Weißensee

Stummfilmkino Delphi wird nach fast 60 Jahren wiedereröffnet

Zuletzt wurde hier die Serie „Babylon Berlin“ gedreht. Jetzt eröffent das einstige Filmtheater als Konzert- und Schauspielbühne wieder.

Das einstige Filmtheater „Delphi“ in Weißensee soll nach fast 60 Jahren ab dem 2. Dezember wieder öffnen

Das einstige Filmtheater „Delphi“ in Weißensee soll nach fast 60 Jahren ab dem 2. Dezember wieder öffnen

Foto: Esteban Engel / dpa

Berlin. Das gibt es sonst nur im Märchen. Das einstige Filmtheater Delphi in Weißensee wird aus dem Dornröschenschlaf geküsst. Derzeit wird es saniert, am 2. Dezember soll es dann fast 90 Jahre nach seiner Eröffnung und fast 60 Jahre nach seiner Schließung wiedereröffnet werden. In dem ehemaligen Stummfilmkino planen die Theatermacher Brina Stinehelfer und Nikolaus Schneider ein Programm mit Tanz, Konzerten und Schauspiel, wie sie am Donnerstag ankündigten.

Die auf eine halbe Million Euro veranschlagte Renovierung wird von der Schweizer Edith Maryon Stiftung getragen, die 2016 das Gebäude kaufte und in Berlin schon an diversen Kultur- und Wohnprojekten beteiligt ist. Schneider sprach von einem "großen Glücksfall".

"Klein-Hollywood" in Weißensee

In den 1910er-Jahren gehörte Weißensee noch nicht zu Berlin, wurde aber zunehmend interessanter für das Kino, da die Möglichkeiten in Berlin immer begrenzter waren. So entstand die Filmstadt Weißensee, auch "Klein Hollywood" genannt. Hier wurden Filme wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" und die Joe-Deebs-Serie gedreht. Und hier wurde auch, an der Gustav-Adolf-Straße 2, das Delphi Kino gebaut, das am 26. November 1929 feierlich eröffnet wurde.

Das Kino, von den Architekten Julius Krost und Heinrich Zindel konzipiert, bot Platz für 900 Zuschauer. Während des Kriegs wurde das Kino nur leicht zerstört, sodass es schon im Juli 1945 wiedereröffnet werden konnte. Im Gegensatz zu anderen Kinos in Weißensee wie etwa das Toni ist das Delphi aber nicht grundlegend saniert, sondern nur provisorisch repariert. Das rächte sich später, als Stuckteile in den Saal fielen und das Haus am 12. Februar 1959 geschlossen werden musste.

Zwischendurch war das Kino ein Gemüseladen

Seit dem Ende des regulären Betriebs hat das Kino diverse Fremdnutzungen erlebt, etwa als Gemüseladen, Wäscherei, ja selbst als Depot der DDR-Streitkräfte. Nach 1990 diente es als Schauraum für Orgeln, bis der Inhaber in Konkurs ging. Zuletzt wurde das Haus gelegentlich für Veranstaltungen und Partys geöffnet.

Und dann kam das Kino ins Kino. Tom Tykwer hat hier Szenen für seine Mammutserie "Babylon Berlin" gedreht. Und für die orgiastischen Vergnügungspartys das legendäre Moka Efti hier hineingebaut. Nach den Dreharbeiten überließ Tykwer dem Haus die eigens montierte Beleuchtung im Bogen der Kinobühne. Und hat somit einen Grundstock für das neue alte Kino gelegt.

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