Die Personalie ist umstritten, nun hat sich der neue Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zum Vertrag mit Chris Dercon als Intendant der Volksbühne bekannt. „Das Land Berlin steht in einem Vertragsverhältnis zu Chris Dercon, an das ich mich als Kultursenator halten werde“, sagte Lederer am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Das erwarte ich auch von ihm.“ Lederer hatte im Herbst angekündigt, die Personalie auf den Prüfstand zu stellen.

Dercons Gegner halten den belgischen Kulturmanager, der zuletzt das Londoner Museum Tate Modern leitete, für ungeeignet, Nachfolger von Frank Castorf zu werden. Sie fürchten um das Profil der Bühne. Das Schlagwort „Eventbude“ machte die Runde. Theater-Mitarbeiter hatten in einem offenen Brief gegen Dercon protestiert.

Die Gespräche zwischen ihm und Dercon seien sehr intensiv gewesen, sagte Lederer. „Am Ende blieb es aber bei unterschiedlichen Sichtweisen auf Theaterbetrieb und -funktion. Diese Differenz mag ungewöhnlich sein – ich halte sie jedoch für aushaltbar.“

Dercon erklärte dazu: „Wir haben uns geeinigt, uns nicht zu einigen. Wir werden die Volksbühne ab dem 1. August in einer Weise weiterführen, die sowohl den sozialen Organismus dieses einzigartigen Theaters würdigt als auch die Zukunft der darstellenden Künste in Berlin und darüber hinaus vorantreibt.“ Die detaillierten Pläne sollen am 16. Mai vorgestellt werden.

Die Personalie stammt aus dem Jahr 2015, noch aus der Zeit der rot-schwarzen Koalition, als Tim Renner Kulturstaatssekretär war. Lederer ist seit Dezember Kultursenator. Er hatte in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ die Frage aufgeworfen, ob die Volksbühne der richtige Ort für jemanden wie Dercon sei, „der aus völlig anderen Zusammenhängen kommt und kaum Theatererfahrung hat“.

Dercon hat kürzlich angekündigt, für das Theater auf ein festes Ensemble zu setzen. Die Volksbühne werde weiterhin ein produzierendes Theater mit allen dazugehörigen Gewerken bleiben. Rückendeckung bekam Dercon am Donnerstag von Fotograf Wolfgang Tillmans: „Ich glaube, dass Dercon unterschätzt wird“, sagte Tillmans der „Berliner Zeitung“.

Frank Castorf verabschiedet sich nach einem Vierteljahrhundert als Intendant mit einer letzten Groß-Produktion von der Volksbühne: Am 3. März hat seine Version von Goethes „Faust“ Premiere.

dpa