Kultur

Einstiegsdroge für junge Sammler

Auf Erfolgskurs: Auf der kleinen, feinen Messe „Paper Positions“ im Bikini Berlin am Breitscheidplatz dreht sich alles um Papier

Gar nicht so lange her ist es, da verbuchte Mitte den Kunst-Glamour für sich allein, Galerien in Charlottenburg wurden eher am Rande des Hypes um den ruinengetränkten Mitte-Charme wahrgenommen. Die Zeiten haben sich geändert, die City-West verzeichnet derzeit einen Zuzug von Galerien wie lange nicht mehr.

Gerade erst eröffnete Mehdi Chouakri am Fasanenplatz die neuen Räume, Contemporary Fine Arts (CFA) bespielt eine Ladenwohnung in der Grolmanstraße. Den Umzug der umtriebigen Fotogalerie C/O Berlin von Mitte nach Charlottenburg sehen viele Galeristen durchaus als „Trend“-Verstärker. „Die Entwicklung deutete sich schon länger an“, meint Galerist Werner Tammen vom Landesverband Berliner Galerien.

Dazu passt, dass sich das kleine, feine neue Messeformat „Paper Positions“ im ersten Stock im Bikini Berlin temporär eingenistet hat. Im vergangenen Jahr gab es am gleichen Standort bereits eine Verkaufsausstellung, die sich so gut entwickelte, dass man dieses Jahr weitermacht. Es winkt zudem Geschichte – die Staatliche Kunsthalle stand an der Stelle – bis sie Anfang der 90er-Jahre geschlossen wurde.

Wie der Titel sagt, dreht sich alles rund um das Medium Papier: Zeichnungen, Aquarelle, (Foto-)Collagen, Skulpturen, Scherenschnitte. Ein dankbares, wie vielschichtiges Sammlungsgebiet. Papierarbeiten gelten als „Einstiegsdroge“ für Sammler, mit Preisen ab 300 Euro ist die Hemmschwelle niedriger als bei Werken für mehrere Tausend Euro. „Es gibt ein breites Interesse an Kunst wie dieser. Es entwickelt sich nämlich eine junge Sammlerschaft in Berlin“, erzählt Kristian Jarmuschek, neben Heinrich Carstens der Initiator der „Paper Positions“. Und da ist er nicht der einzige Berliner Galerist, der das berichtet.

Arbeiten auf Papier sind ein vielfach unterschätzter Bereich moderner und zeitgenössischer Kunst. Gerade in einer leichthändigen Skizze kann womöglich der Bildfindungsgedanke des Künstlers nachvollziehbar sein. Also die Idee, die in Linien angelegt ist und sich später in einem musealen Werk wiederfindet. Das macht dieses Sammlungsgebiet interessant.

30 internationale Galerien sind bei der Schau vertreten

In den Tagen des Gallery Weekends strömten 5000 Besucher ins Bikini-Haus, dieser Erfolg gab den Ausschlag, die Messe bis zum 13. Mai offen zu halten. Allerdings muss der Besucher auf einige Exponate verzichten, sie sind verkauft und wurden ausgeliefert. Vertreten sind nun 30 internationale Galerien aus Deutschland, USA, Rumänien, Österreich. Auf die klassischen Messekojen wurde verzichtet zugunsten von mobilen Ausstellungswänden.

Eine Entdeckung sind sicher die zarten Blätter der US-Künstlerin Hedda Sterne, die noch im hohen Alter – sie starb 2011 mit 100 – zeichnete, obgleich sie immer stärker ihre Sehkraft verlor. Wer sich für Stadtlandschaften interessiert, sollte bei „Tammen & Partner“ vorbeischauen, dort gibt es Berlin-Zeichnungen von Karsten Kusch, wahlweise Kohle oder farbige Kreide für 1400 Euro. „Kreuzberg“ erstreckt sich auf einer ganzen Wand, 10-teilig, die Installation stammt von Marion Eichmann. Mit viel Farbenfreude kommt Sabine Finkenauer mit ihren hauchdünnen, etwa 30 Zentimeter großen gerahmten Collagen daher – sie leuchten von weitem. Sie machen Lust auf mehr, genauso wie die in kunterbunten Skizzen festgehaltene „Kleine Welt“ mit 15 Zentimeter kleinen „Muntermachern“ von Alexandra Huber. Ein ziemlich lustiges Tagebuch. Bei „Alexander Ochs Private“ treffen wir auf die kontrastreichen Landschaftszeichnungen von Laura Bruce. Dagegen setzt sie reizvoll ihre Mini-Porträts, 9 und 11 Zentimeter groß. Mit 520 Euro ist der Käufer dabei.

Bikini Berlin, Budapester Str. 38, Charlottenburg, Mo.-Sbd. 10-20, So. 12-20 Uhr, bis 13. Mai

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