Wenn Jostein Gaarder in seinem Haus in Oslo an seinem Bücherregal vorbeischreitet, dann hat er allen Grund, stolz zu sein. Nachdem er 1986 mit einer Novellensammlung debütiert hatte, hat der norwegische Schriftsteller 20 Romane, Jugend- und Kinderbücher geschrieben. Doch sein größter Erfolg war und ist sein Roman „Sofies Welt“ (1991), in dem er die Geschichte der Philosophie wie einen Krimi erzählt. Am heutigen Dienstag wird Jostein Gaarder 65 Jahre alt.

Dieses Buch – in drei Monaten auf Papier gebracht – ist eines der erfolgreichsten der Literaturgeschichte. Es wurde in rund 60 Sprachen übersetzt und 80 Millionen Mal verkauft. Und wenn Gaarder nun auf diese Ausgaben in Urdu, Swahili und Bengali in seinem Regal schaut, dann kann er seinen Erfolg nicht leugnen. „Allmählich fühle ich, dass mein Auftrag erfüllt ist“, sagte er in einem Interview der Zeitung „Aftenposten“. Auch in Deutschland hat Gaarder enormen Erfolg. Der Carl Hanser Verlag hat „Sofies Welt“ 1993 herausgebracht und ist inzwischen mit der 58. Auflage auf dem Markt. Allein die Hardcover-Version habe sich über zwei Millionen Mal verkauft, sagt Saskia Heintz, Verlagsleiterin des Kinder- und Jugendbuchs. Ihrer Meinung nach hat der Roman inzwischen Kultstatus erlangt. Jedes Jahr gingen immer noch Tausende Exemplare über den Ladentisch. „Die Jugendlichen finden es spannend, Philosophie so unterhaltsam erzählt zu bekommen.“ Denn auch wenn Gaarder vier „Erwachsenenbücher“ geschrieben hat, machen Kinder und Jugendliche doch den größten Anteil seiner Leserschaft aus. Mit Büchern wie „Das Kartengeheimnis“, „Maya oder Das Wunder des Lebens“, „Der Geschichtenverkäufer“ und „Noras Welt“ konnte Gaarder an den Erfolg von 1991 anknüpfen. Er bekam diverse internationale Preise, darunter den deutschen Jugendliteraturpreis 1994.

In allen seinen Büchern geht es immer auch um philosophische Fragen: „Woher kommt die Welt?“, „Was ist der Mensch?“ Gaarder hat das Talent, sich in die Gedankenwelt der Kinder hineinzuversetzen, und er spricht Themen an, die nicht immer einfach sind. In „Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort“ geht es um ein krebskrankes Mädchen, das auf den Tod wartet. Im „Orangenmädchen“ verliert sich ein Junge in den Briefen seines verstorbenen Vaters. Sein neuester Roman „Ein treuer Freund“ handelt von der Einsamkeit. Verlagsleiterin Heintz nennt sie „Welterklärungsbücher, die uns zum Nachdenken bringen“.

Fragen stellen, zum Denken anregen – das war dem ausgebildeten Lehrer schon immer wichtig. Auf die Antwort kommt es ihm dabei gar nicht so sehr an. Es gibt ohnehin meistens mehr als eine. Eine dieser Fragen ist: Wie retten wir die Erde vor dem Menschen? Gaarder will diese Aufgabe nicht allein den Jungen überlassen. Er setzt sich für den Umweltschutz ein und kritisiert die geplanten Ölbohrungen in der Arktis. Und er unterstützt andere. Gemeinsam mit seiner Frau Siri Dannevig hat Gaarder den Sofiepreis gestiftet, der mit den Tantiemen für „Sofies Welt“ finanziert wird. Der Preis geht seit 1998 jährlich an Männer und Frauen, die sich für „eine anständige und faire Verteilung der Weltressourcen“ eingesetzt haben.

dpa