Kultur

Slowdive spielen im Huxleys, als wären sie nie weg gewesen

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Johanna Ewald

Dark Wave von Siouxsie And The Banshees, Postpunk von Joy Division und Indiepop der Smiths, dazu noch etwas elektronische Musik und 90er-Crossover – eigentlich kann das nur schiefgehen, meint man, ein Kuchen wird ja auch nicht besser durch mehr Zutaten. Doch Slowdive weiß um ihre Zutaten, dosiert sie gerade genug. Nach 22 Jahren kehrt die britische Band mit ihrem vierten, eponymen Album zurück.

Von zwei Jahrzehnten Pause ist am Dienstagabend in Huxleys Neue Welt nichts zu hören. Nur an dem Publikum ist die Zeit nicht vorübergegangen. Vorwiegend männlich mit Bart, schwarzer Klamotte, mittleres Alter, Musikliebhaber. 1991 lagen sie noch im Haus der Eltern auf ihrem Bett, überlegten, was sie mal werden wollten, und hörten die Debütplatte „Just For A Day“. 26 Jahre und ein einigermaßen geregeltes Leben später sieht man sie wieder in diesem Bett liegen. Dabei fachsimpeln sie aufgekratzt, welches Konzert von Slowdive sie zuletzt besucht haben, welches Album das beste war. Als die Band die Bühne betritt, sind sie still. Applaus. Der fühlt sich warm an, wie eine Umarmung unter alten Freunden. Die Lichtanlage flackert und eine Wand von Sound breitet sich im ausverkauften Huxleys aus.

Mit raumgreifenden Gitarren, verhallenem Gesang, zwar treibendem, aber doch verhaltenem Schlagzeug und weichem Bass stehen Neil Halstead (Gesang, Gitarre), Christian Savill (Gitarre), Nick Chaplin (Bass), Rachel Goswell (Gesang, Keyboard) und Simon Scott (Schlagzeug, Elektronik) da auf der Bühne, verkörpern die schlichte Mühelosigkeit. Halstead trägt Schnauzbart und eine dieser Trucker Caps, die, die man in den 90ern trug. Goswell am Keyboard, in schlichtem Schwarz, neben ihr ein pinker Plastik-Flamingo. Einen Mittelpunkt gibt es bei dieser Band nicht, weder klanglich noch bildlich. Keiner steht in der Mitte, wird mehr beleuchtet als die anderen. Der Gesang als ebenbürtiges Instrument zur Gitarre, bei dem es weniger um den Text (den man meist nur erahnen kann), sondern vielmehr um die Harmonie geht. Alle stehen sie im Halbdunkeln und spielen vor sich hin, den Blick auf die Füße: Shoegaze, das Genre, das diese Band in den frühen 90ern mit etablierte.

( Johanna Ewald )