Film

Veronica Ferres: "Eine Abrechnung mit mir selber"

In ihrem neuen Film geht Veronica Ferres putzen. Und will sich damit auch für alte Fehler entschuldigen. Ein sehr offenes Gespräch.

Wie geht das mit dem Staubsauger? Veronica Ferres als gefallenes Schlagersternchen in „Unter deutschen Betten“

Wie geht das mit dem Staubsauger? Veronica Ferres als gefallenes Schlagersternchen in „Unter deutschen Betten“

Foto: 2017 Twentieth Century Fox

So hat man Veronica Ferres noch nie gesehen. Im Kinofilm "Unter deutschen Betten", der gerade angelaufen ist, spielt sie ein Schlagersternchen, dass sich als Putzfrau verdingen muss. Die 52-Jährige spielt das mit viel Selbstironie und lädt sogar dazu, sich mal richtig über sie lustig zu machen. Sie sieht aber auch Parallelen zu ihrem eigenen Leben und begreift den Film als eine Art Reinigung. Wie sehr, dass hat uns die Schauspielerin im Interview im Hotel de Rome erzählt.

Frau Ferres, Sie spielen eine Schlagersängerin, die putzen muss. Da liegt die Frage nahe: Putzen Sie zuhause selbst?

Veronica Ferres: Ich greif schon mal zum Staubsauger. Vor allem am Wochenende gehe ich gern mal ein ganzes Zimmer durch, putze, wische den Boden, miste aus. So komme ich runter, fühle mich selbst wie gereinigt. Ich habe aber eine wunderbare Putzfrau, die die Hauptarbeit macht. Mit der verbindet mich mehr als ein reines Arbeitsverhältnis. Die nimmt mich auch mal in den Arm, wenn ich schwache Nerven habe oder eine Träne verdrücken muss, die hat immer ein offenes Ohr. Eine sehr loyale, warmherzige Frau.

Und singen Sie auch?

Ich hatte immer den Traum, dass ich das mal können würde. Deshalb war die Rolle ja so genial: Weil Linda das ja auch nicht perfekt beherrscht. Meine Familie macht immer die Tür zu, wenn ich in der Badewanne singe. Im Auto drohen sie, dass sie mit der U-Bahn weiterfahren. Aber das empfinde ich noch als geschützten Raum. Es wird keine professionelle Gesangskarriere geben, ich bleibe schön beim Film.

Immerhin haben Sie es jetzt zu einem Auftritt bei Florian Silbereisen geschafft.

Unglaublich, nicht wahr? Aber ich war schon nervös. Wenn man weiß, das Millionen live zuschauen. Und ich hatte nur drei Proben für Minuten Choreographie mit 20 Profitänzern vom Friedrichstadtpalast. Das war schon ein Ritt über Bodensee. Ich hatte richtig Spaß, aber ich war auch richtig froh, als es vorbei war.

Als Sie das Buch "Unter deutschen Betten" gelesen haben, haben Sie sich gleich die Filmrechte gesichert. Sie haben darin sofort einen Stoff für sich gesehen?

Ich habe damals ein Kinderbuch herausgebracht, und meine Verlegerin gab mir die Fahnen: "Das könnte was sein für dich." Dass das so erfolgreich werden würde, war nicht klar. Aber ich konnte die Rechte gleich optionieren, habe auch die echte Putzfrau getroffen und ihren Ko-Autor, der ihr Psychotherapeut war. Die haben schließlich mir die Rechte gegeben und nicht großen Konkurrenzunternehmen. Weil sie sagten, bei mir sei das in den richtigen Händen. Weil ich ein privates Engagement daran hatte.

Inwiefern?

Ich habe mich in vielem wiedererkannt. Ich habe als Studentin Tagesjobs übernommen und war dann in Villen in Grünwald bei München, vom Kellnern bis zum Aufräumen nach großen Festen. Was ich da so erlebt habe, das bin ich nie losgeworden, das war aber eine Steilvorlage für eine Komödie, die viel über die Gesellschaft erzählt.

Der Film befriedigt eine gewisse Schadenfreude gegen Ihre Person. Ihr Mut zur Selbstironie scheint recht groß zu sein?

Vor ein paar Jahren hätte ich das vielleicht noch nicht so machen können. Heute liebe ich das. Sich selber nicht so wichtig zu nehmen, ist ganz wichtig. Man darf sich hier schamlos über die Ferres lustig machen, wie sie auf Knien Klos putzt. Aber alles, was im Film an bösen Kommentaren über mich fällt, habe ich wirklich schon gehört. Von "Die ist 20 Jahre zu alt" bis zu "Für die gibt es keinen Markt mehr". Da ist so viel von mir drin. Ich bin ja schnell sehr erfolgreich geworden, bestimmt gab es da Momente, wo ich mich, weil ich Angst hatte und überfordert war, wie eine dumme Zicke verhalten habe. Was mir im Nachhinein leid tut. Der Film ist auch eine Art Entschuldigung für viele Fehler, die ich im Leben gemacht habe, er ist eine Abrechnung mit mir selber.

Ihrer Filmfigur wird klar gemacht, ihre Zeit sei vorbei. Dass Schauspielerinnen ab einem gewissen Alter weniger Rollen kriegen, gilt ja leider immer noch. Macht man sich da Gedanken über einen Plan B?

Das hat man mir schon einige Male gesagt. Aber ich glaube, dass sich unsere Gesellschaft geändert hat und Frauen, die wie ich 52 sind, sehr wohl einen Beitrag für diese Gesellschaft leisten können. Sollte meine Zeit eines Tages vorbei sein, fängt etwas anderes an. Mein Bruder hat eine internationale Schule gegründet, etwas Ähnliches könnte ich mir auch vorstellen: in einem Kinderheim arbeiten. Oder eines gründen.

Wie sehr hat Sie das getroffen, wenn Sie mal tief gefallen sind?

Mein Vater hat immer gesagt, vergeude deine Energien nicht mit Dingen, die du nicht mehr ändern kannst. Andererseits habe ich immer am meisten gelernt, wenn ich richtig eine auf die Schnauze gekriegt habe und am Boden lag. Ich hätte aber vieles nicht geschafft, wenn ich nicht Freunde gehabt hätte, die mir geholfen haben. Auch darum geht es im Film. Oje, ich spreche so abgeklärt darüber, dabei habe ich gerade mit einer ganz engen Freundin Riesenzoff, wegen einer Nichtigkeit. Das muss ich gleich heute Abend lösen.

Gegen Ihren Mann lief eine regelrechte Rufmordkampagne. Wie sehr hat Sie selbst das betroffen – und wie getroffen?

Das hat uns sehr erschüttert. Aber mir war achteinhalb Jahre lang klar, dass die einseitig manipulierte Berichter- stattung nicht der Wahrheit entspricht. Ich kenne die Fakten. Mein Mann hat, das hat er ja zugegeben, auch Fehler begangen. Er hat nichts anderes gemacht, als z.B. Empfehlungen der Stiftung Warentest zu folgen. Wie andere Banken und Versicherungen auch. Aber er wurde für all das als Schuldiger hingestellt. Ich habe selber Geld angelegt bei der Deutschen Bank, ich habe alles verloren. Aber ich käme nie auf die Idee, den Filialleiter anzuklagen. Ich war selber gierig, ich wollte diese Rendite haben.

Sie haben auch selber Drohungen erhalten...

Ja, ich war mit in Sippenhaft. All die Dinge, die Carsten vorgeworfen wurden, lagen ja lange vor der Zeit, bevor wir uns kennengelernt haben. Aber ich war bei jedem Artikel mit auf dem Bild – weil sich das besser verkauft, sagte man mir dann immer. Das war schon sehr bitter. Aber auch das ist eine Lehre fürs Leben. Jetzt ist ja herausgekommen, dass das eine Kampagne war, die von einem Einzeltäter initiiert wurde, der von einem Konkurrenzunternehmen, der DVAG, bezahlt wurde, das ist ja höchste Kriminalität. Das hat uns sehr getroffen, aber eine dunkle Wolke ist vorübergezogen.

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