Film

Die Bullyparadler: „Das zwischen uns ist was Besonderes“

Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian haben sich für „Bullyparade - Der Film“ wiedervereinigt. Ein Treff in Berlin.

Das Trio als : Rick Kavanian, Christian Tramitz und Michael Bully Herbig (v.l.)

Das Trio als : Rick Kavanian, Christian Tramitz und Michael Bully Herbig (v.l.)

Foto: © 2017 WarnerBros. Ent./herbX film/Marco Nagel

Vor 20 Jahren starteten drei noch ziemlich unbekannte Comedians eine Fernsehserie, in der sie alles parodierten, was sie in der Kindheit geliebt hatten: Winnetou, Raumschiff Enterprise, die Sissi-Filme. Die „Bullyparade“ sollte Kult werden, aber das dauerte eine Weile. Und so richtig ging es eigentlich erst los, als Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian die Winnetou-Parodie zu einem Kinofilm erweiterten. Und damit Kinogeschichte schrieben: „Der Schuh des Manitu“ ist bis heute mit 14,5 Millionen Zuschauer der erfolgreichste deutsche Film, seit die Publikumszahlen gemessen werden. Nach zwei weiteren Staffeln war dann Schluss mit der Serie, der zweite Kinofilm „(T)Raumschiff Surprise“ war 2004 so etwas wie der Schlusspunkt. Das Trio legte 2007 zwar noch mit „Lissi und der wilde Kaiser“ nach – aber nur noch als Trickfilm.

Danach haben Bully Herbig und Rick Kavanian erst zu zweit weitergemacht, Tramitz bekam seine eigene Show „Tramitz & Friends“. Heute spielt Tramitz in der Vorabendserie „Huber und Staller“, Kavanian steht auf der Bühne und Herbig drehte zahlreiche Filme, als Schauspieler wie als Regisseur. Nun aber, 20 Jahre nach der ersten Staffel, kommen sie wieder zusammen. „Bullyparade – Der Film“ (Kinostart: 17. August) vereint noch mal all die alten Figuren – und einige neue.

Dazu haben wir die drei im „Four Seasons“-Hotel getroffen. Sie erscheinen auf die Minute pünktlich und bestens aufgelegt. Von den Gerüchten, es habe mal ein Zerwürfnis zwischen ihnen gegeben, keine Spur. Nur Tramitz platziert sich auf dem Sofa auffallend weit von den beiden anderen weg.

Herr Tramitz, Sie rücken so weit ab. Soll uns das irgendwas sagen?

Christian Tramitz: Nein, gar nicht. Wir sitzen nur so oft zusammen die letzte Zeit, da dachte ich, ich setz mich mal woanders hin.

Michael Bully Herbig: Das war im Bus auch schon so. Am Anfang saßen wir alle auf der Rückbank, mittlerweile verteilt es sich. Wenn wir so weitermachen, geben wir demnächst die Interviews getrennt in verschiedenen Städten.

Womit wir schon mitten im Stoff wären. 15 Jahre nach der letzten „Bullyparade“, zehn Jahre nach dem letzten Film – wie ist das, wieder zusammenzukommen? Mussten Sie sich erst wieder zusammenfinden? Oder war alles sofort wieder da?

Tramitz: Die Figuren waren schnell wieder da. Aber wir mussten uns wieder finden . Das hat auch ein bisschen gedauert. Ich war anfangs etwas skeptisch. Aber irgendwann fing das Rad an sich zu drehen. Und dann hat es auch wieder Spaß gemacht. Und das war ja unsere Grundvoraussetzung, da sind wir alle gleich: dass es Spaß machen muss.

Herbig: Wir haben uns natürlich alle die Frage gestellt, ob es überhaupt Sinn macht. Ob wir darauf noch mal Bock haben. Das meine ich jetzt gar nicht negativ. Aber man hat ja doch anderthalb bis zwei Jahre damit zu tun. Wenn einer von uns gesagt hätte: „Ich sehe mich da nicht mehr“, dann wäre es das auch gewesen.

Rick Kavanian: Wenn man aber erst mal am Set steht und die vertrauten Klamotten anhat, dann ist das so, wie wenn man zu einem alten, vertrauten Lied zurückfindet.

Herbig: Es ist wie mit dem Radfahren. Das verlernt man auch nicht, das geht so in die DNA über, das kann man auch nach Jahren wieder abrufen.

Sie sind alle seit Jahren solo erfolgreich. Begegnet man sich da in der Arbeit anders?

Tramitz: Eine berechtigte Frage! Aber nein, überhaupt nicht.

Herbig: Man sieht sich so an, was der andere macht. Aber es ist nicht so, dass man jetzt ehrfürchtig auf die Knie fällt.

Kavanian: Ich merke aber, wenn ich das anfügen darf, schon, was wir speziell aneinander haben, wenn man in der Zwischenzeit mit anderen Leuten gearbeitet hat. Ohne die Arbeit mit denen schmälern zu wollen, aber dass zwischen uns dreien etwas Besonderes passiert, das spürt man umso mehr.

Herbig: Stimmt, das ist uns früher gar nicht so aufgefallen. Du merkst erst, dass das gar nicht so selbstverständlich ist, wenn man jahrelang unterschiedliche Wege gegangen ist.

Tramitz: Das war schon viel unkomplizierter als bei „anderen“ Produktionen, bei denen man sich sklavisch an den Text halten muss. Ich musste mich auch daran gewöhnen. Wir sind ja immer sehr frei mit uns und unseren Texten umgegangen. Keiner von uns war böse, wenn man textlich was rausgeschmissen hat.

Herbig: Gar nicht. Ober sticht Unter, wenn ein Text dadurch besser wurde, ist es doch gut.

Kavanian: Ober sticht Unter – das sagst du so selbstverständlich. Das funktioniert aber nur, wenn es untereinander eine Uneitelkeit gibt. Dass nicht einer unbedingt das letzte Wort, die letzte Pointe haben will. Wenn man den bestmöglichen Sketch erzielen will, gehört es dazu, dass man sich zurücknimmt und anbietet: Das solltest du spielen, das passt viel besser zu dir.

Herbig: Wir haben alle drei ein ähnliches Gespür dafür, wann man aufhören sollte.

Die letzten Staffeln „Bullyparade“ hatten die höchste Quote, die Filme waren Megahits. Wie groß ist da der Erwartungsdruck, das alles noch mal toppen zu können, zu müssen?

Kavanian: Ich habe mich erst mal wahnsinnig gefreut, dass wir wieder zusammen schreiben. Beim Drehen war das dann wieder das alte, vertraute Radfahren. Aber je näher es jetzt an den Kinostart rückt, desto nervöser werde ich, ob das auch alles wieder so ankommen wird.

Tramitz: Es ist ja so, dass uns inzwischen die anderen erklären, warum der Film ein Erfolg wird. Während wir selber grübeln, ob das noch zieht, kommen viele Leute mit derselben Argumentation: „Da gehen die rein, die mit euch jung waren. Und die nehmen jetzt auch noch ihre Kinder mit.“

Herbig: Wir haben in den letzten zwei Jahren ganz unterschiedliche Einschätzungen gehört. Von dem, was Christian sagte, bis zum anderen Ex­trem: Das kennt doch heute kein Schwein mehr! Die einen freuen sich und wollen genau das sehen. Und die anderen stöhnen, jetzt sind die schon wieder da, jetzt kommen die schon wieder mit den ollen Kamellen. Das hat bei mir zu der Einsicht geführt, dass man es sowieso nicht allen recht machen kann. Jemand hat mal gefragt, ob wir uns wie eine alte Rockband fühlen, die wieder zusammen spielt. Ich finde, das ist ein guter Vergleich.

Warum haben Sie damals überhaupt aufgehört? Man hörte immer mal wieder, Sie hätten sich verkracht, hätten sich voneinander befreien müssen. War da etwas dran?

Herbig: Ja, das haben wir auch gelesen.

Kavanian: In meiner Erinnerung ist es so: Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, entsteht ­irgendwann bei jedem der verständliche Wunsch, etwas Eigenes zu machen. Wie sagst du immer so schön, Bully? Ein Soloalbum machen, sich selber ausprobieren. Bei mir war es einfach der Wunsch, in Zivil auf die Bühne zu gehen, mit Menschen zu kommunizieren – Stand-up-Comedy zu machen. Christian wollte sein eigenes Ding machen, Bully hat andere Filme gedreht. Idealerweise war das zu einer Zeit, wo wir das selber entscheiden konnten und nicht auf die Gunst des Senders hoffen mussten.

Herbig: Man darf nicht vergessen, wir haben über sechs Jahre lang massiv „Bullyparade“ betrieben. Wir hockten permanent aufeinander. Wir haben unsere Frauen weniger gesehen als uns. Das war fast schon ein ehe-ähnlicher Zustand.

Tramitz: Schreiben. Vor Publikum auftreten. Drehen. Und dann ging es wieder von vorne los. Dafür haben wir’s wirklich gut hingekriegt.

Herbig: Bei der fünften Staffel haben wir das erste Mal gesagt, jetzt könnten wir es auch mal gut sein lassen. Dann kam aber „Der Schuh des Manitu“, und plötzlich ging’s erst richtig los. Das war wie ein Brandbeschleuniger. Es ist ja nicht so, dass alle von Anfang an die „Bullyparade“ sehen wollten und deshalb ins Kino gerannt sind. Erst durch den Kinoerfolg wurde auch die Show erfolgreich. Also haben wir gesagt, machen wir halt noch ’ne Staffel.

Andere hätten Sie bekniet, auch noch eine siebte und achte zu drehen.

Herbig: Es hat auch wehgetan, aufzuhören. Man hat uns sogar eine Überraschungsshow produziert. Wir haben die letzte Show aufgezeichnet, das Publikum saß noch da. Plötzlich kam Barbara Schöneberger die Treppe runter und sagte: Jetzt machen wir mal eine „Bullyparade“ für euch. Das ist nie gesendet worden. Aber da kamen plötzlich Anke Engelke, Bastian Pastewka, Michael Mittermeier, Olli Dittrich und haben „Bullyparade“ gemacht, inklusive Einspieler mit Thomas Gottschalk. Wir drei saßen da und haben geheult.

Tramitz: Da kann man wirklich nicht sagen, wir hätten uns heillos zerstritten.

Herbig: Es flossen Tränen, das ist richtig. Aber es war eine Mischung aus Erleichterung und Wehmut, dass dieser Zeitabschnitt jetzt vorbei ist.

Haben Sie sich zwischendurch mal auf ein Bier getroffen? Oder gab es wirklich eine Phase, wo Sie sich voneinander entwöhnen mussten?

Tramitz: Es gab erst mal eine Pause. Aber wir haben uns trotzdem immer wieder getroffen.

Herbig: Den Rick kenne ich jetzt seit 30 Jahren, da gab es schon vorher eine Freundschaft, die ist natürlich geblieben.

Tramitz: Und du hast mich damals mit deinem kleinen Sohn besucht.

Herbig: Der hat dich aber sofort angespuckt!

Tramitz: Ich wollte ihn halt unbedingt in den Arm nehmen …

Herbig: Ich habe noch gewarnt, der spuckt noch.

Tramitz: Und in der Sekunde ist es passiert!

Herbig: Es ist wahrscheinlich eine interessantere Nachricht, wenn die Leute sich nicht leiden können. Wenn sie sich spinnefeind sind.

Tramitz: Aber ich glaube, so funktioniert das nicht. Wenn du so eng aufeinanderhockst wie wir und dich nicht magst, dann kannst du solche Sketche nicht machen. Das ginge dann nur rein technisch, aber dafür wären wir alle nicht die Typen.

Herbig: Wir haben dann noch bei „(T)Raumschiff Surprise“ zusammengearbeitet und für „Lissi und der wilde Kaiser“. Rick und ich haben noch eine Show zusammen gemacht, ihr habt zusammen gedreht. Da kann man wirklich nicht von einem Zerwürfnis reden. Natürlich liest man lieber, dass die sich die Köpfe einschlagen, als dass sie sich schon wieder zum Grillen getroffen haben.

Und sind Sie in den letzten Jahren noch auf die „Bullyparade“ angesprochen worden?

Kavanian: Ich glaube, das war auch ein Grund, wenn nicht der Motor, der uns dazu gebracht hat, das noch mal zum 20-Jährigen zu machen. Am Flughafen, auf Tournee, auf der Straße, überall wurden wir gefragt. Mittlerweile gibt es ja auch Leute, die sagen: „Ich kenn dich aus meiner Kindheit.“ Das ist dann schon irritierend.

Bully: Oder: „Meine Mutter ist ein Riesenfan.“

Tramitz: Solange es die Mutter ist, geht’s. Bei „Hubert und Staller“ heißt es schon: meine Oma.

Herbig: Ja, wir sind breit aufgestellt! (alle lachen) Ich war der festen Überzeugung, die Frage nach der Fortsetzung hört irgendwann auf. Aber was man nicht ahnen konnte, ist, dass die Filme es regelmäßig ins Weihnachtsprogramm schaffen oder an Neujahr alle an einem Tag laufen. Da bekommt das Ganze plötzlich eine andere Temperatur. Außerdem stimmt es bei mir endlich auch vom Alter her bei den „Wechseljahren einer Kaiserin“.

Und ist „Bullyparade – Der Film“ nun der ultimative Abschied? Oder könnte das gar ein Neubeginn sein, womöglich von einer neuen Fernseh-Staffel?

Tramitz: Fragen Sie das den Rick!

Kavanian: Also ich könnte mir das sofort vorstellen. Ich habe auch nach der letzten Klappe gefragt, ob wir nicht noch 30 Drehtage dranhängen wollen. Ich mag die beiden unheimlich gern, ich arbeite sehr gern mit ihnen. Aber das hängt natürlich mit der Resonanz zusammen. Wenn kein Mensch darauf reagiert, dann sollten wir es wirklich lassen.

Herbig: Wir haben jetzt fünf Episoden gedreht. Theoretisch könntest du von jeder ein Spin-Off machen. Aber das war nicht die Idee. Die Idee war schon, sich jetzt mit Würde von dieser Art der Parodie zu verabschieden.

Tramitz: Das glaube ich auch. Diese Figurenchargen, anders kann man das wohl nicht nennen, sind jetzt auserzählt. Aber man könnte ja vielleicht auf einer anderen Ebene …

Herbig: Christian liebt dänische Filme. Vielleicht müsste man mal auf Dänisch drehen.

Tramitz: Zumindest was drehen, was gar nichts mit uns zu tun hat.

Herbig: Die Frage ist nur, wen interessiert es dann? Nimm mal „King of Comedy“. Ich habe Jerry Lewis als Kind geliebt, aber dann hat Martin Scorsese diesen Film mit ihm gemacht, und plötzlich war er nicht mehr mein Jerry Lewis. Heute finde ich den Film großartig. Aber als ich ihn als Jugendlicher das erste Mal gesehen habe, war ich total enttäuscht. Und das wird immer unser Problem sein: die Erwartungshaltung.

Kavanian: Jeff Daniels konnte zugleich „News Room“ und „Dumm und dümmer 2“ spielen. Einen ernst zu nehmenden Journalisten und eine geisteskranke Knalltüte. Und keiner wunderte sich, wie der beides spielen konnte.

Herbig: Das stimmt – für einzelne Schauspieler. Aber wir als Trio? Das ist schon noch mal ein Unterschied.

Aber wäre das der nächste logische Schritt? Sie drei vereint in einem Drama?

Tramitz: Als Herausforderung fände ich das sehr interessant. Vielleicht würden sich auch 19 Zuschauer dafür interessieren. (lacht) Nein, ich glaube wirklich, das könnte funktionieren.

Herbig: Aber ob uns das steht?

Eine ganz andere Frage. Es gibt den schwulen Spuck, es gibt die Transen-Sissi, ein Großteil Ihres Humors hat mit Schwulsein zu tun. Was sagen die Bullyparadler eigentlich zur Ehe für alle?

Tramitz: Finde ich super. Jeder soll das tun, was ihn oder sie glücklich macht.

Herbig: Ich bin sogar für die Ehe für den Papst.

Kavanian: Der hätte es verdient.

Das wäre auch ein Film …

Herbig: Au ja!

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