Kultur

Burka-Barbies und rote Hackenschuhe

Beate Passow erhält den Gabriele Münter Preis. Eine Gruppenschau in der Akademie der Künste

Die „Burka Barbies“ haben es in sich. Mit ihren schlanken Beinen sind die Puppen das Symbol für amerikanische Weiblichkeit. Beate Passow hat ihnen kurzerhand Mini-Burkas in poppigen Farben übergestülpt. Schick für die einen, provozierend für die anderen. Präsentiert werden sie auf einem Spiegeltablett, so schaut man ihnen in den Schritt. Zwei Frauenbilder prallen hier aufeinander – die winzigen Burkas hat die Künstlerin tatsächlich in Afghanistan erworben. Dort dienen sie offenbar dazu, Flaschen zu „dekorieren“ und den Alkoholkonsum zu verschleiern. Mittlerweile kann man sie im Set im Internet bestellen.

Das Fremde und die Andersartigkeit der Kulturkreise in einer globalisierten Welt sind Themen im politisch ausgerichteten Gesamtwerk von Beate Passow. Sie hat zahlreiche Länder wie den Iran und Pakistan bereist – Ausgangspunkt für Arbeiten wie „Picknick in Persien“ oder „Burkas im Biergarten“. Ihre letzte Serie ist hochaktuell, beschäftigt sich mit dem weltweiten Terror und schlägt einen Bogen zurück zur RAF der 70er-Jahre.

Für ihr Lebenswerk bekommt die Münchnerin nun den Gabriele Münter Preis, der mit 20.000 Euro dotiert ist und als renommierteste Auszeichnung für bildende Künstlerinnen in Deutschland gilt. Frühere Preisträgerinnen waren etwa Valie Export und Ulrike Rosenbach, beide Mitglieder der Akademie der Künste (AdK). Verbunden ist der Preis mit einer Gruppenschau der 19 Finalistinnen in der AdK am Hanseatenweg. Klein, aber erstaunlich frisch und modern.

Wie wichtig so ein Preis für Frauen „Ü 40“ ist, zeigt sich auch daran, dass es 960 Bewerbungen gab. Auszeichnungen werden im Allgemeinen nur bis Ende 30 verliehen – Folge des Jugendwahns, wie Sektionsdirektor Wulf Herzogenrath erklärt, da Frauen häufig erst später – bedingt durch Brüche in ihrer Vita – künstlerisch durchstarten können als ihre männlichen Kollegen. Allerdings sei der Aufstieg der Frauen in Museen und Galerien heutzutage weitaus besser als noch vor zehn, 20 Jahren, resümiert er. In der AdK selbst ist Jeanine Meerapfel die erste Chefin im Dienst. Zur Erinnerung: In Deutschland waren Frauen zum Kunststudium erst nach dem Ersten Weltkrieg zugelassen.

Das Schöne an der Schau ist, dass erstmals der in Berlin geborenen Namenspatronin Gabriele Münter (1877–1962) eine kleine Ausstellungssektion gewidmet ist – mit Originalen wie der Studie „Abstraktion“ von 1912, die zum ersten Mal überhaupt gezeigt wird. Das Gemälde stammte aus dem Fundus der Berliner Nationalgalerie. Münter gehörte der avantgardistischen Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ an und war mit Kandinsky liiert. Das Projekt wäre in diesem Umfang nicht ohne die Unterstützung durch das Bundesministerium für Familie und Frauen von Manuela Schwesig (SPD) möglich.

Anja Luithle setzt die sprichwörtlichen Schwierigkeiten beim Aufstieg der „Karriereleiter“ von Frauen ziemlich platt um. Zwei rote Hackenschuhe „laufen“ an zwei Stangen hinauf, um mit einem Knall wieder am Boden der Tatsachen zu landen. Die Künstlerin erzählt lebhaft, dass sie das erste, mittlerweile verschlissene Paar Schuhe 1997 bei Beate Uhse gekauft hat, weil sie in sexy Rot sonst in keinem anderen Sortiment vorhanden waren. Kaum zu glauben, diese Zeiten zumindest haben sich geändert.

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10. Di.– So. 11–19 Uhr. Bis 17. April. Katalog: 18 Euro

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