Kultur

Arte-Film: Das Geschäft mit der Entwicklungshilfe

Stephan Belzer steht in seiner Lagerhalle in der kenianischen Hauptstadt Nairobi und zeigt stolz seine neuen Kühlanlagen. Es sei wichtig, erklärt er, dass die Kühlkette nicht unterbrochen würde von Europa nach Mombasa und Nairobi, sonst sei das Produkt kaputt. Belzer leitet „European Foods Africa“, eine Firma, die tiefgekühlte Lebensmittel – Pizza, Beeren, Torten – aus Europa in Kenia verkauft, für ein vielfaches des deutschen Preises. Dafür wird er unterstützt – mit zwei Millionen Euro von einem Fonds für Entwicklungshilfe. Geld, das vor allem europäischen Firmen zugutekommt? Kein Einzelfall, wie die Filmemacher Valentin Thurn und Caroline Nokel in ihrer Dokumentation „Konzerne als Retter?“ zeigen.

Sogenannte öffentlich-private Partnerschaften, bei denen staatliche Entwicklungshelfer mit privaten Firmen zusammenarbeiten, gelten als Wundermittel in der Branche. Konzerne, so geht die Argumentation, hätten unternehmerisches Know-how, von dem die Menschen vor Ort profitierten, brächten Mittel für Investitionen mit, die der öffentlichen Hand fehlen, und erschlössen sich neue Märkte. Sie in die Entwicklungszusammenarbeit einzubinden sei eine Situation, bei der alle gewännen.

Dass die Realität oft anders aussieht, zeigen Thurn und Nokel in der präzise recherchierten Dokumentation. 25 Drehtage haben sie für den 90-minütigen Film in Afrika verbracht, haben Projekte in Kenia, Sambia und Tansania besucht. Die Bilanz ist ernüchternd: In fast allen Projekten, die die Filmemacher besuchen, profitieren hauptsächlich die Konzerne. „Entwicklungshilfe ist zu Wirtschaftsförderung verkommen“, sagt Valentin Thurn, Autor des Films. Und Regisseurin Caroline Nokel ergänzt: „Es werden genug Nahrungsmittel produziert. Was wir haben, ist ein Verteilungsproblem.“ Ob sich das mit Tiefkühlpizza lösen lässt?

Arte, heute, 20.15 Uhr