Kultur

Polina Semionova ist jetzt „Berliner Kammertänzerin“

Primaballerina nach ihrem Baby-Comeback geehrt

Kultursenator Klaus Lederer tritt nach der „Onegin“-Vorstellung vor das Publikum des Staatsballetts im Schiller Theater und überreicht jene Urkunde, die die russische Primaballerina Polina Semionova zur „Berliner Kammertänzerin“ macht. Die Ehrung erfährt die in Charlottenburg lebende 32-jährige Tänzerin für ihre künstlerischen Leistungen als Mitglied des Staatsballetts, das sie im Jahr 2002 als gerade mal 17-Jährige wurde – und für die Zeit danach, als sich die Stadt durch das Wiederkommen des Ballettstars geehrt fühlen durfte.

John Crankos Choreografie der „Onegin“-Geschichte nach Alexander Puschkin – leicht ist Crankos Werk aus dem Jahr 1965 daneben an die bekannte Tschaikowski-Oper angelehnt – hat Polina Semionova in Berlin zahllose Male getanzt, kurz nach ihrem Engagement feierte die weltberühmte Choreografie 2003 Premiere in Berlin. Das Stück ist schließlich genau wie sie ein unumstößlicher Pfeiler des Staatsballett-Wirkens in der Stadt, der ungeachtet der Personalquerelen um den glücklosen Ballettchef Nacho Duato und das skeptisch beäugte Nachfolgeduo Sasha Waltz und Johannes Öhman seinen Weg geht.

Das Publikum freut sich mit Polina Semionova über die Auszeichnung des Senates, gekommen ist es aber aus einem anderen Grund: Es ist ihre erste Vorstellung nach der Babypause – wenn auch Klaus Lederer sich hier etwas missverständlich ausdrückt. Keineswegs kam das Kind am 1. April 2017 zur Welt – eine Ballettvorstellung so kurz nach dem Mutterschutz wäre wohl selbst für eine so unermüdliche Arbeiterin wie Semionova nicht machbar gewesen. Das Baby von Semionova und ihrem einstigen Staatsballett-Kollegen Mehmen Yümak ist bereits fast vier Monate alt.

In John Crankos altem Handlungsballett erweist sich Polina Semionova in guter Form. Ihre Aufgabe als Tatjana ist anspruchsvoll, aber dankbar: Erst im Pas de deux mit dem an seiner einstigen Arroganz verzweifelten Eugen Onegin – hingebungsvoll den narzisstischen Dandy tanzend: Roman Lazik als Gast vom Wiener Staatsballett – muss sie tänzerisch alles an Agilität und Schmiegsamkeit geben, während sie in der Szene des an Onegin geschriebenen Briefes sowie der Ballszene vor allem ihre beachtlichen schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen muss. Die Staatskapelle unter Leitung von Wolfgang Heinz fräst sich elegant durch die anspruchsvollen Orchester-Arrangements von Klavierstücken Peter Tschaikowskis.

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