Er ist nicht allein gekommen. Als Dani Levy am Dienstagabend im Zoo Palast in der Reihe „Hauptrolle Berlin“ noch einmal seinen Film „Alles auf Zucker!“ zeigt, hat er, dem Schmuddelwetter zum Trotz, eine ganze Entourage mitgebracht, den Regieassistenten des Films, die Kostümbildnerin und, vor allem, Manuela Stehr, die Produzentin. Die hat mehr als alle anderen an den Film geglaubt, sie hat für ihn gekämpft. Und das war gar nicht so einfach. Denn, so erinnert sich Dani Levy auf der Bühne, es gab viele Vorbehalte gegen das Projekt.
Im Nachhinein ist das kaum zu verstehen. „Alles auf Zucker!“ war vor zwölf Jahren tatsächlich die erste jüdische Komödie des deutschen Kinos nach der Vertreibung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten. Viele hatten den Filmstart 2005 deshalb wie eine „Erlösung“ empfunden. Die Komödie war ein phänomenaler Publikumserfolg. Und gewann auch noch sechs Lolas beim Deutschen Filmpreis. Aber als es um die Finanzierung ging und Levy sein Projekt bei verschiedenen Fernsehsendern vorstellte, gab es immer wieder Bedenken, ob ein jüdisches Thema überhaupt „quotentauglich“ sei – und, dieser Vorwurf traf den jüdischen Regisseur am meisten, ob man im Fernsehen Filme für Minderheiten machen müsse.

Die Idee zu seiner Komödie ist Levy übrigens bei einer jüdischen Hochzeit in seiner Familie gekommen. Er schaute in die Hochzeitsgesellschaft, sah all diese sympathischen, neurotischen Menschen, und meinte, darüber müsse man doch eigentlich einen Film drehen. Und natürlich war auch das eine Sehnsucht: einen Film über Juden von heute zu drehen, in denen sie ganz normale Probleme haben.
Da Levy selbst nicht streng orthodox lebt, hat er sich übrigens, wie seine nicht-jüdischen Schauspieler, von seinem Schwager beraten lassen, der nicht nur Psychologe war, sondern auch orthodox und Sohn eines Rabbis. Der war da allerdings, gibt Levy verschmitzt zu, schon sein Ex-Schwager. Und es war genau seine Hochzeit, bei der ihm die Idee kam. „So“, grinst der Regisseur, „hat sich ein Kreis geschlossen.“ Auch dass seine kleine jüdische Komödie bei der Lola gegen den großen Hitler-Aufarbeitungsfilm „Der Untergang“ gesiegt hat, das hat ihn schon stolz gemacht.
Bei der „Hauptrolle“, in der der Zoo Palast gemeinsam mit der Berliner Morgenpost jeden ersten Dienstag im Monat einen genuinen Berlin-Film zeigt, ist als nächstes am 7. Februar die Musical-Adaption „Linie 1“ nach dem Bühnenklassiker des Gripstheaters zu sehen.


