Auf den Gängen in der Barenboim-Said Akademie riecht es noch nach frischer Farbe. Ole Baekhoej hat sein Büro in der obersten Etage. Es ist überraschend groß, es steht ein langer Tagungstisch drin. Der Däne, Jahrgang 1970, ist neuer Intendant in Berlin, obendrein einer in einem neu geschaffenen Amt. Daniel Barenboim hat Baekhoej als Intendant für seinen Pierre-Boulez-Saal verpflichtet.
Während die Akademie bereits eröffnet ist und der Lehrbetrieb läuft, wird der Konzertsaal offiziell am 4. März eingeweiht. Die letzten Arbeiten in dem von Stararchitekt Frank Gehry entworfenen Saal laufen noch. Offenbar läuft alles nach Plan, denn es gibt keine Hektik im Haus, und der Intendant wirkt ebenfalls gelassen.
Wir schlendern hinüber zum neuen Berliner Prachtstück. Optisch lebt der holzgetäfelte Saal von zwei ineinander verschränkten Ellipsen. Man hat das Gefühl, dass der Rang schwebt. Baekhoej zeigt im Parkett auf eine Stuhlreihe, dort ist der Intendantenplatz. Eigentlich sitze er lieber oben im Rang, sagt er. Aber es gehört zu seinen Aufgaben, wie es in jedem Konzert- oder Opernhaus üblich ist, auch die Abendspielleitung zu übernehmen, falls irgendetwas passiert. Und als Repräsentant muss er schnell auf der Bühne bei den Künstlern sein können.
Die Bühne selbst ist gar nicht leicht auszumachen. In der Preisbroschüre sind vier Modelle ausgeschrieben: 360-Grad-Musik, Theater, Amphitheater und Arena. Der Saal selbst ist ein Verwandlungskünstler. Die Ticketpreise liegen zwischen 15 und 95 Euro. „Man kann vier Tage lang eine Mahler-Symphonie proben und woanders aufführen“, sagt Baekhoej.
Während der Zeit gehen Sitzplätze im Probensaal verloren, 270 bleiben dann. „Aber wenn man mittig ein Quartett spielt oder es einen Abend mit arabischer Musik oder Jazz gibt, dann stehen 683 Plätze zur Verfügung. Das ist eine interessante Größe. Es ergänzt das Saalangebot in Berlin. Ich sehe es eher als einen Saal, in dem das Kleine das musikalisch Große ist.“
Der Intendant plant rund 100 Events pro Jahr, bei denen der Boulez-Saal als Veranstalter auftritt. Dazu kommen Events mit Studenten und Lehrern in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. Da ist vieles noch nicht spruchreif. „Alles ist neu und der Saal einzigartig“, sagt Baekhoej, „deswegen müssen wir aus den Reaktionen der Künstler und des Publikums auch lernen.“ Eine klare Ansage gibt es, was der Saal keinesfalls werden wird. „Er soll keine Garage sein, in dem alles stattfinden kann, weil der Saal zufällig frei ist.
Bislang sind keine Vermietungen geplant. Wir suchen uns unsere Partner gezielt aus.“ Zu den beiden festen Partnern gehören das West-Eastern Divan Orchestra und die gleich nebenan ansässige Staatskapelle Berlin. Beide Orchester werden von Daniel Barenboim geleitet.
Die Arbeit im Management war ihm zu kommerziell
Ole Baekhoej gehört zu den Intendanten, die auf jedem Empfang mit einem Glas Sekt in der Hand eine gute Figur machen. Er wirkt freundlich, zugänglich und ist natürlich ein Musikkenner. Der Däne gehört zur modernen Generation der Musikmanager. Zunächst hat er Kontrabass in Aarhus und Amsterdam studiert, später dann Betriebswirtschaftslehre in Kopenhagen. Als junger Musiker ist er mit dem European Union Youth Orchestra und dem European Union Baroque Orchestra durch Europa und den Nahen Osten gereist.
Später spielte er als freiberuflicher Kontrabassist in Orchestern. Eine feste Anstellung war nicht sein Lebensziel. „Es ist schwierig, so eine Stelle zu bekommen“, sagt er, „und es ist mutig, so eine Stelle wieder aufzugeben. Ich habe lieber verschiedene andere Dinge ausprobiert. Kurze Zeit habe ich im Management einer Firma gearbeitet, die Events oder Konferenzen organisiert hat. Das war mir zu kommerziell.“ Bis 2012 war er künstlerischer Direktor des DR SymfoniOrkestret und für die Eröffnung des neuen Konzertsaals in Kopenhagen mitverantwortlich. Zuletzt war er Manager des in Berlin ansässigen Mahler Chamber Orchestra.
Bei dem von Claudio Abbado gegründeten Chamber Orchestra hat Baekhoej einiges gelernt. „Sie haben es geschafft, sehr viel von der jugendlichen Begeisterung in die heutige Professionalität mitzunehmen. Es ist auch organisatorisch ein besonderes Modell. Es hat sehr viel Flexibilität.“ Ein ähnliches Modell vertritt das Boulez-Ensemble, das unter Leitung Daniel Barenboims das Eröffnungskonzert spielt. „Wie der Saal ist auch das Boulez-Ensemble ein flexibles Ensemble. Es wird für jedes Projekt, für bestimmte Werke neu zusammengestellt.
Eingeladen werden Musiker vom West-Eastern Divan, von der Staatskapelle, Lehrkräfte der Akademie und langfristig gute Studenten. Aber auch namhafte Solisten und Kammermusiker. Es geht immer um das Hochkarätige.“

