Kino

Jungsträume werden wahr: Guy Ritchie verfilmt "King Arthur"

Guy Ritchie, der Ex-Mann von Madonna, erzählt die Sage um die Ritter der Tafelrunde neu. Von der Legende lässt er nicht viel übrig.

Der magische Moment: Arthur (Charlie Hunnam) zieht das Schwert Excalibur aus dem Stein. Dann mag er damit aber erst mal nichts zu tun haben

Der magische Moment: Arthur (Charlie Hunnam) zieht das Schwert Excalibur aus dem Stein. Dann mag er damit aber erst mal nichts zu tun haben

Foto: Courtesy of Warner Bros. Picture / 2017 WARNER BROS.

Die Szene ist emblematisch, jeder kennt sie: Das Schwert, das im Stein feststeckt, all die wackeren Männer, die vergeblich versuchen, es rauszuziehen, dann der unbedarfte Knappe, dem es gelingt und der somit König wird. In der Neuverfilmung der berühmten Saga um die Ritter der Tafelrunde bebt in dem Moment die Erde, Vögel schrecken in die Luft, Pferde gehen durch. Dräuende Boten des Schicksals.

Aber der junge Arthur kippt erst mal um. Will mit dem Schwert dann auch gar nichts zu tun haben. Mit der Prophezeiung erst recht nicht. Zu seiner Bestimmung muss er regelrecht gezwungen werden. „King Arthur – Legend of the Sword“ krempelt den Mythos komplett um.

Ein Held, der partout kein Held sein will

Ritter-Sein, das ist so ein Jungens­traum wie sonst nur das Cowboy- und Indianer-Spiel. Im Sandkasten wird für die hehren Ideale einer völlig unbekannten, aber mit Verklärung aufgeladenen Zeit buchstäblich eine Lanze gebrochen. Und keiner ist davor gefeit. Chris Hunnam, der Star aus der „Sons of Anarchy“-Serie, hat die alten Arthur-Filme als Kind wieder und wieder geguckt, hat sich sogar aus Holz ein Excalibur-Schwert geschnitzt. Jetzt darf er die XXL-Rolle in einem Blockbuster verkörpern.

Auch Guy Ritchie, der Ex-Mann von Madonna, meint, als Engländer sauge man den Stoff quasi mit der Muttermilch auf. Und mit der opernhaften „Excalibur“-Verfilmung von 1980 habe er sogar so etwas wie eine Liebesbeziehung gehabt, so oft habe er sie gesehen. Nun hat er den Stoff neu verfilmt. Jungsträume wurden wahr.

Eine getreue Umsetzung des Stoffes sollte man von Ritchie aber tunlichst nicht erwarten. Schon bei seinen beiden „Sherlock Holmes“-Filmen mit Robert Downey Jr. und Jude Law hat er von dem berühmten Detektiv wenig mehr als den Namen gelassen. Auch bei „Arthur“ werden zwar ein paar nostalgische Anknüpfungspunkte gesetzt, ansonsten aber wird mit allen Mitteln ans moderne Actionkino angedockt.

Ein Fantasy-Versatzkasten, kräftig durchgeschüttelt

Arthur muss hier als kleiner Junge erleben, wie vor seinen Augen seine Eltern umgebracht werden. In letzter Sekunde wird er in einem Kahn ausgesetzt. Das erinnert nicht von ungefähr an Moses, immerhin auch ein vom Schicksal Auserlesener. Arthur wächst dann aber nicht am Hof auf, sondern als Gossenjunge in einem Bordell, wo er so oft Prügel einstecken muss, bis er eines Tages lernt zurückzuschlagen. Mit einer Truppe von Rebellen kämpft er gegen den bösen König Vortigern (erneut Jude Law), von dem er nicht ahnen kann, dass der sein Onkel und der Mörder seines Vaters ist. Das erinnert an „König der Löwen“.

Dabei müssen die Rebellen nicht nur gegen Heerscharen finsterer, schwarzgepanzerter Krieger kämpfen, sie kriegen es auch mit Geistern und Riesengetier zu tun. Viel „Herr der Ringe“ spielt da mit. Mit dem Darsteller Aidan Gillen kommt noch eine Prise „Game of Thrones“ dazu. Und wenn Arthur sich endlich seinen Kräften stellt und das Schwert annimmt, sieht das so aus, als ob Thor von den „Avengers“ noch mal lernt, seinen Hammer zu schleudern. Artus als Comic-Held aus dem Mittelalter.

Dass es ein anderer Arthur wird als der, den unsere Väter kennen, haben die Produzenten schon vorab verkündet. Und in den zahllosen Filmen, die es bereits gibt, war die Figur ja schon so ziemlich alles, vom keltischen Krieger bis zum römischen Zenturio. Eine Legende hält so was aus. Da kann man alle Ingredienzen auch als großen Fantasy-Versatzkasten verstehen und kräftig durchschütteln. Der Arthur-Reboot ist nun ein klassischer Unterschichten-Underdog, wie die schrägen Typen aus Ritchies frühen Erfolgen „Bube, Dame, König, grAs“ oder „Snatch“. Ein Anti-Held, der sich mit allen Mitteln wehrt, zu Höherem bestimmt zu sein.

Nur: Wieviel Mindestmaß muss man aus den bekannten Zutaten übernehmen? Ritchie hat eine ganze Burg Camelot über Monate aufbauen lassen, sein Film spielt aber zu großen Teilen an einem Ort, der in anderen Artus-Versionen noch nie vorkam: Londinium, das alte London, einst Metropole des römischen Reichs, jetzt ein zerfallender, apokalyptischer Moloch.

Es tauchen schon mal ein Tristan und ein Parzifal auf, aber sie spielen nicht die prägenden Rollen, die ihnen die Legende zuschreibt. Sie fügen sich artig ein in eine Menge neu erfundener Figuren. Und, dies der größte Unterschied: Keine Guinevere, keine Königin der Herzen. Kein Merlin, kein Gandalf-artiger Zauberer, der die Ritter behext. Stattdessen muss eine Frau (Astrid Bergès-Frisbey) die Magie übernehmen.

Als Popcornkino funktioniert das ganz prächtig. „King Arthur“ ist rasant geschnitten und mit rockigen Beats un-terlegt. Noch in Nebenrollen glänzen Stars wie Eric Bana und Djimon Hounsou, sogar David Beckham hat einen Gastauftritt. Ein paar drastische 3-D-Effekte gibt es auch. Der wahre Arthur-Fan muss dennoch öfter schlucken. Das alte Ritter-Streben nach wahrer Größe, edlen Tugenden und heldenhaften Taten findet hier jedenfalls nicht statt.

Ganz am Ende rückt immerhin ein runder Tisch ins Bild. Es wird also mal eine Tafelrunde geben. So schaut sich das Ganze wie ein Pilotfilm zu einer Serie an. Und wirklich plant man gleich fünf weitere Teile, sollte dieser Film Erfolg haben. Der Verleih träumt schon von einem „Tafelrunden-Universum“. Da kommen dann sicher auch noch Guinevere und Merlin zum Zug.

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