Josefine Preuß wirkte schon in Erfolgsfilmen wie „Die Pilgerin“, „Türkisch für Anfänger“ und „Rubinrot“. Nun hat die Berliner Schauspielerin unter Produzent Oliver Berben die zweite Hoteldynastie verfilmt. Nach dem erfolgreichen Dreiteiler „Das Adlon – Eine Familiensaga“ kommt nun der ZDF-Zweiteiler „Das Sacher. Die Geschichte einer Verführung“ (16.1., 20.15 Uhr) ins Fernsehen. Darin spielt die 27-Jährige die Adlige Konstanze von Traunstein, die als heimliche Buchautorin und Fürstin ihren Weg sucht. Ein Gespräch über Naschkatzen, ihre Liebe zu Geschichte und Ferdinand von Schirach.
Haben Sie einen Bezug zum Hotel Sacher in Wien?
Josefine Preuß: Vom Sacher war mir in erster Linie die Torte ein Begriff, und ich wusste, dass es ein Hotel dazu gibt. Nach dem Rollenangebot musste ich aber erst einmal recherchieren.
Es ist für Oliver Berben und Sie die zweite Zusammenarbeit nach dem „Das Adlon“-Erfolg.
„Das Adlon“ hat schon so gut geklappt, ich wäre stinkig gewesen, wenn er mich nicht für „Sacher“ angefragt hätte. Das Buch war ungewöhnlich, ich war sofort verliebt.
Weil es statt Klischees starke Frauenrollen gibt?
Es ist eine Emanzipationsgeschichte von drei Frauen. Aus komplett unterschiedlichen Ständen mit komplett unterschiedlichen Lebensgeschichten.
Ihre Figur wurde schon mit 17 Jahren verheiratet.
Damals gab es im Adel arrangierte Ehe, es gab keine Liebeshochzeit. Konstanze wurde mit 17 Jahren verheiratet, und das war fast schon spät. Ich habe gelesen, dass es teilweise schon mit zwölf Jahren losging. Da wurde man auf Bälle geschickt und ein Partner gesucht. Das waren die Konventionen, das war die Zeit – und das ist gerade mal 100 Jahre her.
Da haben unsere Mütter und Großmütter viel geschafft.
Das stimmt, wollte man früher ein Konto eröffnen, brauchte man die Unterschrift vom Ehemann. Aber ich finde es erstaunlich, dass die Entwicklung nicht frei von Rückschritten ist. Es gab schon Zeiten, wo Frauen emanzipierter waren. In den „Goldenen Zwanzigern“ waren die Frauen freier als in den 50er-Jahren. Sie traten in Hosen auf, rauchten Zigarette mit Spitze und im Nachtleben verwischten die Geschlechter. Danach hieß es dann aber wieder: zurück an den Herd.
Was nehmen Sie von so starken Rollen wie nun als Konstanze von Traunstein persönlich mit?
Keine Charaktersachen, dazu bin ich zu fertig. Aber bei „Die Pilgerin“ habe ich Bogenschießen gelernt und das mache ich heute noch. Oder beim „Sacher“ habe ich kurrent schreiben gelernt. Es sind schöne Zeichen, aber das lasse ich wieder bleiben. Eigentlich schade, die haben sich damals so viel Zeit gelassen, wir tippen ja heute nur noch.
Haben Sie einen Hang zum historischen Film?
Danach sage ich immer ganz laut: Jetzt ein Film mit Lipgloss und Nagellack wäre auch wieder schön. Aber im Ernst, ich muss mich auf solche Rollen anders vorbereiten. Ich liebe es zu lesen, und gerade beim Sacher habe ich eine riesige Literaturliste bekommen: österreichische Geschichte und Schriftstellerinnen, adlige Frauen, Biografie von Sisi, die Ringstraße. Ein Jahr vorher ist nur Lesen, Lesen, Lesen angesagt.
Sie hätten auch Geschichte studieren können?
Ja, aber meine Mutter ist schon Geschichtslehrerin. Ich brauchte etwas anderes (lacht).
Aber die Faszination war angeboren?
Das liebe ich an meinen Eltern. Im Urlaub gab es zwar Entspannung am Strand, aber meine Mama hat immer darauf geachtet, dass wir auch das Land kennenlernen, ins Museum gehen und uns Mahnmale ansehen. Meine Mutter ist eine unheimlich belesene Frau und eine beliebte Lehrerin.

Und: Ist Sachertorte Ihre Lieblingsspeise?
Bei den ersten Bissen denkt man: die geilste Torte der Welt, dann wird’s viel und die letzten Bissen werden trocken, die würgt man sich dann runter und dann braucht man drei Monate Pause.
Ich als Wienerin finde sie überbewertet, eine trockene Angelegenheit.
Da braucht man viel Schlagobers dazu.
Sind Sie sonst eine Naschkatze?
Ich bin eher der deftige Typ.
Das heißt, in Ihrer Schultüte war damals viel Salami?
Nein, viel Kinderschokolade. Das war nach dem Mauerfall, da waren wir süchtig nach Kinderschokolade und allem anderen. Inzwischen gibt es Schokolade und Süßes nur noch in Getränken.
Sie spielen tolle Rollen, gibt es ein Geheimrezept für Ihren Erfolg?
Ich bin sehr dankbar dafür, aber ich bin auch nie verkrampft gewesen. Bei Castings teste ich immer den Regisseur, nicht nur er mich. Erfolg klingt doof, ich wollte nur spielen. Ich war dankbar für „Das Adlon“, das war der wohl wichtigste Schritt weg von der Komödie. Das war das, was ich immer machen wollte, was man mir aber nicht zugetraut hat, weil ich aus einer Vorabendserie kam.
Oliver Berben ist Ihr Förderer, fragen Sie ihn manchmal nach weiteren Rollen?
Ich würde ihn nie fragen, das würde ich nicht machen. Einmal nur habe ich mich ins Gespräch gebracht. Wir haben damals „Hebamme 2“ gedreht, da hat er sich über die zweite Staffel von „Schuld“ von Ferdinand von Schirach unterhalten. Da brauchten sie die Theresa in „Cello“ noch. Ich bin ein riesiger Fan von Ferdinand von Schirach. Ich habe „Schuld“ verschlungen. Da habe ich Oliver gefragt, ob ich nicht Theresa spielen kann – und es hat funktioniert.


