Ausstellung

In neuem Licht - Das Museum Barberini eröffnet in Potsdam

Publikumsnah: Das Museum Barberini eröffnet mit zwei Ausstellungen zum Impressionismus und zur Klassischen Moderne. Ein Besuch in Potsdam.

Edle Säle: Blick auf Calude Monets Gemälde „Jagd“ im Museum Barberini in Potsdam

Edle Säle: Blick auf Calude Monets Gemälde „Jagd“ im Museum Barberini in Potsdam

Foto: Reto Klar

Das Wunder steht als furioses Finale am Ende der Schau: Claude Monet mit vier Seerosenbildern konzentriert in einem Raum. Eine Feier des Lichts. Es flirrt und schillert, Farbtupfen hüpfen, grün-blau-lila, gelb, orange-rot. Die Farbe hat sich auf diesen Bildern vollständig losgelöst von ihrem realen Gegenstand. Am schönsten ist der Blick, wenn man hier allein in der Mitte des Saales steht. Monet ist der Superstar in der Auftaktschau „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft“, mit der SAP-Gründer und Mäzen Hasso Plattner sein Museum Barberini in der alten Mitte Potsdams eröffnet. Kein Neubau, sondern eine Rekonstruktion des Palais Barberini, das König Friedrich II. nach dem Vorbild eines römischen Palazzos entwerfen ließ. „Das war viel einfacher, als selbst ein Museum zu bauen“, sagt Plattner. Da sei nicht nur die Fassade auf den Millimeter genau vorgegeben.

41 Monets gibt es zu sehen im Reigen der französischen Lichtmaler von Alfred Sisley, Pierre-Auguste Renoir, Camille Pissarro bis zu Gustave Caillebotte. Nicht zu übersehen, Plattner liebt die Impressionisten, sein erstes Bild war ein Sisley, also zeigt er nun in Potsdam erstmals große Teile seiner Sammlung öffentlich – zusammen mit Leihgaben internationaler Museen und prominenter Sammler wie von seinem „Kumpel“ Bill Gates.

Und eine zweite Eröffnungsausstellung kommt hinzu, die „Klassiker der Moderne“: Immer wieder Max Liebermann mit seinen Motiven vom Garten am Wannsee, der Tiergarten, Biergärten. Die Natur, das Wasser, die Landschaft – das sind die Themen. Auch Nolde ist stark vertreten mit seinen sonnendurchtränkten Blumengärten. Und Edvard Munch, der Melancholiker, bespielt einen eigenen Saal. Mit Kandinsky schlägt die Ausstellung den Bogen zur Abstraktion und endet mit zwei Bildern von Gerhard Richter, was an dieser Stelle inhaltlich recht bemüht wirkt. Ein Richter sei zu groß, um ihn zu Hause zu haben, erzählt Plattner. Hängt dieses monumentale Werk vielleicht deshalb hier?

Dezent, zeitlos wirkt das Gebäude mit den drei Etagen

Die Schnittmenge könnte nicht größer sein: Impressionismus und Klassische Moderne, auch wenn man einiges schon einmal gesehen hat, diese Werke sind und bleiben Publikumslieblinge. An Besuchern wird es in Potsdam nicht mangeln. Berlin hingegen wird sich warm anziehen müssen, so qualitativ hochwertige Kunst in dieser Anzahl zu einer Zeit ist in der Hauptstadt nicht zu sehen, zumal die Nationalgalerie auch noch geschlossen ist. Direktorin Ortrud Westheider verspricht auf Nachfrage, man wolle künftig kollegial mit den Berliner Häusern zusammenarbeiten.

Mit dem privat finanzierten Museum Barberini kann sich Potsdam glücklich schätzen, das Kunstmuseum gehört in die Premium-Liga, mit allem, was heute zu einem seriösen, internationalen Ausstellungsbetrieb gehört. Das kann man daran ablesen, welche Museen ihre Leihgaben zur Verfügung gestellt haben: von der National Gallery in Washington bis zur Eremitage in Sankt Petersburg. Außen rekonstruierte Barockfassade in warmem Sandstein, innen klassisches Museumsinterieur: hohe Säle mit weißen oder edel farbig gehaltenen Wänden, Lichtdecken, Parkett.

Dezent, geschmackvoll, ja zeitlos wirkt das Gebäude mit den drei Etagen und 2200 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Café und Shop, alles da. Die Materialien sind hochwertig bis auf die aus dunklem Holz handgearbeiteten Bänke, Kalkstein in den schmalen Treppenhäusern, Terrazzo im Foyer. Die Klimatechnik, unabdingbar für den großen Leihverkehr – unsichtbar. Vieles erinnert in den Sälen an die Berliner Gemäldegalerie, kaum verwunderlich, das Gebäude stammt von den Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht, sie entwarfen auch das Museum am Kulturforum.

Auftritt für Rodin

Wo Monet ist, darf Rodin nicht fehlen. Der Bildhauer holte mit seinen porösen Oberflächen das Licht in die Skulptur hinein. Jetzt hat er einen alleinigen Auftritt im ehemaligen Festsaal mit Blick auf den Alten Markt. Da hockt sein „Denker“ in kleinem Format, grüßen die „Bürger von Calais“, die „Danaide“ aus Gips ist da. Die 14 Arbeiten, teilweise Nachgüsse, kommen allesamt aus dem Musée Rodin in Paris.

Leider fällt auf den Etagen die Orientierung schwer: So kann sich die große Erzählung vom Aufbruch zur Moderne, die über die Impressionisten und die Entdeckung des Lichtes führt, nicht im Kreise schließen. Das liegt an der Architektur des Museums Barberini: Der Besucher muss die Seitenflügel wechseln und durch Flure hindurch.

Gern wüsste man, welche Quelle hinter einzelnen Werken steckt. Doch die Bildlegenden verraten nichts, „Privatsammlung“ – das ist der Hinweis, der gegeben wird. Museen dagegen sind aufgeführt. Privatsammler unter sich, natürlich dürften versicherungstechnische Aspekte eine Rolle spielen.

Mit Ortrud Westheider hat Plattner eine erfahrene Museumschefin engagiert, sie kommt vom Bucerius Kunst Forum in Hamburg. Ihre Planung ist ambitioniert, drei Ausstellungen pro Jahr möchte sie realisieren, um das Haus offen und lebendig zu halten. Plattners Kollektion soll dabei Schwerpunkte setzen, stets flankiert von Leihgaben, um inhaltlich keine Schlagseite zu bekommen.

„Es wird Ausstellungen geben“, versichert Plattner, „wo ich sagen werde, ach Gott, ich verstehe gar nichts.“ Also: Experimente sind erlaubt.

Service

Adresse: Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstr. 5–6, 14467 Potsdam

Geöffnet: Mo. und Mi.–So. 11–19 Uhr, jeder erste Do. im Monat 11–21 Uhr, Di. geschlossen (Sonderöffnungszeit am Di. 24.1.2017, 11–19 Uhr); Mo.–Fr. (außer Di.) für Kindergärten und Schulen nach Anmeldung 9–11 Uhr

Preise: Eintritt 14 Euro/erm. 10 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei

Tickets: Jahreskarte Einzelperson 30 Euro/Jahreskarte Paare 50 Euro; Young Friend (unter 35 Jahre) 20 Euro, Online-Tickets unter www.museum-barberini.com

Führungen: Täglich außer dienstags um 11 Uhr und jeden Donnerstag zusätzlich um 18 Uhr öffentliche Führung