Gescheitert muss man Nacho Duatos Intendanz wohl nennen. 2013 berufen, im Jahr darauf angetreten, sollte der Spanier das Staatsballett nach der klassisch-russisch geprägten Ära seines zehn Jahre amtierenden Vorgängers Vladimir Ma-lakhov in die Zeitgenossenschaft führen. Stattdessen verpflichtete Duato die Kompanie zu einem Ausflug in seine eigene choreografische Vergangenheit, hievte etliche seiner angestaubten Eigenkreationen auf die Bühne. Im Nacho-Duato-Gedenkmuseum konnte man sich wähnen angesichts von Klassikerschinken wie „Dornröschen“ oder des 15 Jahre alten Bach-Abends „Vielfältigkeit – Formen von Stille und Leere“ – nicht bei einem der führenden Ballettensembles.

Ideenlos bis narzisstisch war Duatos Spielplanpolitik, zur Schau gestelltes Desinteresse am neuen Job. Schon seine Ernennung wurde kühl bis ablehnend kommentiert, seine Zeit als Künstler sei vorbei, hieß es. Ein denkbar schlechter Start – und besser wurde es nicht mehr. Fade bis verschmockt wirkte 2015 Duatos erste Uraufführung fürs Staatsballett, „Static Time“. Dabei hatte Duato auch kleine Erfolge zu verbuchen: Mit Choreografen wie Ohad Naharin, Hofesh Shechter oder Martin Schläpfer lud er sehenswerte Zeitgenossen ein, und auf den unteren Hierarchiestufen des Ensembles verpflichtete er zum Teil fabelhafte Tänzer – ohne allerdings der schmalen Besetzung an der Spitze entgegenzuwirken.

Wirkung zeigen konnten Duatos verhaltene Reformansätze nicht mehr. Im September 2016 beendete Michael Müller als Regierender Bürgermeister und Kultursenator Nacho Duatos Amtszeit zum Ende der Spielzeit 2018/2019. Ein kulturpolitischer Knalleffekt war diese Nichtverlängerung kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus, weil sie einherging mit der Berufung des Duos Sasha Waltz und Johannes Öhman. Hoch schlugen die Wellen, weil das um seine klassische Technik fürchtende Ballettensemble lautstark gegen die zeitgenössische Berliner Choreografin Waltz und ihren Sidekick vom Royal Swedish Ballet aufbegehrte.

Nacho Duato gibt seinen Intendantenposten zum 31. Juli 2018 ein Jahr früher als geplant auf, wie die Kulturverwaltung am Freitag mitteilte. „Das Beste für die Kompanie“ sei seine Entscheidung, so Duato dem Staatsballett gegenüber. Nachfolgen wird ihm interimsmäßig Johannes Öhman, ließ Kultursenator Klaus Lederer (Linke) das Ensemble wissen. Zum 1. August 2019 wird wie geplant Sasha Waltz dazustoßen. Über die künftige Zusammenarbeit soll nun endlich gesprochen werden bei einem Treffen der Kompanie mit dem designierten Leitungsduo im April. Diese Begegnung hatte das Ensemble bislang abgelehnt.