„Falco – Das Musical“

So war die Premiere vom Falco-Musical im Admiralspalast

Die bunte Multimedia-Inszenierung mit aufreizenden Tanzeinlagen im Admiralspalast spielt mit Rockstar-Klischees.

Alexander Kerbst als Falco

Alexander Kerbst als Falco

Foto: dpa Picture-Alliance / Armin Weigel / picture alliance / Armin Weigel/

„Falco – Das Musical“, das einen Tag vor Falcos 60. Geburtstag im Admiralspalast seine Berlin-Premiere feiert, ist bereits die dritte Theater-Adaption, die auf dem Leben des bis dato größten österreichischen Popstars basiert. Die Eckdaten sind die Üblichen: Aufstieg vom mozartgleichen Wunderkind zum Deutschrap-Erfinder mit „Der Kommissar“, Ikarusflug mit „Rock Me Amadeus“, dann Absturz in die Drogensucht und schließlich der nie ganz aufgeklärte Unfalltod in der Dominikanischen Republik. Dramatischer Stoff, den Regisseur Peter Rein unverständlicherweise um zwei Fantasie-Figuren namens „Jeanny“ und „Ana Conda“ erweitert. Die jeweils ganz in schwarz und weiß gekleideten Damen sollen wohl so etwas wie Hoffnung und Todessehnsucht darstellen. In den knapp anderthalb Stunden der bunten Multimedia-Inszenierung sitzen sie dem Künstler wie Engelchen und Teufelchen auf der Schulter und strecken die Originalsongs mit aufreizenden Tanzeinlagen.

Hauptdarsteller Alexander Kerbst ist quasi professioneller Falco-Imitator, der Thüringer gab den geschniegelten Wiener bereits in den Produktionen „Falco Meets Amadeus“, ,„Falco - The Spirit Never Dies“ und „Falco – The Show“. Optik und Akzent sitzen, ebenso der „präpotente Schmäh“, wie Falco seine elegante Arroganz einmal nannte. Leider ist seine Figur zwischen den Songs als geradezu erschreckende Karikatur eines Klischee-Rockstars angelegt, größenwahnsinnig, unzurechnungsfähig, quengelig und so eindimensional, das man sie in keiner Sekunde mit der penibel durchdachten Musik von Falco in Verbindung bringt.

Als Stimme der Vernunft wird dem Kindskopf der von Sebastian Achilles gespielte Manager Horst Bork gegenüber gestellt. Als alleiniger Erzähler führt er vor- und hinter den Kulissen durch seine Version der Geschichte. Zuerst ist er Falcos cooler Entdecker, dann der Geschäftsmann mit den zündenden Ideen, der zuerst beim legendären Videodreh von „Rock Me Amadeus“ im Regiestuhl sitzt und dann gleich noch den Hit „Jeanny“ miterfindet. Als Falco anfängt zu trinken wird der Manager schließlich vom väterlichen Freund zum potentiellen Lebensretter, für den der außer Kontrolle geratene Künstler jedoch nur Undank übrig hat.

Ein Blick ins Programmheft verrät, dass der echte Bork, der 2014 ein Buch mit dem selbstgewissen Titel „Falco. Die Wahrheit: Wie es wirklich war“ veröffentlichte, als Berater zum „Kreativ-Team“ des Musicals gehört. „Falco war immer für einen Hit gut“, schreibt er in der Broschüre, während des Stücks sagt seine Figur: „Falco hat nie verstanden um was es geht: Um harte Arbeit.“ Als der eitle Fatzke seinen Manager schließlich in einer dramatischen Trennungsszene am Flughafen stehen lässt, weiß man: Jetzt kann es für den Sänger eigentlich nur noch bergab gehen. Und so kommt es dann auch: Gerade als Falco mit der blonden „Jeanny“ den Frieden gefunden zu haben scheint – engumschlungen tanzen sie vor einer Südseekulisse zu Schmalzpop – geht zum Geräusch berstender Scheiben das Licht aus. Auf den Leinwänden erscheinen Bilder von Falcos Beerdigung, zu denen der Manager ein letztes Mal vor das Publikum tritt und mit salbungsvoller Stimme verkündet: „Der Rest ist Popgeschichte“. Dass diese Geschichte von den Überlebenden geschrieben wird, wurde selten so quälend deutlich wie an diesem Abend.

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