City West

Es werde Licht: Das Lux-Kino öffnet bald seine Pforten

Noch wird gebohrt und gehämmert: Am 6. September werden die neuen Delphi Lux Kinos eröffnet. Wir durften schon mal reinschauen.

Wollen nicht nur ein neues Kino öffnen, sondern die ganze Ecke aufwerten: die Yorck-Geschäftsführer Heinrich-Georg Kloster (l.) und Christian Bräuer

Wollen nicht nur ein neues Kino öffnen, sondern die ganze Ecke aufwerten: die Yorck-Geschäftsführer Heinrich-Georg Kloster (l.) und Christian Bräuer

Foto: Anikka Bauer

Das Licht macht’s. Die sieben Säle des neuen Delphi Lux Kinos in der City West sind alle in fröhlichen Farben gehalten, mal rosa, mal blau-rot, mal lila-grün. Auch die dabei verwendeten Materialien sind immer andere. Zum echten Raumerlebnis wird das alles aber erst, wenn die LED-Streben, die in Mustern an den Wänden und Decken entlang laufen, ein und denselben Saal in völlig verschiedene Stimmungen tauchen können. Alles Illusion. Das passt zum Film, das ist ein Versprechen für ein Kino-Erlebnis.

Noch wird an manchen Stellen gehämmert und gebohrt. Im zweitgrößten Saal sind die Sitze noch nicht eingebaut, weil die gelieferten Armlehnen nicht die bestellte Breite hatten. Das sind so typische letzte Geburtswehen. Am 6. September aber soll alles fertig sein, dann wird das Kino im Yva-Bogen am Zoo feierlich eröffnet, im Beisein von Berlinale-Chef Dieter Kosslick und von Iris Berben, der Präsidentin der deutschen Filmakademie.

Vor sechs Jahren musste die Yorck-Kino-Gruppe – die Kinos wie das International, das Filmtheater am Friedrichshain, die Yorck-Kinos in Kreuzberg, das Cinema Paris und das Delphi am Zoo betreibt – das Broadway am Tauentzien schließen. Das hinterließ eine schmerzliche Lücke. Die soll nun wieder geschlossen werden. Gleich um die Ecke vom angestammten Delphi-Kino. In einer Passage, nun ja, durch die man bislang eben mal durchläuft, wenn man zum Zoo muss, in der man noch nicht verweilen möchte. Das Haus, in dem das Kino eingebaut wurde, ist eher nüchtern, in den oberen Etagen befinden sich auf der einen Seite Hotelzimmer des Motel One, auf der anderen Seite Parkdecks. Und gegenüber vom Haus rattert die S-Bahn vorbei.

Bewusst junges, urbanes Design für die neue City West

Aber sowie man das Kino betreibt, ist nichts mehr vom urbanen Treiben draußen zu hören. Dafür sorgt der Schallschutz. Und das Interieur besticht. Ebenerdig geht es zu Sälen, der größte hat 140 Plätze, der kleinste, die Lux Box, 36 Plätze. 800 Plätze sollte das Kino ursprünglich bieten, dann hat man aber auf 700 abgespeckt – weil man so mehr Beinfreiheit und Komfort bieten kann.

Bei ihrem Kino, so Christian Bräuer, einer der beiden Geschäftsführer der Yorck-Gruppe, habe man bewusst auf ein modernes Design gesetzt. Traditionsbewusste Kinos gebe es in der Gegend genug, das wollte man gar nicht erst kopieren, das wäre auch nicht authentisch gewesen. Stattdessen wollte man etwas Junges, Modernes, Urbanes kreieren. Was ganz gut zur neuen City-West passt.

Als Innenarchitekten konnte man Bruzkus-Batek gewinnen, die auch schon Tim-Raue-Restaurants gestaltet haben und die Bar Dean in Mitte. Beim Lux hat das Architekturbüro an das Prinzip Markthalle gedacht: Die Vielfalt sollte sich auch im Räumlichen widerspiegeln, die Säle wurden mit Farben, Materialien und eben Lichteffekten ganz individuell gestaltet und voneinander abgesetzt.

Denn hier soll es ja auch allerhand Kinokost geben: von großen Arthouse-Produktionen, wie sie auch in anderen Yorck-Kinos laufen, bis hin zu Klassikern, die nur noch selten auf großer Leinwand zu sehen sind.Ein Schwerpunkt wird auf Originalfilmen mit Untertiteln liegen, ein weiterer auf Schulkino: Schon im Broadway gab es Vorführungen für Schulklassen.

Alle wollen das Areal aufhübschen

Außerdem sollen Dokumentarfilme und Kurzfilmprogramme laufen, man möchte Heimstatt für kleinere Filmfestivals werden und überhaupt ein Labor für das Kino von morgen stellen. Auch die Europäische Filmakademie will hier die Kinos intern nutzen, und der Europäische Filmmarkt hat auch schon mal interessiert vorbeigeschaut.

Aber der Name Lux steht nicht nur für Lichtspielhaus, sondern für Licht-Bilder ganz allgemein. Mit den unmittelbaren Nachbarn des nicht-bewegten Bildes, dem Museum für Fotografie also und der C/O Galerie, plant man Kooperationen. C/O zeigt schon jetzt auch Filme und Videos, hat dafür aber nur geringe Kapazitäten. Das kann mit dem Lux ändern, mit dem man über einen Hof sogar verbunden ist, ändern. Mutig spricht man schon von einem neuen Campus Charlottenburg als Foto- und Filmquartier.

Bleibt nur noch die eine, aber entscheidende Frage. Wie wird das Kino wohl angenommen? Wer erst mal drin ist, ist sofort von den Sälen eingenommen. Aber die Gegend, das kann man nicht beschönigen, ist bislang geprägt den typischen Problemen, die mit einer Bahnhofsgegend verbunden sind. Heinrich-Georg Kloster, ebenfalls Geschäftsführer und Mitbegründer der Yorck-Kinos, will das auch gar nicht beschönigen. Der Yva-Bogen sei zwar „zentralste Lage“, aber „auch eine unattraktive“.

Aber genau das will man ja ändern „Wir wollen an dieser Schmuddelpassage etwas Attraktives gestalten.“ Daran seien auch die Anwohner interessiert, das Ulrich-Kaufhaus ebenso, man sei auch bereits in Gesprächen mit der Bahn: „Wir alle wollen das Areal aufhübschen.“ Und auch da soll das Licht es richten: Wenn hier erst mal eine hellere, freundliche Beleuchtung angebracht ist, wenn hier Tische draußen stehen, wird das, so hofft man, ein ganz anderes Publikum anziehen