Kultur

Der Mann, der Berliner Künstlern mehr Raum gibt

Martin Schwegmann ist neuer Atelierbeauftragter der Stadt

Eigentlich wollte er ja seinen neuen Job erst am Montag antreten. Dass schon vorher, noch bevor Martin Schwegmann den Posten als Atelierbeauftragter des Landes Berlin offiziell übernimmt, so viele Menschen auf ihn zustürmen würden, das hat er nicht erwartet. Doch die Nachfrage nach bezahlbaren Ateliers in der Stadt ist so groß wie der Raum knapp. Schwegmann hat keine Verschnaufpause, seine Arbeit beginnt jetzt.

Am Freitag hat sich Schwegmann in einer Pressekonferenz als neuer Atelierbeauftragter vorgestellt. Er folgt Florian Schmidt in das Amt, der sich in den vergangenen drei Jahren um die Atelierversorgung von Berlins bildenden Künstlern kümmerte und bereits im Dezember zum neuen Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg ernannt worden ist. Schmidt hat Schwegmann nun nicht nur sein Büro an der Köthener Straße überlassen, sondern auch die Umsetzung seines Masterplans. Mit dem wollte er bis 2020 den Notstand an bezahlbarem Kunstraum bekämpfen.

2000 neue, geförderte Ateliers wollte er schaffen. Was sich angesichts des knapper werdenden Wohnraums und steigender Mieten bereits gewaltig anhört, selbst das wird die Nachfrage nicht decken. Der Bedarf an bezahlbaren Kunsträumen ist so hoch wie nie zuvor – und er wird wachsen, mittelfristig werden etwa 4000 bis 7000 neue Ateliers benötigt. „Da liegt viel Arbeit vor mir“, sagt Schwegmann.

Der promovierte Stadtforscher und Architekt arbeitete als Tischler, bevor es ihn an die Uni zog. In den vergangenen Jahren lehrte er an Hochschulen wie der TU Berlin und der Universität der Künste, in Puerto Rico und Helsinki, arbeitete im Georg Simmel Zentrum für Metropolenforschung und in Stadtentwicklungsprojekten. Schwegmann kennt sich also aus mit den Problemen einer wachsenden Großstadt. Er sei motiviert und gut ausgestattet für das, was jetzt auf ihn zukomme, sagt er. Der 41-Jährige freue sich darauf. Ab Montag wolle er beginnen, den Masterplan seines Vorgängers umzusetzen und Künstlerinnen und Künstlern bei der Ateliersuche behilflich sein.

Auch das ist dringend nötig. Etwa 8000 Berliner Künstler suchen aktuell nach bezahlbarem Kunstraum. „Berlin ist für seine freie Kunstszene bekannt, wir müssen jetzt sehen, dass die Stadt nicht an ihrem eigenen Erfolg erstickt“, sagt Schwegmann.