25. Todestag

Auf den Spuren von Berlins größtem Weltstar Marlene Dietrich

Am 6. Mai ist der 25. Todestag von Berlins größtem Weltstar. Wir haben Stätten aufgesucht, die noch an die Ehrenbürgerin erinnern.

Marlene an allen Ecken: Die Marlene Dietrich Collection bildet das Herzstück der Deutschen Kinemathek

Marlene an allen Ecken: Die Marlene Dietrich Collection bildet das Herzstück der Deutschen Kinemathek

Foto: Peter Zander

Am heutigen Sonnabend ist es 25 Jahre her, dass Marlene Dietrich gestorben ist. Die Frau, der einst die ganze Welt zu Füßen lag. Die Film-, Chanson- und Modegeschichte geschrieben und politische Haltung bezogen hat. Aber welche Ecken von Berlin erinnern noch an den größten Star, den die Stadt hervorgebracht hat? Wir haben einige Stätten aufgesucht.

Das Geburtshaus

Schon von weitem lacht einem auf der roten Insel ein Mauerbild von einem Dach entgegen, 2001 zum 100. Geburtstag der Diva angefertigt. Aber nein, das ist erst Leberstraße 17. Das Geburtshaus steht 300 Meter weiter, Haus Nr. 65. Hier ist Marie Magdalene Dietrich 1901 geboren, hier hat sie ihre ersten drei Jahre gewohnt. Damals lautete die Adresse noch Sedanstraße 53. Die Dietrichs wohnten im ersten Stock, im Erdgeschoss befand sich das Polizeirevier, in dem ihr Vater Dienst tat. Nicht sehr engagiert, wie es heißt. Gleich zweifach wird dem Star hier gedacht. Mit einer Bronzeplakette und einer Gedenktafel, die 2008 für die Ehrenbürgerin der Stadt angebracht wurde. Ruß und Staub hat sich angesetzt. Hier steht der Spruch, der auch der Titel ihrer Memoiren war: "Ich bin Gott sei Dank, Berlinerin". Das stimmt nicht ganz. 1901 war Schöneberg noch ein Vorort, erst 1920 wurde er in Groß-Berlin einverleibt.

Filmstudio Babelsberg

Ein größerer Ausflug mit der S-Bahn zu den Filmstudios Babelsberg. Gerade wurde hier noch "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" gedreht. Derzeit steht die Marlene-Dietrich-Halle leer. Mit 2500 Quadratmetern ist sie nicht die größte, nur die "Mittelhalle". So hieß sie auch noch zu Defa-Zeiten. Aber es ist exakt die, in der Marlene auf einem Fass hockend "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" sang. Hier wurde 1929 "Der blaue Engel" gedreht. Der Film, der Marlene berühmt machte und nach Hollywood brachte. 1992 wurde die Halle nach ihr umbenannt, noch zu Lebzeiten, sie wurde damals per Telefon zugeschaltet. Es gibt sogar noch ein paar Original-Holzbohlen. Wenn mal nicht gedreht wird, kann man die Halle auf einer Studiotour besuchen. Und den geweihten Boden betreten.

Potsdamer Platz

Zurück in die Stadt. Dass das Zentrum vom Potdamer Platz Marlene-Dietrich-Platz heißt, freut einen jedes Jahr zu Berlinale. Sonst eher nicht. Das Musicaltheater ist raus, das Casino folgt bald. Der Platz wirkt recht öd. Das hat Marlene nicht verdient. Auch der Boulevard der Stars ist nicht schön. Der rote Mittelsaum auf der viel befahrenen Postdamer Straße ist längst zu hässlichem Rostbraun verwittert. Auch der Stern für Marlene, der erste, der hier 2010 gesetzt wurde, ist arg in Mitleidenschaft geraten. Den Namenszug hat man aufpoliert, dabei wurde er aber zerkratzt und aufgescheuert. Nein, der Boulevard, als große Hommage gedacht, wird wohl nie ein Walk of Fame. Fast hofft man, dass hier bald die Tram gebaut wird und dem Provisorium ein Ende bereitet.

Dafür lacht das Herz des Fans, wenn er in der Potsdamer Str. 2 in der Deutschen Kinemathek steht. Schon im Spiegelfoyer begegnet uns Marlene mehrfach. Dann geht es in den "Mythosraum". Ihr Nachlass, die Marlene Dietrich Collection, kam bereits anderthalb Jahre nach ihrem Tod nach Berlin und bildet das Herzstück des Filmmuseums. Hier sind sechs Kostüme der Diva ausgestellt, fünf davon wurden extra zum Todestag ausgetauscht und sind erstmals zu sehen. Dazu laufen Filmausschnitte, die sie in diesen Kostümen zeigen.

Der Dior-Dreiteiler, den sie beim Oscar 1951 trug. Das schwarze Ensemble, in dem sie in "Zeugin der Anklage" sang. Der Freizeit-Anzug, der erst ein Skandal war und bald zur Mode wurde, als alle Frauen Hosen tragen wollten.

Im Gang dahinter zahlreiche Devotionalien. Ihr Schminkkoffer. Das Armband, das Jean Gabin ihr schenkte. Und das goldene Zigarettenetui von Douglas Fairbanks Jr. Dazu hört man Marlene-Lieder. Auf 300 Quadratmetern erlebt man ihre Filme, ihren Einsatz gegen die Nazis – und ihre zahllosen Affären.

Das Ehrengrab

Das Grab ist frisch bestellt. Stiefmütterchen, von Efeu umrankt, dazwischen ein frischer Strauß. Nach einem Sturz, bei dem die einst schönsten Beine der Welt versagt hatten, hat die Dietrich ihre letzten Jahre völlig zurückgezogen in Paris gelebt. Beerdigt aber wurde sie in ihrer Geburtsstadt. Am Friedhof in der Stubenrauchstraße, wo wenige Schritte weiter auch das Grab ihrer Mutter, Elisabeth von Losch, liegt. Es gibt hier mehrere Ehrengräber, von Ferruccio Busoni, Oscar Pastior und, vier Gräber links, Helmut Newton. Keines aber ist so gepflegt wie das von Marlene. Es gibt hier einen kleinen Fan-Tourismus. Immer mal wieder Menschen, die suchen, finden und verschämt ein Foto machen. Auf dem schlichten Grabstein steht nur der Vorname. Und ein Vers aus einem Gedicht von Theodor Körner: "Hier steh' ich an den Marken meiner Tage."

Privatwohnung von Judy Winter

Dieser Ort steht zugegeben nicht jedem offen, ist aber ein Symbol für zahllose Fan-Nischen und -Schreine in der Stadt. Wenn man Judy Winters in Charlottenburg besucht, sieht man als erstes, wenn sich die Tür öffnet, ein überlebensgroßes Foto von Marlene Dietrich, wie sie sich gerade verneigt. Gut 18 Jahre hat Judy Winter in Pam Gems' Stück "Marlene" die Dietrich gespielt. Irgendwann stieß sie auf das Foto, hängte es an die Wand, stellte ein "Lottersofa" davor. "Ich weiß gar nicht mehr, wie die Wand darunter ausschaut." Die Dietrich ist eine der ganz großen Rollen der Winter, mit ihrer grandiosen Performance lebt Marlene ein Stück weit fort. Auch wenn Judy Winter, wie sie salopp sagt, "nicht als Marlene sterben will".

Marlene Bar

Unsere Tour beenden wir stilgerecht in der Marlene Bar im Hotel Interconti. Überall Holzvertäfelungen, rotledrige Barhocker. Überall Marlene, große Plakate hinterm Tresen, viele Fotos an den Wänden. Und Marlene auch auf der Karte. Wobei sich nicht recht erschließt, was "Marlene's Bellini" oder "Marlene's Lemonade" mit der Diva zu tun hat. Da geht es vielleicht doch nur um die Bar-Marke. Ebenso wie bei den Snacks. Wir hätten hier eine Berliner Kartoffelsuppe erwartet, die Dietrich liebte Hausmannskost. Stattdessen gibt es "Marlene's Burger". Sowas aß sie nur mit John Wayne. Wir entscheiden uns neutral für einen Sekt. Und stoßen auf Marlene an.

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