Nach 127 Jahren ändert die Freie Volksbühne ihren Namen: Die Besucherorganisation heißt jetzt „Kulturvolk“ mit dem Zusatz „Das Publikum“. Damit sei endlich Schluss mit der Verwechslung der Freien Volksbühne mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, sagt Vorstandsvorsitzender Frank Bielka am Mittwoch. Der neue Name solle zeigen, dass sich die Gemeinschaft über das Interesse an Kunst und Kultur definiert. „Wir knüpfen damit an die Tradition der Volksbühnenbewegung an.“

Die war 1890 mit dem Motto „Die Kunst dem Volke“ gestartet und hatte das Ziel, Arbeitern einen Theaterbesuch schmackhaft und finanziell möglich zu machen. Mitglieder konnten – wie heute – mit ermäßigten Tickets Vorstellungen besuchen. Anfang des 20. Jahrhunderts fiel der Beschluss, ein eigenes Theater zu errichten, ein Baufonds wurde aufgelegt: Am 30. Dezember 1914 wurde die Volksbühne am Bülowplatz, dem heutigen ­Rosa-Luxemburg-Platz, eröffnet. In der Nazizeit verlor der Verein seine Bühne, die dann unter dem nächsten Regime gewissermaßen volkseigen wurde. In West-Berlin baute die Freie Volksbühne mit dem gleichnamigen Theater an der Schaperstraße, dem heutigen Festspielhaus, eine Ersatzspielstätte, die aber aus finanziellen Gründen Anfang der 90er-Jahre verkauft werden musste.

Ein Trauma, wie Geschäftsführerin Alice Ströver einräumt, das einherging mit zahlreichen Austritten. Seit viereinhalb Jahren lenkt die ehemalige Kulturpolitikerin der Grünen die Geschicke des Vereins, die Mitgliederzahlen steigen wieder, der Altersdurchschnitt sinkt, betont Bielka. Um fit für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu werden, hat Kulturvolk den Internetauftritt überarbeitet und die Monatszeitschrift, die „Kultur­foyer“ hieß, trägt jetzt auch den neuen Markennamen. „Wir wollen den Begriff ,Volk‘ positiv besetzen“, so formuliert es Alice Ströver und zitiert die Bundeskanzlerin als sie sagt, dass „Zum Volk gehört, wer hier ist“.

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