Auf den meisten Konzerten steht das Publikum den Auftritt der Vorband eher gleichgültig durch. Bei den Sternen dagegen, die seit dem 9. Februar wieder auf Tour sind und am Sonnabend im Columbia Theater spielten, ist die Vorband schon Teil der Show: Für die Jubiläums-EP „Mach’s besser: 25 Jahre Die Sterne“ ließen sie 25 Interpreten Songs aus ihrem Repertoire neu interpretieren. Auf der dazugehörigen Tour wird in jeder Stadt einer der Albumgäste auftreten. In Berlin fällt die Wahl auf The Blood Arm. Die Indie-Rockband aus Los Angeles verwandelt „Ihr wollt mich töten“, ein Duett mit Alexander Hacke von den Einstürzenden Einbauten, in einen psychedelischen Traumtanz.

Die Sterne eröffnen den Hauptteil der Show mit „Scheiß auf deutsche Texte“. Sänger und Gitarrist Frank Spilker, Bassist Thomas Wenzel und Drummer Christoph Leich spielen seit 1992 durchgehend in der Band, die Keyboarder wechselten jedoch im Laufe der Jahre. Momentan ist die Stelle unbesetzt, daher springt Dyan Valdes von der Vorband ein. Dann gibt es allerdings erst mal eine unfreiwillige Pause: Ausgerechnet bei „Nach fest kommt lose“ spielt die Saaltechnik nicht mehr mit.

Die Sterne spielen eine Mischung aus Originalversionen und Covern der Cover ihrer Songs. Den Text von „Aber andererseits“ rotzt Spilker in einem Affenzahn hin, die punkige Interpretation der Band Kreisky steht dem Song gut. Spilkers Stimme ist kaum gealtert, er verfällt immer wieder in den Sterne-typischen rastlosen Sprechgesang, der den Instrumenten vorzueilen scheint.

„Depressionen aus der Hölle“ wurde auf dem Album von Björn Beton, Mitglied bei „Fettes Brot“, gecovert, fürs Konzert bleiben die Sterne bei ihrer Version. Für „Stell die Verbindung her“ entscheiden sich die Sterne für die Version von Mint Mind. Deren Mitglied Rick McPhail ist der Keyboarder von Tocotronic, die zusammen mit den Sternen und Blumfeld die musikalische Tradition der Hamburger Schule prägten.

„Hast du denn niemals richtig rebelliert?“ heißt es auf „Was hat dich bloß so ruiniert“. Der bekannteste Song der Sterne wurde nicht gecovert – wie Spilker mantraartig den Refrain wiederholt, während Leich den stampfenden Rhythmus hämmert, ist unnachahmbar. Pappbecher fliegen, das Publikum zeigt sich wie auch beim ersten großen Hit „Universal Tellerwäscher“ textsicher. Spilker resümiert: „Das war so schön mit euch die letzten 25 Jahre!“

Vor ein paar Jahren sangen Kraftklub: „Wir sind nicht Tocotronic und wir sind auch nicht die Sterne!“, aber zum Schluss zeigen „Fick das System“ und „Bis neun bist du O.K.“ aus den Anfangstagen der Band, woher nicht nur Kraftklub, sondern auch AnnenMayKantereit oder Von Wegen Lisbeth ihre Einflüsse haben. Jana Schwerdtfeger