Zunächst gibt es technische Probleme. Der Sound klingt zu hallig. Das Mikrofon macht sich selbstständig und wackelt. Und die Gitarre verstimmt sich wie von selbst. „Ihr schwitzt zu sehr“, ruft John Watts in die Menge. „Das tut den Saiten nicht gut. Es ist ganz schön heiß hier.“ Stimmt. Auch von einem Wet-Shirt-Contest ist die Rede, den er fraglos gewinnen würde. Dabei hat der politisch engagierte Rockpoet aus Brighton gerade erst begonnen. Ganz allein steht er am Dienstagabend auf der Bühne des ausverkauften Quasimodo und eröffnet den Abend mit einer akustischen Version von „Marguerite“. Zum Warmspielen, sagt er.

John Watts hat seine Band Fischer-Z wieder einmal neu formiert. Seit 40 Jahren steht er mittlerweile auf der Bühne. Mit „Building Bridges“ ist gerade ein neues Album erschienen, das Watts mit seinen vier Mitmusikern auf einer ausgedehnten Tournee vorstellt. Die ist noch relativ frisch, gerade erst angelaufen. Daran mag es liegen, dass die Band einige Zeit braucht, bis sie in die Gänge kommt. Aber dann steht die alte Kraft von Fischer-Z im Raum und die Hits, die die Band in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren landete, erstrahlen in neuer, frischer Energie.

Als die Musiker zu ihrem Mastermind stoßen, gibt es gleich „Room Service“ von 1980, die reggaelastige Romanze um ein chinesischen Zimmermädchen, einen der größten Hits von Fischer-Z. Eigentlich bestand die Band in der Urbesetzung mit Watts, David Graham (Bass), Steve Skolnik (Keyboards) und Steve Liddle (Schlagzeug) gerade mal drei Jahre. Zwischen 1979 und 1981 veröffentlichten sie die drei legendären Alben „Word Salad“, „Going Deaf For A Living“ und ihr Meisterstück „Red Skies Over Paradise“. Sie waren damit Wegbereiter der New Wave, nutzen treibende Elemente des Punk ebenso wie kluge Popmelodien und pumpende Reggae-Grooves.

Dabei stand John Watts, der fast alle Songs komponiert, mit seinem kraftvollen Gitarrenspiel und einer bis ins höchste Falsett aufsteigenden Stimme prägend im Mittelpunkt. Heute muss sich der Anfangssechziger etwas einschränken, Stimmen werden nun einmal tiefer im Alter, das weiß auch John Watts, aber er meistert das Manko bravourös. Sowohl beim neuen Stück „So Close“ als auch beim Klassiker „The Worker“ vom 79er-Debütalbum. Im Dezember 1979 traten sie erstmals in Berlin auf, im legendären Kant-Kino war das. Und sie kehrten immer wieder, hatten in Deutschland mehr Erfolg als auf der heimischen Insel.

John Watts gab sich auch nach Auflösung der Band bei diversen Soloprojekten stets experimentierfreudig und ambitioniert, konnte den Erfolg von Fischer-Z jedoch nicht toppen. So rief er die Band Ende der 80er-Jahrer mit anderen Musikern wieder ins Leben. Mit Witz und Ironie plaudert er sich im Quasimodo durch ein breit angelegtes Repertoire, kündigt „So Long“ an als „im Stil von Michael Jackson, wenn er noch leben würde“. Bei „Berlin“ skandiert der ganze Club den Refrain mit. Und er hat auch eine klare Botschaft: „Brücken müssen wir bauen zwischen den Menschen, gerade jetzt“, sagt er.

Mitternacht ist längst vorbei, als er im Zugabenblock nach „Row Boys Row“, dem punkig rastlosen „Limbo“ und „A Perfect Day“ mit dem ewigen Ohrwurm „Marliese“ den Schlusspunkt setzt unter ein streckenweise herrlich unperfektes, aber emotional druckvolles Konzert. Am 29. Oktober kehren Fischer-Z wieder zurück nach Berlin, ins Columbia Theater.