album und kommende Projekte.

Peter Maffay hat einen festen Händedruck. Klein, schmal und mit lebhaft funkelnden Augen betritt der Sänger den Kinosaal im Soho House in Mitte. Zuletzt geriet der 68-Jährige nicht durch seine Musik in die Schlagzeilen, sondern wegen verfallener Stiftungsgebäude in Spanien und einer wütenden Dorfgemeinschaft in Rumänien. Dazu laufe momentan ein gerichtliches Verfahren mit Anspruch auf Gegendarstellung, so Maffay. Doch gerade hat er auch noch anderes im Sinn: Für sein MTV-Unplugged-Konzert stand er im Steintor-Varieté in Halle/Saale mit Gästen wie Katie Melua und Johannes Oerding auf der Bühne. Heute erscheint das neue Album, 2018 folgt eine Tour mit 22 Konzerten. Ein Gespräch über Teleprompter, Kraftquellen und Landwirtschaft.

Sie spielen unplugged. Das erste Mal für Sie?

Peter Maffay: Unplugged zu musizieren ist für uns nichts Neues. Im Grunde hat alles so begonnen. Als ich 1965 angefangen habe, in einer Band zu spielen, saßen wir in irgendeiner Ecke und haben quasi unplugged gespielt. Es ist sehr reizvoll, heute wieder an diesen Punkt meines Lebens zurückzukehren.

Nur, dass Sie heute zusammen mit Ihrer Band in einem Varieté-Theater auf orientalischen Teppichen musizieren. Umringt von begeisterten Fans. Und Gastmusiker haben Sie sich auch eingeladen.

Die Band spielt seit drei Jahrzehnten zusammen, mit den Gastmusikern haben wir intensiv geprobt. Da entsteht eine tiefe Verbindung. Erst kommt die menschliche Verbindung, dann die Musik. Jeder Musiker hat etwas Einmaliges zum Sound beigesteuert. Für das Publikum war wohl die größte Überraschung, dass Katie Melua plötzlich auf Deutsch gesungen hat. Da sind alle ausgerastet.

Wonach haben Sie die Songs ausgesucht?

Ich habe mich mit der Band zusammengesetzt. Wir haben uns durch unsere Musik gehört. Von den 70er-Jahren bis heute. Was wir ausgesucht haben, sind Lieder, die durch ihre Texte und Melodien heute immer noch Gültigkeit haben. Außerdem Stücke, die interessant sind, aber bis jetzt eher im Hintergrund standen.

Das Konzert in Halle dauerte zwei Stunden und 40 Minuten. Sie haben drei Tage geprobt. Wie halten Sie das durch?

So anstrengend ist das nicht. Der Anfang ist schwer. Die Musiker müssen auf ein gemeinsames musikalisches Niveau gebracht werden. Das braucht Zeit und Training. Das Training hat zur Folge, dass die Handfertigkeit und die Disziplin beim Spielen besser werden. So wird man sicherer und spielt besser.

Während des Konzertes steht ein Teleprompter vor Ihnen.

Er hilft mir schon, da will ich ehrlich sein. Wenn man mir den Teleprompter wegnimmt, dann vergesse ich alles. Ein Konzert von 2:40 Stunden zu leiten, ist auch für mich eine schwierige Aufgabe. Ich bin einigermaßen routiniert, aber ich lasse mich von Emotionen forttragen und vergesse dann auch mal den Text.

Stehen Sie mit 80 noch auf der Bühne?

Vermutlich nicht. Ich bin jetzt 68 Jahre alt, also nicht mehr so weit von 80 entfernt. Besonders aus der Sicht meines Sohnes. Er ist 14 Jahre und hält mich für uralt. Die Frage nach dem Alter hat sich aber sehr verschoben. Ich kenne viele, die älter als ich und noch voller Energie sind.

Haben Sie Angst, nicht mehr durchzuhalten?

Nein. Mir ist völlig klar, dass mein Leben nicht ewig so weitergehen kann. Wir unterliegen alle ein und demselben Schicksal, nämlich zu gehen, wenn es soweit ist. Wenn das bei mir nicht so wäre, wäre das ein Wunder. Ich bin kein Wunder. Ich kann mir vorstellen, dass ich irgendwann keine Energie mehr für Auftritte habe und der Fokus auf ganz anderen Dingen liegt. Dann würde ich aufhören. Aber im Augenblick macht mir die Musik viel Spaß.

Ihre Freundin saß während des Konzertes in der ersten Reihe. Ein Ansporn für Sie?

Sie ist für mich eine Kraftquelle, und ich finde es zauberhaft von ihr, dass sie mich so unterstützt und mitträgt, was ich mache. Wir tauschen uns oft über Musik aus, und ich profitiere sehr von den Gesprächen.

Ihre CD, die Tour, Ihre Peter-Maffay-Stiftung, die sich für benachteiligte Kinder einsetzt. Wann haben Sie Zeit für Privates?

Ich bin mehr als 300 Tage im Jahr unterwegs. Mir gefällt das. Nach der Tour im nächsten Jahr habe ich dann im Sommer wieder mehr Zeit für mein privates Leben. Da will ich biken, Sport machen, Landwirtschaft betreiben. Und für den Herbst ist schon mein nächstes großes Projekt geplant. Ein animierter Spielfilm mit Tabaluga und Lilli, so etwas hat es noch nicht gegeben.

Und heute genießen Sie Berlin?

Ich bin in keiner anderen Stadt so häufig wie hier. Berlin ist ein Zentrum für mich. Sowohl beruflich, als auch privat. Ich habe viele Freunde hier und liebe es, in die Natur am Rande der Stadt zu fahren. Aber heute mache ich noch einen Abstecher nach Halle zu meiner Freundin und ihrer Familie. Ein toller Zwischenstopp. Und morgen geht es dann schon weiter, zum nächsten Termin in Leipzig.