Kino

Deutsche Stars als Panzerknackerbande: „Vier gegen die Bank“

Wolfgang Petersen hat einen alten Stoff noch mal verfilmt. Klingt, als ob ihm nichts mehr einfiele. Der Film beweist das Gegenteil.

Foto: Warner Bros

Es geht bei diesem Film um ziemlich viele Nullen. Und dabei sind erst mal gar nicht die immensen Geldsummen gemeint, die hier geraubt werden sollen. Auch nicht die vier Nullen, die das bewerkstelligen wollen. Nein, die Zahlen beziehen sich zunächst auf den Regisseur.

Es ist genau zehn Jahre her, dass Wolfgang Petersen, neben Roland Emmerich der deutsche Regisseur in Hollywood, seinen letzten Film gemacht hat: „Poseidon Inferno“, der leider empfindlich gefloppt ist. Es ist 30 Jahre her, dass er das letzte Mal in Deutschland gearbeitet hat. Und jetzt hat er es wieder getan, mit einem Stoff, den er vor 40 Jahren schon einmal fürs deutsche Fernsehen verfilmt hat: „Vier gegen die Bank“. Klingt, als ob da jemand in Hollywood keine Aufträge mehr bekommen würde und sich deshalb seiner Wurzeln besinne.

Und noch mehr Zahlen: Für sein Comeback hat Petersen gleich vier der kräftigsten Zugpferde des deutschen Films gewonnen. Michael „Bully“ Herbig, Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, sie alle zählen zu den ganz wenigen hiesigen Stars, die verlässlich Millionen ins Kino ziehen. Und Jan Josef Liefers ist mit seinem Münsteraner „Tatort“ sowas wie der Quoten-König des Fernsehens. Klingt, als habe da jemand auf Nummer Ganz Sicher gehen wollen. Und sowas geht ja ganz oft ganz schrecklich in die Hose.

Nicht aber bei diesem Eigen-Remake! Mit „Vier gegen die Bank“ beweist Petersen, dass er auch mit mittlerweile 75 Jahren noch immer ganz auf der Höhe ist. Sein jüngster Film ist sein schönster seit langem. Und auch wenn er dem deutschen Kino so lange abhold war, scheint er den Kontakt doch nie ganz verloren zu haben. Er hat nicht nur eine Spitzenbesetzung gewinnen können; nein, ihm gelingt auch, was den Herren Schweiger, Herbig und Schweighöfer nicht immer gelingt, wenn sie bei ihren Filmen selbst Regie führen: auf den Punkt zu spielen. Und ihr eigenes Image gekonnt und mit Lust aufs Korn zu nehmen.

Til Schweiger etwa gibt einen Boxer, der gern den Macho raushängen lässt, Schweighöfer einen Werbeberater, der sich maßlos überschätzt, Jan Josef Liefers einen sehr eitlen Schauspieler. Alle halten sich für die Größten. Alle wollen es noch mal allen zeigen. Aber ach, sie haben das Geld dafür bei einer Bank angelegt.

Bei einem Anlageberater, der, so wie ihn Michael Herbig spielt, ein noch größerer Versager ist, der das aber, das hat er den anderen voraus, auch weiß. Das Geld ist futsch, die Wut der drei Geprellten richtet sich erst mal gegen den Bankmann. Aber weil auch der sich nur als Opfer eines zynischen Chefs (Thomas Heinze) entpuppt, heckt man zu viert einen kühnen Plan aus: die Bank zu überfallen. Wobei aber so ziemlich alles schiefgeht.

Schon bei seinem ersten Bank-Film, vor 40 Jahren in München gedreht, hat Petersen auf versierte TV-Stars gesetzt. Und die „Boulevard“-Komödie, wie er sie nannte, hat damals auch bei Wiederholungen gute Quoten eingefahren. Aber das Tempo war eher getragen, und auch sonst ist das Fernsehspiel doch ziemlich gealtert. Die Neuversion, diesmal in Berlin gedreht, legt dagegen von Anfang an ein Gagfeuer vor, wie man es vom eher thriller-versierten Petersen nicht erwartet hätte. Und es lebt eben auch und vor allem davon, dass vier Alphatierchen hier mit Lust gegen ihr eigenes Profil anspielen. Und sich dabei fast zu überbieten suchen.

Man kann nicht nur ahnen, wie viel Spaß die Macher des Films bei den Dreharbeiten gehabt haben müssen. Man sieht es, in eigentlich jeder Szene. Petersen müsste dringend öfter in Deutschland drehen. Und die Herren Stars sich auch mal von anderen Regisseuren was sagen lassen: Sie geben nicht nur ihr Bestes, sie beweisen obendrein, dass sie auch im Ensemble funktionieren. Ein Nullsummenspiel der anderen Art, das grandios aufgeht.

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