Kabarett

Ein Kabarettist im hyperaktiven Liederstrudel

Es treibt ihn weiter und weiter: Rainald Grebe spinnt in seinem „Wigwamkonzert“ unendliche Geschichten – und singt über drei Stunden lang.

Wechselt gern Perücken in seinem dreistündigen Konzert: Kabarettist Rainald Grebe

Wechselt gern Perücken in seinem dreistündigen Konzert: Kabarettist Rainald Grebe

Foto: POP-EYE/Christina Kratsch / POP-EYE

Ein Schwitzkonzert sollte es ja werden. Richtig heiß hatte er es sich in seinem Zelt gewünscht. Und genau so ist es gekommen. Als Kabarettist Rainald Grebe am Dienstagabend auf die Bühne des Tipis am Kanzleramt tritt, da blickt er erst mal auf eine Masse wedelnder Fächer. Anders war der Hitze nicht beizukommen, die sich im Zelt angestaut hatte. Die passte wiederum hervorragend zum Titel des Abends, den Grebe „Wigwamkonzert“ getauft hat. Neue Stücke und Bewährtes sollte es da geben, wie Grebe im Interview mit dieser Zeitung verraten hatte.

Diesen kühnen Mix, den bringt der Liedermacher gleich beim ersten Stück auf die Bühne: „Volkslieder singen“. Da reißt sich Grebe den Indianerschmuck vom Kopf, den er so gern trägt, und hechtet durch populäre Schlager, von Helene Fischers „Atemlos“ zu „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“, immer weiter dreht er sich in einem hyperaktiven Liederstrudel, weiter zu „Schnappi“ und „Killing me softly“. Nur kein Stillstand, bloß keine Pause, das ist Grebes Bühnenprinzip, seit er 2002 zum ersten Mal solo im Scheinwerferlicht stand.

Ob seine Geschichten stimmen, verrät der Kabarettist nicht

An seinen Liedern arbeitet er sich ab, an „Urlaub“ und an „Multitasker“. Abwaschen, Socken stopfen, mit 200 Sachen auf der Autobahn rasen und gleichzeitig James Joyce lesen, das sei alles kein Problem für ihn, kräht er da hinaus, reißt die runden Augen auf und rudert so wild mit den Armen, dass man ahnt: Das stimmt nicht. Wer so durchs Leben rast, prallt irgendwann an der Leitplanke ab oder verpasst die Ausfahrt. Anscheinend ist das Grebe auch passiert. Jedenfalls erklärt er zwischen zwei Stücken atemlos, dass er vor wenigen Monaten einen Burn-out gehabt habe. Sein Arzt habe ihm daher empfohlen, drei Monate lang nichts zu machen. Da habe er sich gleich mal im Fitnessstudio angemeldet. Und klar, auch daraus ist ein neues Stück entstanden, „Fitnessstudio“. Ob Geschichten wie diese wirklich stimmen, verrät er nicht. Der 46-Jährige knüpft aberwitzige Märchen an dadaistische Anekdoten, spinnt die Mären immer weiter, dass er sich darin zu verlieren droht – oder selbst lachen muss. Darüber, dass er sich ein Bett aus Pferdehaar gekauft oder nun in ein Fabergé-Ei investiert habe. Dann hechtet er weiter, die Gluthitze bremst ihn nicht aus.

Für die sechs Abende im Tipi hat er sein Orchester der Versöhnung, mit dem er bereits in der Waldbühne aufgetreten ist und in der Wuhlheide auch, auf drei Musiker geschrumpft. Die spielen mit, wenn Grebe immer tiefer hineinkriecht in diese Welt, die er in seinen Stücken baut. Eine, die keine Ruhe kennt, nur einen Sog, der ihn weitertreibt – über drei Stunden und 20 Lieder. So lang dauert ein Abend mit Grebe, dem Theatermacher, Komiker und Diplom-Puppenspieler. Bloß ein Lied spielt er nicht: „Brandenburg“, seinen Hit von 2005.

Tipi am Kanzleramt, Große Querallee. Termine: 3.–5.8., 20 Uhr, 6.8., 19 Uhr.