Seit Volker Kutscher im Jahr 2008 in seinem Roman „Der nasse Fisch“ den Berliner Kommissar Gereon Rath vorstellte, ist die Krimireihe beständig gewachsen. Mittlerweile hat Rath in sechs Romanen ermittelt, die zwischen 1929 und 1934 spielen. Auch die optische Umsetzung der Texte hat begonnen. Im März dieses Jahres erschien „Der nasse Fisch“ als Graphic Novel, seit Mitte Oktober läuft eine aufwendige Verfilmung unter dem Titel „Babylon Berlin“ als Serie im Fernsehen – zunächst im Pay-TV-Sender Sky und in einem Jahr in der ARD.
Nun hat Volker Kutscher die Erzählung „Moabit“ veröffentlicht, in der Rath zwar nicht vorkommt, die aber eine Vorgeschichte zu der Serie erzählt. Eine der wichtigsten Figuren der Reihe ist Charlotte Ritter, Schreibkraft in der Berliner Mordkommission, anfangs Gereon Raths Freundin, später seine Ehefrau. „Moabit“ erzählt, wie sie zur Kripo kam.
Gelungene Ergänzung der Gereon-Rath-Geschichte
Berlin 1927. In der Justizvollzugsanstalt im Stadtteil Moabit wartet Adolf Winkler, genannt „Der Schränker“, auf seine Entlassung nach drei Jahren Haft. Bald kann er wieder seinen Platz als Chef des Ringvereins „Berolina“ einnehmen, einer jener Gangsterbanden, die Berlin unter sich aufgeteilt haben. Auf dem Weg vom Besucherraum zurück in seine Zelle wird er plötzlich angegriffen. Winkler kennt den Mann nicht, aber der Fremde will ihn umbringen. Erst im letzten Moment wird er gerettet, vom Oberaufseher Christian Ritter höchstpersönlich. Die Hintergründe bleiben unklar, zumal es bald einen Todesfall gibt, der die Aufklärung fast unmöglich macht.
Kutscher hat die Erzählung in drei Abschnitte unterteilt, die sich auf jeweils eine Hauptfigur konzentrieren. Erst wird Winkler in all seiner Großspurigkeit und kriminellen Energie gezeigt, dann sein genaues Gegenstück. Oberaufseher Ritter ist äußerst pflichtbewusst, korrekt und von moralischen Prinzipien geleitet. Der dritte Teil schließlich gehört Ritters 19-jähriger Tochter Charlotte. Sie hat die Schule beendet, möchte studieren und sucht eine Anstellung als Schreibkraft. Vor allem aber sucht sie das Vergnügen im Berlin der immer noch Goldenen Zwanziger. „Moabit“ ergänzt die Gereon-Rath-Reihe um eine gelungene Facette, besonders durch das Gefühl für die Lebensumstände der Menschen in jener Zeit.
Axel Knönagel

