Kultur

"Helle Nächte": Ödes Roadmovie

Eine alte Hollywoodregel besagt, Filme müssen größer sein als das Leben. Der Berliner Regisseur Thomas Arslan tat immer schon das Gegenteil davon: Seine Filme sind kleiner als das Leben. Ausgemergelte Dialoge, endlos lange Einstellungen ohne jeden visuellen Reiz, eine Dramaturgie aus Andeutungen, eine Geschichte, die verpufft. Dass es nun wieder ein Film aus der fast schon vergessenen Berliner Schule in den Wettbewerb geschafft hat, ist nicht nachvollziehbar. "Helle Nächte" berichtet von dem Bauingenieur Michael (Georg Friedrich), der zur Beerdigung des Vaters nach Norwegen reist. Vor der Abfahrt eröffnet ihm seine Freundin, dass sie für ein Jahr als Korrespondentin nach Washington geht, was ihm nicht gefällt, aber auch egal ist. Ein Beziehungsgespräch so emotional wie ein Termin beim Steuerberater.

Wenig verband Michael mit dem Vater, und so lädt er zu der Reise seinen eigenen Sohn ein (Tristan Göbel, seit "Tschick" ein Roadmovie-Experte), mit dem ihm ebenfalls wenig verbindet. Hier sind sich alle fremd, hier sind alle allein und nur in der nordskandinavischen Einöde einander ausgeliefert. Die Beerdigung und das Ausräumen der väterlichen Hütte hakt der Film schnell ab, Trauer existiert nicht, allenfalls weit entfernt von Arslans Interesse, und so fahren Michael und sein Sohn Luis fortan durch eine Landschaft, die das einzig Schöne ist an diesem Film. Das Schweigen und die Ereignislosigkeit strapazieren die Nerven auf ungute Weise.

Nach einer Stunde hat "Helle Nächte" seinen einzigen Höhepunkt. Michael versucht sein damaliges Weggehen zu erklären, übt sich in Entschuldigungen und wünscht sich eine Aussöhnung, doch von all dem will Luis nichts wissen, er rennt davon. Wie der Vater durch das Bergpanorama strauchelt, auf der Suche nach dem verlorenen Sohn, ist das stärkste Bild. Michael muss ihn regelrecht einfangen. Es gibt ein aufgeschürftes Knie, eine steife Umarmung und kein einziges Wort mehr. Das ist ganz kleines Gefühlskino.

Termine: Friedrichstadt-Palast, heute,
9.30 u. 17.30 Uhr, 19.2., 21.45 Uhr

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.